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Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH: Interview mit Geschäftsführer Dr. Hubertus Bartsch zur Anleiheemission

| Quelle: Deutsche Börse | Lesedauer etwa 7 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH emittiert ihre vierte Unternehmensanleihe, die bei einer Laufzeit von 6 Jahren einen Kupon von 6,50% hat. Im Gespräch mit dem finanztreff.de geht Geschäftsführer Dr. Hubertus Bartsch neben der aktuellen Geschäftsentwicklungen auch auf das Thema Elektromobilität und auf die Gewinnwarnungen bei Automobilzulieferern ein. Er betont im Interview, dass bei der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH das Wachstum ungebrochen ist.


finanztreff.de: Bitte erläutern Sie die Eckpunkte der aktuellen Anleiheemission.

Dr. Bartsch: Wir bieten unseren Investoren eine mit 6,50% verzinste Anleihe im Volumen von bis zu 12,5 Mio. Euro an. Dass wir nun bereits mit unserer vierten Anleihe an den Markt gehen, ist der deutlich über unseren Erwartungen liegenden Nachfrage nach unseren Produkten sowohl von den europäischen Automobilherstellern als auch in China geschuldet. Dieses zusätzliche Volumen rein aus Europa beziffere ich auf rund 30 Mio. Euro Umsatz pro Jahr ab Erreichen der Kammlinie in der Produktion. Es gibt sogar weitere, derzeit noch lockere Anfragen für zusätzliche Volumenerhöhungen. Um dieses Volumen zusätzlich darstellen zu können, werden wir in Europa und China investieren, beispielsweise in eine neue Werkshalle, zusätzliche Maschinen und auch in unsere Entwicklungskapazitäten.

finanztreff.de: Das ist jetzt Ihre vierte Anleihe. Was macht die Finanzierung durch Anleihen für Sie so attraktiv?

Dr. Bartsch: Richtig, wir sind jetzt seit rund 5 Jahren mit Anleihen am Kapitalmarkt aktiv und haben fast durchweg positive Erfahrungen gesammelt. Ich glaube, das gilt auch umgekehrt für unsere Investoren. Insgesamt setzen wir auf einen Mix aus vernünftiger Eigenkapitalausstattung und Anleihefinanzierung, aber auch klassischen Bankdarlehen, speziell in China. Der Mehrwert für unser Unternehmen liegt in der Kombination. Wir sind bestrebt, eine zeitlich gut strukturierte Finanzierung aufzubauen und durch diese Staffelung eine Optimierung im Laufzeitenmix zu erreichen. Ein Korridor zwischen 50 und 65 Mio. Euro ist hierzu bei der aktuellen Auftrags- und Geschäftsentwicklung aus heutiger Sicht ideal. Im Falle einer erfolgreichen Platzierung wären wir hier vorübergehend am oberen Rand, doch nach der im März 2019 anstehenden und bereits heute vollständig gesicherten Rückzahlung der Anleihe 2014/2019 im Restvolumen von 12,5 Mio. Euro würden wir uns wieder am unteren Rand bewegen. Dies schafft uns größtmögliche Flexibilität und unseren Anlegern ein hohes Maß an Vertrauen.

finanztreff.de: Das Handelsvolumen Ihrer Anleihen ist nicht besonders hoch. Geht die Emission von mehreren kleinen Anleihen nicht zu Lasten der Liquidität?

Dr. Bartsch: Wir haben bei unserer 3. Anleihe ja Umtauschangebote an die Investoren der Anleihen 1 und 2 durchgeführt. Und schon dabei haben wir darauf geachtet, dass das Volumen der jeweiligen Anleihe nicht zu klein wird und weiterhin auch Liquidität und Handel in vernünftigem Umfang ermöglicht. Natürlich hilft Größe. Aber ich denke, unsere Investoren gehen diesen Weg mit, dass wir bei dem bereits genannten Zielvolumen für unsere gesamte Anleihe-Finanzierung von 50 bis 65 Mio. Euro lieber auf eine gute Staffelung der Tilgungszeitpunkte achten, damit wir die Liquidität zur Rückzahlung gut steuern können und erst gar nicht in die Fragestellung nach einer Anschlussfinanzierung kommen.

finanztreff.de: Wie ist Ihre aktuelle Geschäftsentwicklung?

Dr. Bartsch: Wir sind sehr zufrieden, unser Wachstum ist ungebrochen. Im 1. Halbjahr 2018 konnten wir den Konzernumsatz von 48,1 Mio. Euro auf 55,2 Mio. Euro, also um 14,8% steigern. Auch bei den Ertragskennzahlen konnten wir Schritt halten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 8,9% von 5,6 Mio. Euro auf 6,1 Mio. Euro. Noch wichtiger für mich als die in den Finanzkennzahlen messbare Entwicklung im 1. Halbjahr 2018 ist unsere Perspektive. Denn wir konnten zahlreiche, zukunftsträchtige Neuaufträge in Europa generieren, die insbesondere Synchronisierungen, Räder und Wellen für Motor- und Getriebenebenaggregate mit hohen Drehzahlen sowie erste E-Antriebsbaugruppen und den Ausbau des Hybridgetriebeanteils betreffen. Dementsprechend summierte sich der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten 2018 auf 55,5 Mio. Euro nach 46,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2018 bei 56,8 Mio. Euro nach 48,4 Mio. Euro zum Vorjahresstichtag.

finanztreff.de: Wie ist die Entwicklung Ihrer chinesischen Aktivitäten der Schwestergesellschaft NZWL International?

Dr. Bartsch: Das Highlight ist natürlich, dass es uns gelungen ist, neben dem größten deutschen Hersteller, für den das Werk in erster Linie gebaut wurde, nun mit Great Wall Motors einen namhaften chinesischen Hersteller mit signifikanten Volumina als Kunden gewonnen zu haben. Nach dem Erstauftrag konnten wir in diesem Jahr bereits einen zweiten Großauftrag von Great Wall akquirieren, der letztendlich einen Umsatz von rund 16 Mio. Euro jährlich bringen wird, sobald die Produktion dafür hochgelaufen ist. Das wird 2020 der Fall sein. Wir dürfen auf die Entwicklung in China schon ein bisschen stolz sein – und unsere Investoren auch, die dieses Projekt ja erst ermöglicht haben. Als mittelständisches Unternehmen ist es uns gelungen, über unsere Schwestergesellschaft dort ein Werk zu errichten und binnen drei Jahren auf voraussichtlich 40 Mio. Euro Umsatz in 2018 zu wachsen. Im 1. Halbjahr 2018 haben wir schon einen Umsatz von 22 Mio. Euro erzielt.

finanztreff.de: In den letzten Wochen mussten einige börsennotierte Automobilzulieferer Gewinnwarnungen aussprechen. In den letzten Monaten sind viele Aktien aus der Branche teils dramatisch gefallen. Weshalb sollte man gerade jetzt in Ihre neue Anleihe investieren?

Dr. Bartsch: Als Automobilzulieferer agieren wir in ganz anderen Zyklen als der manchmal etwas hektische Kapitalmarkt. Die großen Automobilmarken, für die wir in 90% der Fälle als Alleinlieferant agieren, vergeben ihre Aufträge mit mehrjährigem Vorlauf. Wir unsererseits planen ebenfalls entsprechend langfristig, um die Kapazitäten und Volumina termingerecht bereit zu stellen. Die erwarteten Umsätze sind langjährig sehr gut planbar. Diese Verlässlichkeit und Langfristigkeit schätzen unsere Investoren. Mir fällt zusätzlich noch eine ganze Reihe von Gründen ein, wie dass wir tolle Kunden, wie VW, Audi, Porsche, Seat, Skoda, Daimler, Nissan, BMW und ZF, beliefern und bei den zukunftsstarken Direktschaltgetrieben mit unseren Synchronisierungen einer der führenden Produzenten sind. Fast am wichtigsten erscheint mir, dass wir den Vertrauensvorschuss, den uns die Investoren der Altanleihen gegeben haben, mit dem Erfolg bei der Erschließung des chinesischen Marktes, der deutlich schneller und erfolgreicher als geplant verlief, rechtfertigen und zurückzahlen konnten. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir jetzt fortsetzen. Deshalb würden wir uns sehr freuen, wenn alte und neue Investoren uns ihr Vertrauen in Form eines Investments erneut bzw. erstmalig schenken und diesen Weg mit uns gemeinsam gehen.

finanztreff.de: Sie haben ein wenig schmeichelhaftes B Rating – und das noch von Creditreform! Woran liegt es?

Dr. Bartsch: Diese Frage müssten Sie eigentlich der Creditreform stellen und der Rating-Bericht ist ja auf unserer Website öffentlich zugänglich. Für mich ist die einzig wirklich schlüssige Erklärung die noch geringe Unternehmensgröße. Wir werden dieses Jahr voraussichtlich bei über 100 Mio. Euro Umsatz landen und unsere chinesische Schwestergesellschaft bei weiteren 40 Mio. Euro. Gewinne verbleiben alle immer im Unternehmen. In China sind wir deutlich schneller vorangekommen als wir selbst und auch Dritte von uns erwartet hatten. Meiner Meinung nach stellt sich das Risikoprofil unseres Unternehmens heute deutlich positiver dar als bei Erstemission 2014. Die Investoren würdigen das ja auch – zumindest war dies das Feedback auf unsere Vorgespräche und bei der Frage nach dem richtigen Zinskupon.

finanztreff.de: Und was ist mit den Währungsrisiken (Darlehen an die Schwestergesellschaft NZWL International)?

Dr. Bartsch: Die Fakturierung in China erfolgt in Renminbi – dies betrifft aber auch die Finanzierung des operativen Geschäfts, beispielsweise den Material- und Personalaufwand. Darüber hinaus werden die Maschinen, die in Deutschland erworben werden, in Euro finanziert.

finanztreff.de: Welchen Umsatzanteil erzielen Sie mit Ihrem größten Kunden, der Volkswagen Gruppe?

Dr. Bartsch: Der Anteil lag im 1. Halbjahr 2018 bei rund 80%. Dieser Umsatz verteilt sich auf die verschiedenen Marken dieses Konzerns und auf unterschiedliche Ländergesellschaften. Eigentlich sind es also mehrere Kunden. Insgesamt konnten wir unsere Kundenbasis weiter verbreitern, beispielsweise bei unserer Schwestergesellschaft durch Great Wall in China oder durch Projekte in der Elektromobilität.

finanztreff.de: Wie wirkt sich ein langfristig höherer Absatz von Elektrofahrzeugen auf NZWL aus?

Dr. Bartsch: Ich hatte ja zu Beginn von diesem zusätzlichen Auftragseingang gesprochen im Volumen von rund 30 Mio. Euro jährlich. Davon entfallen 25% auf hybride und rein elektrische Antriebe. Die neue Anleihe ist also auch wesentlich dafür gedacht, dass wir uns für diese zusätzlichen Volumina richtig aufstellen. Wir profitieren eindeutig von einem Wachstum der E-Mobilität. Es zahlt sich jetzt aus, dass wir bereits seit 2012 mit namhaften Herstellern entsprechende Pilotprojekte erfolgreich umgesetzt haben.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.

Eckdaten der Neue ZWL-Anleihe 2018/24

Emittentin

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Kupon

6,50%

Zeichnungsfrist

05.11.-13.11.2018

Valuta

15.11.2018

Laufzeit

15.11.2024 (6 Jahre)

Unternehmensrating

B (durch Creditreform, Stand: Jan. 2018)

Emissionsvolumen

12,5 Mio. Euro

ISIN / WKN

DE000A2NBR88 / A2NBR8

Listing

Open Market (Freiverkehr Börse Frankfurt

Financial Advisor

DICAMA AG

Bookrunner

Quirin Privatbank AG

Internet

https://www.nzwl.de

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