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MARKT-AUSBLICK/Von Europa bis China nur Probleme

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Michael Denzin

FRANKFURT (Dow Jones)Ziemlich vorsichtig sollten Anleger an Europas Aktienmärkten in die kommende Woche gehen. Die Nachrichtenlage spricht gegen eine Erholung und auch die markttechnische Verfassung ist schlecht. Vor allem die extrem schwächliche Reaktion auf den Freudensprung der US-Börsen nach der Zwischenwahl hat für lange Gesichter gesorgt. Sie habe klargemacht, wie angeschlagen Europas Aktienmarkt in Wirklichkeit ist. Dazu hat die Berichtssaison ihren Höhepunkt überschritten und nicht überzeugt. Zu viele Unternehmen haben gewarnt oder ihre Prognosen bestenfalls erfüllt, erfreuliche Überraschungen waren eher rar.



Eklatante Schwäche des DAX


Besonders schwach zeigt sich der deutsche Aktienmarkt nach der US-Wahl, unterstreicht Christian Schmidt von der Helaba. So seien immer noch 73 Prozent der Aktien im DAX in einem negativen Langfristtrend, mittelfristig seien es sogar noch mehr. An eine Jahresendrally allein aus saisonalen Gründen glaubt er daher nicht: "Die von den Medien ins Spiel gebrachte Diskussion über die Möglichkeit einer Jahresendrally am hiesigen Aktienmarkt ist mit den genannten Rahmendaten kaum in Einklang zu bringen", warnt er.

Als Warnzeichen wertet Jochen Stanzl von CMC Markets die schwachen Marktreaktionen des DAX auf gute Vorgaben: "Der Index ist im Bärenmarkt. Anleger nutzen in diesen Tagen Kurserholungen immer wieder zum Verkauf", warnt er. Technisch habe der DAX ein Doppel-Top ausgebildet.

Und selbst beim Blick auf die USA ist nicht alles rosig: Denn die Zahlen von Apple und der vorsichtige Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft haben gezeigt, dass auch dort die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Apple waren jedoch der letzte der berüchtigten "FANG-Aktien", die den Sektor noch oben gehalten hatten. Zunächst waren Facebook "umgefallen", als sie Ende Oktober auf ein Jahrestief durchbrachen. Dies hatte kräftige Gewinnmitnahmen zur Folge und auch die anderen Titel nach unten gezogen. Nun hat Facebook eine kurze Erholung hinter sich und das alte Jahrestief von unten angetestet. Sollten die Aktie von diesem Niveau aus wieder nach unten drehen, läge markttechnisch ein bestätigtes Verkaufssignal vor. Sogar die US-Börsen dürften dann auf Südkurs gehen.



In Europa fällt ein Dominostein nach dem anderen


Und als würde das nicht reichen, belastet auch Fundamentales von China bis Europa: Der Blick auf die US-Zwischenwahlen hatte nur für eine dankbare Ablenkung gesorgt und diese Probleme kaschiert. Das ist nun vorbei - stattdessen bietet sich gerade ausländischen Investoren der Eindruck, als würde ein Dominostein nach dem anderen umfallen.

So brach in Frankreich die Industrieproduktion um 1,8 Prozent im September geradezu ein. Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gerechnet, was klar macht, wie hoch noch das Überraschungspotenzial ist. In Großbritannien läuft die Uhr ab mit Blick auf den Brexit und in Italien spitzt sich die Entwicklung im Haushaltsstreit zu. Wichtigster Stichtag ist der kommende Dienstag: Bis dahin hat die Regierung Zeit, der EU einen geänderten Haushaltsentwurf vorzulegen, unterstreichen die Währungsstrategen der Commerzbank. Bislang habe Rom jedoch keine Einsicht gezeigt.

Und auch in Deutschland sieht es nicht gut aus. Vor allem die hochgewichteten Autohersteller im DAX geraten mit der Diesel-Thematik immer weiter unter Druck. Ob es nun konkret zu Strafsteuern oder einer Zwangsnachrüstung kommt ist unerheblich, ein attraktives Investment sind sie nicht. Und zusätzlich schlägt auch die Konjunktur zu: Denn gerade musste vom Hoffnungsmarkt China im Oktober ein Einbruch der Verkäufe von 12 Prozent zum Vormonat vermeldet werden. Damit liegen die gesamten Autoverkäufe des Jahres bereits unter dem Vorjahresniveau. Es deutet sich damit der erste Absatzrückgang in China seit dem Jahr 1990 an. Damals gab es noch nicht einmal das Internet.



Sorge vor harter Landung in China steigt


China leidet dazu unter eigenen Problemen. Steigende Zinsen wirkten hier wie Gift und die US-Notenbank habe keinen Zweifel daran gelassen, dass deswegen die Forderungen Trumps nach einer langsameren Gangart nicht befolgen würden, ergänzt CMC-Stratege Stanzl. Auch im Hang-Seng-Index drohe nun ein technisches Doppel-Top und damit eine Fortsetzung der Korrektur. Schließlich sei China vor zehn Jahren noch mit 135 Prozent des BIPs verschuldet gewesen, heute seien es 235 Prozent dank des billigen Geldes aus den USA. "Die Welt sorgt sich wieder um eine harte Landung Chinas", betont Stanzl: "Nur dieses Mal von einem noch viel höheren Niveau aus".

Die Rezessionsangst in China spiegelt sich im Minus von 20 Prozent beim Ölpreis, ebenso bei den Preisen der Industriemetalle. Auch die fallende Inflation ist ein Zeichen für die nachlassende Nachfrage. Mike van Dulken von Accendo Markets hebt hier hervor, dass der Anstieg der Produzentenpreise den tiefsten Stand seit März erreicht habe.

Termine in der kommenden Woche mit positivem Überraschungspotenzial zeichnen sich indes für Anleger noch nicht ab. Die Berichtssaison ebbt ab, hauptsächlich legen Werte der zweiten Reihe Zahlen vor. Im DAX stehen noch die Versorger sowie Infineon und Merck an. Möglicherweise werden schon Gerüchte über das Treffen von Chinas Premier mit dem US-Präsidenten Ende des Monats gespielt. Hauptsächlich wird jedoch auf harte Fakten geblickt, vor allem auf Konjunkturdaten wie das BIP aus Deutschland, der EU und Japan und besonders die Industrieproduktion aus China und den USA. Dazu noch ihre extrem wichtigen Verbraucherpreise (CPI). Jeder dieser Termine ist geeignet, die Börsen weiter nach unten zu drücken.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/ros

END) Dow Jones Newswires

November 09, 2018 07:23 ET ( 12:23 GMT)

Copyright (c) 2018 Dow Jones & Company, Inc.
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