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Neue Produktinfo ohne Sinn und Verstand – Risikofreie Anlagen in Öl

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Seit dem Jahreswechsel werden Anleger von ihren Banken mit einem neuen Dokument behelligt. Zu deren Ehrenrettung muss vorweg geschickt werden, dass sich die Banken diese neuen sogenannten „Basisinformationsblätter“ nicht selbst ausgedacht haben. Vielmehr handelt es sich um ein neues Pflichtdokument, das sich die Regulierungsbehörden auf europäischer Ebene ersonnen haben, um damit den Privatanleger besser zu schützen. 

Um es kurz zu machen: Das durchaus ehrenvolle Ziel kann mit dem BIB allenfalls erreicht werden, weil der eine oder andere Privatanleger angesichts der staatlich verordneten Desinformation ganz die Finger von jedweder Form der Kapitalanlage lässt. Im besseren Fall wechseln die Privatsparer gänzlich zur Direktanlage in Aktien, weil dabei kein BIB vorgelegt werden muss. Denn das Dokument ist nur bei Wertpapieren fällig, mit denen indirekt in Aktien oder Anleihen investiert wird. Es gilt also vor allem für Investmentfonds, ETFs, Zertifikate und Kapitallebensversicherungen.

Und da zeigt sich dann auch schon eine der Ursachen des Problems. Denn der Versuch all diese sehr unterschiedlichen Anlageinstrumente in eine einheitliche Darstellungsform zu überführen muss zwangsläufig zu erheblichen Schwierigkeiten und Unschärfen führen. Und das tut es dann auch. Die Schwachpunkte bei Ansatz und Umsetzung sind dabei so vielfältig, dass eine Detailanalyse an dieser Stelle wenig Sinn macht. In einem Format wie der Investmentecke kann man es wohl stark vereinfacht bei der traurigen Kurzformel belassen:

Schade um jeden Baum, der für die Erzeugung des vollkommenen nutzlosen Papiers gefällt werden muss. Einen wirklich hilfreichen Aussagewert haben die Informationen im BIB nicht und gerade für den eigentlichen von der EU adressierten „unbedarften Privatanleger“ sind die Inhalte komplett unverständlich, wenn nicht sogar gefährlich irreführend.

Hinzu kommt, dass das BIB gerade im Vergleich zum bislang in Deutschland geltenden und tatsächlich wertigen PIB das Verständnis für die Funktionsweise der Produkte und die mit der Anlage verbundenen Chancen und Risiken erschwert statt vereinfacht. Kleines und schnell greifbares Beispiel: Ein vom Anleger zu bezahlender (renditemindernder) Ausgabeaufschlag muss im BIB nicht mehr angegeben oder einkalkuliert werden. Was auch immer die kryptischen Berechnungen ergeben mögen, mit dem tatsächlich vom Anleger zu investierenden Kapital haben sie damit nichts zu tun.

Wirklich gefährlich wird die Desinformation durch das BIB, weil es das Augenmerk des Anlegers statt auf ein vertieftes Verständnis des Produkts auf wenige halsschreierische Zauberzahlen lenkt, die irgendwie aus theoretischen Simulationen nach allerlei Mathematik herausfallen.

Ein hübsches aktuelles Beispiel liefert ein Zinsfix Express der DZ Bank auf den Preis des Terminkontrakts für das Nordsee-Öl Brent. Die Rechenmaschine hat hier ermittelt, dass es sich dabei um eine beinahe risikofreie Anlage handelt. Laut BIB ist die indirekte Anlage in Ölkontrakten mit einem Gesamtrisikoindikator von 1 ähnlich unbedenklich wie Tagesgeld. Herzlichen Glückwunsch EU! Ich freue mich schon auf den Aufschrei der unbedarften aber dank BIB jetzt ganz doll geschützten Privatanleger, wenn Trump, die Saudis oder die Chinesen das nächste Mal husten und Öl – aller Mathematik zum Trotz – wieder abschmieren sollte.

Und ganz nebenbei: Bei einem durchaus vergleichbaren Bonuszertifikat desselben Emittenten haben die Rechenmaschinen bei einem sogar etwas größeren Sicherheitspuffer auf der Skala von 1 bis 7 ein Risiko von 5 errechnet. Die Erklärung dafür warum ein Rückschlagpuffer von 35 Prozent beim Bonus so viel gefährlicher sein soll als einer von nur 30 Prozent bei dem Express würde mich sehr interessieren, aber ich fürchte, dass die Regulierungskönige in Brüssel nicht gewillt sein werden, sie zu liefern. Deren indirekte Empfehlung lautet also: Setzen Sie auf Öl, aber nur mit einer Expressstruktur.

Der Form halber: Bei dem bis Ende Januar zur Zeichnung angebotenen Zinsfix (DGE2S9) wird unabhängig vom Kursverlauf beim Öl-Kontrakt alle drei Monate ein Kupon von 1 Euro (indikativ, genaue Höhe wird erst am Ende der Zeichnung festgelegt) gezahlt. Das Anfangskapital gibt es dann in einem Jahr in vollem Umfang zurück, wenn der Ölpreis bis dahin zu keinem Zeitpunkt unter eine bei 70 Prozent des Anfangswertes vom 31.1. eingezogene Barriere rutscht. Auf Basis des aktuellen Preises von rund 68 Dollar würde diese Barriere bei etwa 47,60 Dollar liegen. Falls der Ölpreis diese Barriere einmal unterschreiten sollte, tragen Anleger den vollen Wertverlust, wobei Wechselkursverschiebungen keine Rolle spielen. In den letzten beiden Jahren war Öl über weite Strecken weniger wert als eben jene 47,60 Dollar, aber dass sich das in den kommenden Monaten wiederholt ist ja beinahe ausgeschlossen. Sagt die EU…

Ralf Andreß

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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