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Nach fast 100 Prozent Verlust: Der „IREX“ Wahnsinn geht in die nächste Runde!

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Deutschen Anlegern wird ja gerne nachgesagt, dass sie bei ihrer Geldanlage übertrieben konservativ vorgehen und das Risiko scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Wer in den vergangenen Monaten das Geschehen rund um eins der lange Zeit beliebtesten wikifolio-Zertifikate verfolgt hat, wird das so sicher nicht unterschreiben. Das von der Intelligent Recommendations GmbH verwaltete wikifolio mit dem Namen „IREX“ ist gerade in den sozialen Medien Bestandteil heftiger Diskussionen. Wir hatten hier bereits im Frühjahr (Investmentecke vom 8. Februar) und zuletzt im Herbst (Investmentecke vom 7. September) darüber berichtet. Mit einer überaus riskanten Handelsstrategie war der Kurs des wikifolios von anfänglich 100 Euro innerhalb von nur 16 Monaten bis auf knapp 2700 Euro hochgehandelt worden. Eine phänomenale Bilanz, die auch das Interesse zahlreicher Anleger weckte. In der Spitze betrug das investierte Volumen bei dem Zertifikat auf dieses wikifolio rund 13 Mio. Euro.

Nach dem Hoch im Sommer ging es dann aber fast nur noch bergab. Und zwar in einem Höllentempo. Zwei Monate später lag der Kurs nur noch bei 24 Euro, ein Verlust von 99 (!) Prozent. Zwei Wochen danach waren es dann noch 2 Euro und Anfang dieses Monats rutschte das wikifolio sogar in den Cent-Bereich. Trotzdem oder gerade deshalb wurde das Zertifikat von Anlegern so stark nachgefragt, dass mittlerweile selbst das von Lang & Schwarz als Emittent bereits einmal erhöhte Volumen komplett ausverkauft ist. Anleger können hier also keine neuen Stücke mehr erwerben, sondern bestehende Positionen nur halten oder verkaufen, wobei man da schon genau überlegen muss, ob und wann das mit Blick auf etwaige Gebühren Sinn macht (WKN: LS9JBB).

Um eine möglicherweise anhaltende Nachfrage auch in Zukunft bedienen zu können, hat Lang & Schwarz Mitte dieser Woche ein weiteres Zertifikat auf die „IREX“-Strategie emittiert. Es gibt nun also zwei Zertifikate, die sich beide auf den identischen Basiswert (nämlich das „IREX“-wikifolio) beziehen. Das neue Zertifikat wurde allerdings nicht mit dem üblichen Bezugsverhältnis von 1:1 aufgelegt, sondern mit einem Bezugsverhältnis von 1:10.000. Während das alte Zertifikat gestern Abend bei 0,006 Euro (also unter 1 Cent) notierte, kostete das neue Zertifikat entsprechend 60 Euro. Der „Wert“ an sich ist aber natürlich bei beiden Zertifikaten identisch. Aus Sicht der interessierten Anleger ist das durchaus eine sinnvolle Maßnahme, da der Spread bei dem neuen Zertifikat wesentlich geringer ist als er zuletzt bei dem alten Zertifikat war. Da musste sich der Kurs schon mehr als verdoppeln, um zumindest den Spread reinholen zu können. Jetzt beträgt die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs nur rund 0,6 Prozent (WKN: LS9MH7).

Da beide Zertifikate parallel weiterlaufen und das alte Zertifikat nicht gekündigt wird, werden investierte Anleger nicht zu einem Tausch oder einem Verkauf gezwungen. Wer weiter an die „IREX“-Strategie glaubt (und davon scheint es trotz des Verlustes von nahezu 100 Prozent immer noch einige zu geben), muss bei geplanten (Neu-)Investments aber auf das neue Zertifikat setzen. Ob es wirklich Sinn macht, in diese angeblich auf „Kollektiver Intelligenz“ basierende Strategie nach der desolaten Performance zu investieren, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Für Spannung ist aber auf jeden Fall gesorgt. Gestern stieg der Kurs intraday zeitweise um 100 Prozent, weil mit extrem hohem Hebel ausnahmsweise mal wieder erfolgreich auf fallende Kurse im Dax spekuliert wurde. Der Wechsel auf „Long“ führte im Anschluss dann wieder zu Verlusten von 25 Prozent.

Dass der für einige Beobachter ziemlich wild anmutende, bei „IREX“ als Scalping bezeichnete Handel (teilweise „im Minutentakt“) bei einem virtuellen Kapital von nur noch wenigen Euro (nach anfänglich 100.000 Euro) überhaupt noch möglich ist, liegt daran, dass Lang & Schwarz auch im Segment der Hebelprodukte neue Scheine mit einem anderen Bezugsverhältnis emittiert hat. Statt normalerweise 0,80 Euro kosten ansonsten identische Scheine dadurch zum Beispiel nur 0,08 Euro. Das hat den Vorteil, dass hier trotz des geringen zur Verfügung stehenden Kapitals besser gestückelt werden kann. Auf der anderen Seite war der Spread bei diesen neuen Scheinen gestern aber auch zehnmal (!) so hoch, was sich tendenziell negativ auf die Performance auswirkt. Hier wird Lang & Schwarz in Kürze allerdings reagieren (sobald es technisch machbar ist) und den Spread wieder auf das „übliche“ Maß reduzieren. Für die „IREX-Strategie“ ist das ohne Zweifel ein wichtiger Aspekt!

Der Wahnsinn geht also weiter. Zumindest so lange, bis irgendwann ein starkes Gap die Jungs vielleicht mal auf dem falschen Fuß erwischt und die Hebelprodukte dadurch ausknocken, bevor reagiert werden kann. Dann wäre auch wirklich der letzte verbliebene Cent vernichtet. Ob und wann das der Fall sein wird, weiß natürlich niemand. Die Gefahr ist aber latent vorhanden, weil in Sachen Risikomanagement scheinbar keine Änderungen vorgenommen wurden. Schließlich ist diese Strategie ja eine Zeitlang auch immens erfolgreich gewesen, bevor es dann so steil bergab ging. Mit seriöser Geldanlage hat das natürlich nichts zu tun und ganz persönlich hege ich auch starke Zweifel an dieser „Strategie“. Das ändert aber nichts daran, dass es vor einem etwaigen Totalverlust theoretisch auch mal wieder einen Kursanstieg um mehrere 100 Prozent geben kann. Wahrscheinlich ist es genau das, was Anleger an diesem Produkt so reizt. Dass die entsprechenden „Zocker“ nun wieder die Möglichkeit haben, an dem Spiel zu halbwegs angemessenen Konditionen teilzunehmen, ist völlig okay. Schließlich ist jeder selbst für seine Investments verantwortlich. Und wer nach den ganzen Geschehnissen hier  jetzt noch einsteigt, der darf sich nun wirklich nicht beschweren, wenn es am Ende doch wieder schief geht.

Thomas Koch

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Investmentecke

Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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