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«Meilenweit auseinander» - Auftakt der Chemie-Tarifrunde

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Quelle: dpa-AFX

Es geht um die Arbeitsbedingungen von mehr als einer halben Million Menschen in der Chemie- und Pharmaindustrie. Die Beschäftigten sagen, ihnen gehe es nicht nur ums Geld, doch die Arbeitgeber mauern.

Hannover (dpa) - Zum Auftakt der bundesweiten Tarifverhandlungen für die Chemie- und Pharmabranche sehen Arbeitnehmer und Arbeitgeber noch viel Diskussionsbedarf.

In der Auslegung der Branchenlage seien beide Seiten «meilenweit auseinander», sagte der Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Ralf Sikorski, in Hannover. Auch der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands BAVC, Georg Müller, sagte, es werde zunächst um die Interpretation der wirtschaftlichen Situation gehen: «Wenn wenig Spielraum da ist, sind Tarifverhandlungen immer sehr schwer.»

Die erste Verhandlungsrunde mit knapp 200 Teilnehmern ist auf zwei Tage angesetzt. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Verhandlungen am 21./22. November in Wiesbaden fortgesetzt werden.

In den Gesprächen geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 580.000 Beschäftigten. Die IG BCE fordert neben einem spürbaren Lohnplus unter anderem ein sogenanntes Zukunftskonto von jährlich 1000 Euro. Die Idee: Jeder Beschäftigte könnte individuell darüber verfügen und es etwa in freie Tage umwandeln oder für eine längere Auszeit vom Job ansparen. Zu den Forderungen gehört außerdem eine Zusatzversicherung für die Pflege, die Lücken der gesetzlichen Vorsorge schließen soll - nach Angaben der Gewerkschaft wäre das ein bundesweites Novum. Zudem soll es wegen der Digitalisierung mehr Qualifizierungsangebote geben.

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) verweist hingegen darauf, dass die Branche für 2019 einen Umsatzverlust von fünf Prozent erwarte. Die Industrie befinde sich in einer Rezession, Spielraum für höhere Löhne gebe es daher nicht. Zudem müssten die Unternehmen viel Geld in Digitalisierung, Klimaschutz und E-Mobilität investieren.

Die Forderungen der Beschäftigten nannte BAVC-Verhandlungsführer Müller überzogen: «Das sind alles Themen, die unterm Strich Geld kosten.» Sikorski von der IG BCE bezeichnete indes das Bild tiefroter Zahlen, das die Arbeitgeber zeichneten, als «absurd». Nach Jahren mit Allzeithochs sei die derzeitige wirtschaftliche Lage vergleichbar mit der im Jahr 2016.

Vor der bundesweiten Verhandlungsrunde hatte es bereits neun regionale Gespräche gegeben. Die IG BCE hatte dabei herausgestellt, dass es ihr um mehr als nur Geld gehe. So sollten die Forderungen dazu beitragen, die Arbeitsverdichtung und -belastung zu verringern.

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