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Neue Lieblinge der Leerverkäufer – Mitgehen oder dagegen stellen?

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

In der aktuellen Monatsauswertung der Börsenzeitung zu den „Favoriten“ der Shortseller stechen unter den Dax-Werten Thyssen-Krupp und Henkel hervor. Bei beiden haben die professionellen Leerverkäufer ihre Positionen im Oktober verdoppelt. Insbesondere bei Thyssen hat das Ausmaß der Short-Spekulation dabei eine ansehnliche Größe erreicht – mit knapp 7% der gesamten Börsenkapitalisierung von Thyssen wird auf fallende Kurse spekuliert. Noch deutlich darüber liegt das Engagement der Leerverkäufer bei einigen prominenten Mdax-Werten. Traditionell beliebtes „Spielzeug“ der Short-Profis ist K+S mit einem Anteil leer verkaufter Aktien von mehr als 12% des Market Value. In der gleichen Größenordnung bewegt sich das Negativ-Engagement bei Gea. Die größten Zuwächse in der Gunst der Short-Spekulanten verzeichnen aber Osram und Siltronic. Bei beiden stieg der Anteil leer verkaufter Aktien im vergangenen Monat um 50 bzw. 60 Prozent.

Die Leerverkäufer leihen sich die entsprechenden Aktien zum Beispiel bei den großen Fondsgesellschaften oder den Anbietern von ETFs und verkaufen die geliehenen Aktien gleich wieder – ohne sie eigentlich selbst zu besitzen (mit leerem Depot eben). Das rechnet sich, wenn der Short-Seller die Aktie am Ende der Leihfrist für weniger Geld wiederbeschaffen kann, als er anfangs für den Verkauf bekommen hat.

Vor allem bei Osram wurden die Positionen in den letzten Tagen – trotz oder wegen der leichten Erholung – weiter aufgestockt. Bei Siltronic sind indes gegenläufige Trends erkennbar. Während einige Leerverkäufer ihre Positionen geschlossen haben, ist Blackrock gerade neu auf der Short-Seite eingestiegen. Die Truppe aus dem Hause des neuen CDU-Hoffnungsträgers Friedrich Merz gesellt sich damit zu einer nach wie vor großen Anzahl von Leerverkäufern, die sich bei Siltronic positioniert haben. Nach Daten des Handelsblattes sind derzeit noch mehr als 10 Akteure auf der Short-Seite aktiv und kommen zusammen auf eine Netto-Leer-Position von gut 8 Prozent der Marktkapitalisierung.

Bemerkenswert ist dies auch deshalb, weil sich hier eine deutliche Abweichung zum Großteil der Fundamentalanalysten ergibt. Die hatten nach den gerade vorgelegten starken Zahlen zwar zum Teil ihre Kursziele nach unten korrigiert, liegen in der Erwartungshaltung aber trotzdem weit über dem derzeitigen Kursniveau. Mit nur einer Ausnahme liegen die Kursziele mehr oder minder deutlich oberhalb von 100 Euro und billigen der Aktie mithin erhebliches Aufwärtspotenzial zu.

Für Anleger ist diese widersprüchliche Gemengelage durchaus spannend, wobei letztlich beide Richtungen für einen Einstieg denkbar sind. Für die Zuversicht der Fundamentalanalysten sprechen neben den guten Quartalszahlen auch die nach dem Absturz sehr zurückhaltenden Bewertungskennzahlen. Nach den aktuellen Schätzungen kommt Siltronic auf ein KGV um 6 und eine erwartete Dividendenrendite von ebenfalls rund 6% pro Jahr, was für einen Tech-Titel dann ja doch eher günstig erscheint. Oder haben dann doch die Skeptiker Recht, die für die kommenden Jahre einen Nachfrage- und Preisverfall bei Halbleiter-Produkten erwarten?

Vor diesem Hintergrund könnte der Zugang über ein Bonuszertifikat reizvoll sein. Dabei sollten aktien-orientierte Anleger aber darauf achten, dass sie vorsichtiger agieren als es eine gerade von der Börse Online veröffentlichte Empfehlung nahelegt. Das Anlegermagazin hat ein extrem riskantes Bonus-Cap-Zertifikat mit einem Aufgeld von beinahe 100 Prozent ins Schaufenster gestellt (HX30XX). Das Papier würde bis zur Fälligkeit im Dezember einen Gewinn von 35 Prozent einspielen, wenn die Siltronic-Aktie nicht unter 70 Euro abrutscht. Würde sie es doch tun, dann käme es allerdings zu weit überdurchschnittlichen Verlusten, weil beim Bruch der Barriere mit einem Schlag das gesamte zuvor gezahlte Aufgeld verloren wäre. Was das heißt zeigt der Szenario-Vergleich im Produktprofil: Verliert die Aktie nochmal 20% auf 67 Euro, dann stürzt der Zertifikatepreis um rund 60 Prozent ab! Wer derlei Hebel-Risiko eingehen will, der dürfte bei klassischen Hebelinstrumenten besser aufgehoben sein.

Eine auch für Aktien-Anleger stimmige Alternative kommt von der Commerzbank. Deren Capped-Bonus CJ3CJE kostet derzeit etwa genauso viel wie die Aktie und würde bei allerdings längerer Laufzeit (September 2019) einen Gewinn von 43 Prozent bringen, wenn sich die Aktie über die gesamte Zeit oberhalb von 64 Euro behauptet. Der Sicherheitspuffer ist also etwas größer und erreicht beinahe 25 Prozent. Noch wichtiger ist aber, dass dieses Zertifikat auch dann keine höheren Verluste einbringt als die Aktie, wenn die Short-Seller als Gewinner vom Platz gehen und die Aktie doch weiter abstürzen sollte: 30% Minus in der Aktie, bringen dann auch hier nur einen Verlust von 30 Prozent…

Ralf Andreß

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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