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MARKT-AUSBLICK/Virus und hohe Bewertung vertragen sich nicht

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (Dow Jones)Die Unsicherheit dürfte auch in der kommenden Woche nicht von den europäischen Aktienmärkten weichen. Den meisten Marktteilnehmern wird langsam klar, dass sie das Coronavirus unterschätzt haben. Selbst die zumeist guten Quartalszahlen der immer noch auf Hochtouren laufenden Berichtssaison werden davon immer stärker in den Hintergrund gedrückt. Denn ein Unternehmen nach dem anderen stellt seine Ausblicke auf das gesamte Jahr 2020 unter den Vorbehalt der Entwicklung des Virus.


Folgen des Virus wurden doch unterschätzt

"Die Leute sagen sich gerade, 'Moment mal, kommt China wirklich wieder so schnell zurück zur Normalität wie wir gedacht hatten'", sagt David Lafferty, Chef-Stratege von Natixis Investment Managers. Und auch Goldman Sachs hat sich mittlerweile so skeptisch geäußert, dass sie ein Korrektur von bis zu 10 Prozent an den Aktienmärkten für möglich halten. Die Finanzmärkte unterschätzten den negativen Einfluss des Coronavirus auf die Unternehmensgewinne, lautet ihre Begründung.

Marktteilnehmern wurde dies im Wochenverlauf eindrucksvoll mit der Marktbreite der Aussagen vor Augen geführt: Denn aus fast allen Branchen wurde auf eventuelle Virusbelastungen hingewiesen. Einmal fehlt es an Transportgütern wie beim Containerriesen Moeller-Maersk, zum anderen kommt es zu Produktionsausfällen wie bei Apple oder es verschieben sich die Aufträge selbst bei Tech-Unternehmen wie Adva und LPKF. In der Autobranche brach der China-Absatz fast auf Null ein: In den ersten zwei Wochen im Februar wurden 92 Prozent weniger Pkws verkauft, teilte der Branchenverband mit.


Unsicherheit und hohe Aktienbewertung verträgt sich nicht

Mit schlechten Nachrichten können die Börsen noch gut leben, falls sie klar umrissen sind und damit in die Kurse eingepreist werden können. Der Virus entwickelt sich hier jedoch zum Gegenteil: Die völlig unquantifizierbaren Folgen zwingen zu erhöhten Sicherheitsabschlägen auf Gewinnschätzungen, die ohnehin nur von sanftem Konjunkturoptimismus getragen werden. Ein DAX auf neuem Allzeithoch ist bei solchen Rahmenbedingungen kaum vorstellbar.

Für leichtes Entsetzen der Marktteilnehmer sorgte daher, dass selbst die Notenbanker der EZB die Höhe der Aktienkurse kommentieren mussten: Im Rahmen ihres Sitzungsprotokolls warnte die Notenbank, dass die hohen Bewertungen der Aktien nicht von den Gewinnaussichten gedeckten seien. "Eine deutlichere Warnung für eine Kursblase kann die EZB eigentlich nicht aussprechen", kommentierte ein Händler.


Rally bei Gold und Anleihen macht Sorgen

Entsprechend hoch ist die Sorge, dass "etwas faul" sein könnte am Aktienmarkt. Die Rally an den internationalen Anleihemärkten, der Anstieg im US-Dollar und vor allem die nahezu unerklärliche Hausse im Goldpreis treiben einigen Händlern den Angstschweiss auf die Stirn. Schließlich ist das die klassische "Flucht in sichere Häfen", die für Krisensituationen typisch ist.

Die Augen sind daher kommende Woche auf alle Aussagen und Makrodaten gerichtet, die etwas zur Beruhigung der Marktteilnehmer beitragen könnten. Vor allem der ifo-Index am Montag steht hier im Fokus. Die weniger schlechten Einkaufsmanager-Indizes vom Freitag haben hier etwas Hoffnung gemacht, dass die Sorgen übertrieben sein könnten. Indes, statt Konjunktiven braucht der Markt harte Fakten. Helfen können hier auch die Jahrsausblicke von Konjunkturwerten wie Bayer und BASF.

Auch die Zweitvorlagen der weltweiten BIP-Daten könnten helfen, wenn sie ohne Abwärtsrevisionen auskommen. Die wirkliche erlösenden Daten dürften aber erst am Samstag kommender Woche anstehen. Sollten die Einkaufsmanager-Indizes auch China ohne Crash auskommen, dürften auch die Märkte wieder auf Erholungskurs gehen.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/ros

END) Dow Jones Newswires

February 21, 2020 07:21 ET ( 12:21 GMT)

Copyright (c) 2020 Dow Jones & Company, Inc.
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