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MARKT-AUSBLICK/Sell in May and go away

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Manuel Priego Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)Der DAX hat in den vergangenen Tagen Unterstützung von unerwarteter Seite erhalten. Die Aussicht auf eine neue Regierung in Rom aus Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) und Lega Nord hat den Euro unter erheblichen Abgabedruck gesetzt, was den DAX über die Marke von 13.000 Punkten geschoben hat. Allerdings überwiegen weiter die Argumente für eine Korrektur im DAX. Dafür sprechen die anhaltenden politischen Risiken, der Rendite-Anstieg an den Anleihemärkten sowie die sich weiter eintrübenden Wirtschaftsdaten.

Aus Sicht eines Börsianers ist die sich abzeichnende Regierungsbildung aus M5S und Lega Nord in Italien sicherlich kein Grund zur Freude. Soweit bekannt, wollen die beiden unter anderem die Steuern radikal senken und ein Basiseinkommen einführen, was die ohnehin hohe Staatsverschuldung in astronomische Höhen treiben könnte. Was den Anlegern aber einen echten Schrecken einjagte waren Medienberichte, laut denen M5S und Lega Nord beabsichtigen, von der EZB einen Schuldenerlass über 250 Milliarden Euro einzufordern.



EZB kann und will Italien keinen Schuldenerlass gewähren


Ein fantastischer Vorschlag, dem die Währungshüter weder nachkommen wollen noch können. Die Vorstellung reichte aber aus, um die Rendite italienischer zehnjähriger Staatsanleihen um mehr als 30 Basispunkte auf 2,20 Prozent nach oben zu schießen zu lassen und die Investoren in Bundesanleihen zu treiben. Damit nicht genug: der Euro gab rund zwei Cent nach und fiel auf Stände unter 1,1800 Dollar. Genau diese Euro-Schwäche war für den Anstieg des DAX über die Marke von 13.000 Punkten verantwortlich.

Indes bestehen Zweifel ob der Nachhaltigkeit des Anstiegs. Nach Kursgewinnen von mehr als 1.000 Punkten ist der DAX reif für eine Konsolidierung. "Sell in May and go away", ist immer häufiger in den Handelsräumen zu hören. Für eine Korrektur sprechen aber auch handfeste fundamentale Gründe. Mit M5S/Lega Nord werden Erinnerungen an Syriza wach, die gleich nach der Regierungsübernahme auf Konfrontationskurs mit Brüssel gegangen war und diesen Kampf letztlich verloren hat - allerdings erst, nachdem viel Porzellan zerschlagen worden war.



Rom dürfte Machtkampf gegen Brüssel verlieren wie zuvor Athen


Da Italien angesichts seiner wirtschaftlichen Dimension viel größere Bedeutung für die EU und die Eurozone hat, droht eine Auseinandersetzung zwischen Rom und Brüssel zu einer viel stärkeren Belastung für die Finanzmärkte zu werden, als dies im Machtkampf mit Athen der Fall war. Es ist zwar auch hier unwahrscheinlich, dass sich M5S/Lega Nord mit ihren Forderungen durchsetzen wird. Bis Rom einlenkt, sind aber schwere Verwerfungen an den italienischen Anleihemärkten denkbar, die an den Börsen nicht gut ankommen werden.

Politische Risiken gibt es nicht nur in der EU. Nach dem jüngsten Schmusekurs zwischen Nordkorea und den USA hat sich die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Gegenpart Kim Jong-un zuletzt merklich abgekühlt. Ob damit die in das geplante Treffen der beiden in Singapur im Juni geknüpften Hoffnungen noch zeitgemäß sind, darf bezweifelt werden. Ein schlecht laufendes Meeting könnte der verfahrenen Situation eher schaden als sie zu verbessern, und damit könnten schon bald wieder die (Test)-Raketen fliegen.



Ausgang des Handelskonflikts zwischen USA und dem Rest der Welt unklar


Auch wenn das Thema zuletzt aus den Schlagzeilen verschwunden ist, bleibt ein Handelskonflikt zwischen den USA und China/Europa eine reale Gefahr. Die angedrohten Strafzölle auf europäischen Stahl sind bislang nur verschoben worden und treten ohne Einigung am 1. Juni in Kraft. Unklar ist zudem, wie sich die Verhandlungen zwischen Washington und Peking entwickeln. Zuletzt soll es Annäherungen zwischen den Lagern gegeben haben, solche Meldungen sind allerdings mit größter Vorsicht zu genießen.

Für eine Korrektur im DAX sprechen daneben die weiter nur mäßigen Wirtschaftsdaten aus der Eurozone. Dieser Trend dürfte sich in der kommenden Woche fortsetzen, wenn die europäischen Einkaufsmanagerindizes sowie der ifo-Geschäftsklimaindex zur Veröffentlichung anstehen. Analysten rechnen mit einer weiteren Abschwächung. Die Commerzbank glaubt nicht, dass die Abkühlung der vergangenen Monate nur auf Sondereffekte wie etwa die kalte Witterung zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf eine abnehmende konjunkturelle Dynamik.



Gute Stimmung der Anleger ist ein Warnsignal


Zugleich ist die Stimmung der Anleger bedrohlich gut. Dies zeigt sich nicht nur in den deutlich von den Jahreshochs zurückgekommenen Volatilitätsindizes, was als Kontraindikator verstanden werden kann. Auch laut der jüngsten Fondsmanager-Umfrage von Bank of America-Merrill Lynch bleiben die Anleger optimistisch. Nur 19 Prozent sind in der Mai-Umfrage der Meinung, der Markt habe im Januar das Top gesehen. Die Mehrheit glaubt, dass der Hochpunkt an den Börsen nicht vor 2019 zu erwarten ist.

Auch die über die psychologisch wichtige 3-Prozent-Marke gestiegene Rendite bei zehnjährigen US-Treasurys scheint die Fondsmanager nicht zu beunruhigen. Die Marke für eine Rotation aus Aktien in Anleihen wird erst bei einer Rendite von 3,60 Prozent gesehen. Eine Rezession erwarten die Marktteilnehmer nicht, stattdessen rechnen sie mit einem Anziehen der Inflation. Damit dürften sie recht haben. Ein Kurseinbruch an den Börsen droht wohl kaum, wohl aber eine Korrektur - und die ist schon lange überfällig.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/raz

END) Dow Jones Newswires

May 18, 2018 07:24 ET ( 11:24 GMT)

Copyright (c) 2018 Dow Jones & Company, Inc.

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