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MARKT-AUSBLICK/Politische Risiken werden Börsen nicht aus der Bahn werfen

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
Von Manuel Priego Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)--Die politischen Unsicherheiten in Europa sind eine Gefahr für die Börsen. Sie dürften die Märkte aber nicht aus der Bahn werfen, zumindest solange größere politische Unfälle ausbleiben, die den Zusammenhalt der EU und des Euro in Zweifel ziehen. Dafür sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Unterstützung durch die gut laufende Berichtssaison einfach zu positiv.

Auf dem Eurogruppen-Treffen am kommenden Montag in Brüssel wird das griechische Drama in die nächste Runde gehen. Es geht um den Abschluss der zweiten Überprüfung des dritten Hilfsprogramms und die Freigabe weiterer Hilfen. Beobachter sind skeptisch, ob sich die Gräben zwischen dem IWF und der EU überbrücken lassen und ob es zu einer Einigung kommt. Der IWF pocht weiter auf Schuldenerleichterungen - eine Forderung, gegen die sich vor allem Berlin sperrt.

Kompliziert wird die Geschichte dadurch, dass insbesondere die deutsche Seite in der Eurogruppe den Internationalen Währungsfonds am Hilfsprogramm beteiligt sehen will, weil sie darin einen Schutz gegen die vermutete Duldsamkeit der EU-Institutionen sieht", so die BHF-Bank. Der IWF seinerseits sehe sich aber nicht als Zuchtmeister, sondern folge seiner eigenen Agenda, heißt es weiter.

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Politiker hätten Griechenland gerne vor den Wahlen von der Agenda

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Griechenland leidet derzeit nicht unter akuten Refinanzierungsproblemen. Die Politiker hätten die unangenehmen Verhandlungen aber gerne vor den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich aus dem Weg geräumt, da sie den Populisten keine zusätzliche Argumentationshilfen liefern möchten. In Holland wird Mitte März ein neues Parlament gewählt, in Frankreich findet im April die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt.

Laut Umfragen wird die anti-europäische PVV von Geert Wilders stärkste Kraft im niederländischen Parlament. Da es Wilders aber an Verbündeten fehlt, gehen Analysten nicht von einer Regierungsbeteiligung der PVV aus, sondern stellen sich auf eine Koalition aus kleinen Parteien ein. Diesem heterogenen Gebilde wird es aber an Durchschlagskraft fehlen, so dass Wilders laut der Commerzbank aus der Opposition heraus die Politik mitgestalten dürfte.

Noch mehr steht bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich auf dem Spiel. Marine Le Pen vom Front National hat ein Referendum zur EU-Zugehörigkeit Frankreichs angekündigt. Egal wie ein solches ausgehen würde, ein Sieg Le Pens würde Europas Börsen und den Euro einbrechen lassen. Le Pen werden zwar nur Außenseiterchancen eingeräumt - doch nach der Selbstdemontage des wichtigsten Kandidaten, Francois Fillon, ist das Risiko eines Le-Pen-Siegs gestiegen.

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Börsen werden nur im "Worst Case" einbrechen

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Die Finanzmärkte werden mit diesen Risiken umgehen, wie sie das immer tun. Sie werden nervös den Umfragen folgen und in Phasen erhöhter Unsicherheit volatil mit schärferen Abwärtsschüben reagieren. Solange der "Worst Case" in Form einer Präsidentin Le Pen aber ausbleibt, werden sich die Börsen wieder zügig erholen. Dafür gibt es auch gute Gründe: Denn die gut laufende Berichtssaison und die Konjunkturdaten sprechen für Aktien.

Die Experten von Warburg sind zuversichtlich, dass die Unternehmensgewinne in Europa in diesem Jahr ihr großes Nachholpotenzial zumindest ansatzweise entfalten werden. Im Moment seien die Gewinnrevisionen der Unternehmen in den europäischen Indizes positiver als in den USA, und auch die erwarteten Zuwachsraten liegen auf dem Niveau der US-Indizes oder sogar etwas darüber. Während die US-Gewinne aktuell 70 Prozent über dem Niveau von 2010 lägen, betrage der Gewinnzuwachs bei den Unternehmen des Stoxx-600 nur gut 20 Prozent.

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Rahmenbedingungen hellen sich seit Monaten auf

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Den Hintergrund für die erfreuliche Entwicklung bilden die sich seit Monaten aufhellenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nicht nur in den USA, auch in den meisten anderen Ländern und Regionen der Welt haben sich die Konjunkturdaten zuletzt deutlich verbessert. Dies gilt laut Warburg sowohl für die Industrie- als auch die Schwellenländer. "Die Weltwirtschaft wird von daher in diesem Jahr das stärkste Wachstum der vergangenen fünf Jahre aufweisen."

Die in der kommenden Woche anstehenden Wirtschaftsdaten sollten den positiven Eindruck bestätigen. Die Commerzbank erwartet, dass der europäische Service-Einkaufsmanagerindex im Februar auf 54 leicht zugelegt hat. Der entsprechende Index für das verarbeitende Gewerbe soll bei 55, und damit auf hohem Niveau, verharren. Der aus deutscher Sicht wichtigste Index - der ifo-Geschäftsklima-Index - wird leicht erhöht bei 110 erwartet.

Warburg warnt davor, dass die Anleger nicht den Fehler machen sollten, vor lauter Risiken die Chancen zu übersehen. "Während sich viele Anleger auf die Risiken fokussieren und hinter jeder politischen Nachricht einen potenziellen 'Schwarzen Schwan' vermuten, der die Aktienkurse in den Keller schicken könnte, zeigt sich, dass die meisten Unternehmen solider dastehen denn je", gibt Warburg zu bedenken.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/raz

END) Dow Jones Newswires

February 17, 2017 08:41 ET (13:41 GMT)

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