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Mehr Frauen im Vorstand deutscher Unternehmen

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Quelle: dpa-AFX

Von Friederike Marx, dpa

Deutschland steuert nach Einschätzung von Experten auf einen Arbeitskräftemangel zu. Das könnte mehr Frauen in Führungspositionen bringen, auch ohne Quote.

Frankfurt/Main (dpa) - In deutschen Unternehmen haben immer mehr Frauen eine Spitzenposition inne. Dominiert werden die Vorstände börsennotierter Firmen aber weiterhin von Männern.

In den 160 Konzernen aus den Börsenindices Dax, MDax und SDax arbeiteten zum Stichtag 1. Januar 2019 insgesamt 61 Managerinnen im Vorstand. Das sind 11 Frauen mehr als vor einem Jahr, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Der Frauen-Anteil stieg binnen Jahresfrist damit von 7,3 auf 8,6 Prozent.

Es ist der höchste Wert seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2013. «Frauen sind in deutschen Vorständen aber immer noch eine Seltenheit», sagte EY-Expertin Ulrike Hasbargen. «Wir sehen zwar Fortschritte - aber der Wandel vollzieht sich sehr langsam.» Die Vorstände der meisten Unternehmen aus den drei Börsenindices sind nach wie vor eine reine Männerdomäne: 67 Prozent der Chefetagen sind den Angaben zufolge ausschließlich mit Managern besetzt.

Am größten ist der Frauenanteil der Studie zufolge in den Vorständen der höchsten deutschen Börsenliga. Er stieg in den 30 Dax-Unternehmen innerhalb eines Jahres um 2,1 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent. Inzwischen haben 23 Unternehmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied, vor einem Jahr waren es 21, vor zwei Jahren 17 Firmen. Insgesamt sitzen 28 Managerinnen in den Chefetagen (Vorjahr: 24).

In den MDax-Konzernen erhöhte sich die Zahl der Frauen im Top-Management binnen Jahresfrist von 13 auf 19. In den SDax-Firmen stieg sie lediglich von 13 auf 14 Managerinnen. Besonders häufig sind Managerinnen den Angaben zufolge in den Chefetagen von Telekommunikationsunternehmen anzutreffen, gefolgt von der Finanzbranche und Logistikunternehmen.

Natürlich sei es wichtig, in Deutschland bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, argumentierte Hasbargen. «Aber ebenso wichtig ist ein Umdenken in den Unternehmen und im meist männlich besetzten Top-Management.» Angesichts des demografischen Wandels, der das Reservoir an Arbeitskräften in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen lasse, habe Deutschland ohnehin keine andere Wahl, als verstärkt auf Frauen auch in Führungspositionen zu setzen.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack forderte verbindliche Vorgaben, um Frauen auf allen Ebenen in Führungspositionen zu bringen. «Wo die gesetzlich vorgeschriebene Quote gilt, greift sie auch. Aber leider zeigt sich mit Blick auf die männerdominierten Vorstände erneut, dass freiwillige Zielvereinbarungen von den Verantwortlichen nicht ernst genommen werden».

Das bestätigt eine Untersuchung der Organisation Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) vom vergangenen Mai. Demnach funktioniert die vor einigen Jahren eingeführte Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten da, wo es verbindliche Vorgaben gibt. Danach lag der Anteil der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder bei Unternehmen, die der Quote unterliegen, bei durchschnittlich 30,9 Prozent. Bei weiteren 82 Firmen ohne Quote waren es dagegen unter 20 Prozent.

Für Aufsichtsräte der rund 100 größten börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen gilt eine Frauenquote von 30 Prozent. Das seit Mai 2015 geltende Gesetz schreibt für rund 4000 weitere Firmen vor, sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorstand und anderen Führungsgremien zu geben. Oft wird dort jedoch die «Zielgröße Null» festgelegt.

Frauen, die es ins Top-Management schaffen, können allerdings im Schnitt höhere Gehälter erzielen als ihre männlichen Kollegen. In Vorständen börsennotierter Firmen in Deutschland übertraf ihre direkte Vergütung 2017 laut einer EY-Studie mit 2,1 Millionen Euro diejenige der Männer um 300 000 Euro oder knapp 17 Prozent. Vor allem in den Vorstandsetagen der Dax- und MDax-Unternehmen stieg die Bezahlung der Managerinnen deutlich. Als Grund nannte EY jüngst die verstärkten Bemühungen der Unternehmen, Frauen in ihr oberstes Führungsgremium zu berufen. Da geeignete Kandidatinnen jedoch schwer zu finden seien, steige ihr Marktwert und damit auch die Höhe ihrer Vergütung.

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