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Nie wieder hohe Zinsen?

| Quelle: INV

In der Theorie ist Börse ganz einfach. Etwa mit Blick auf die Auswirkung einer Zinserhöhung in den USA. Da geht man gemeinhin davon aus, dass bei steigenden Marktzinsen die Kurse von Staatsanleihen nachgeben, damit deren Rendite im Gegenzug an das neue höhere Zinsniveau angepasst wird. Des Weiteren steigt – wegen der höheren Zinsen – die Attraktivität des US-Dollar, sodass dieser zum Beispiel gegenüber dem immer noch zinslosen Euro an Wert gewinnt. Und schließlich ziehen die US-Anleger ihr Geld als Risikomärkten wie den Schwellenländern ab, weil sie jetzt auch bei sichereren heimischen Anlagen wieder Renditen erzielen können. So in etwa, laufen die „normalen“ Wirkungsketten. In der Theorie.

In der Praxis haben die Märkte in der vergangenen Woche in allen Punkten genau das Gegenteil gemacht. Der höher verzinste Dollar sackte ab und der zinsbefreite Euro machte einen Freudensprung nach oben. Auch die Renditen der US-Bonds gaben nach und an den Börsen der Schwellenländer wurde ein kleines Feuerwerk gezündet.

Grund für die eigentümlichen Reaktionen dürfte sein, dass  der Zinsschritt schon lange erwartet worden war und mithin niemanden überrascht hat. Zugleich richtete sich die Fantasie der Marktakteure auf die Möglichkeit von schnellen und starken Folgeschritten. Genau diese hat die Chefin der US-Notenbank nun aber ausgeschlossen. Stattdessen wurden für die nächsten beiden Jahre kleine und stete Trippelschritte nach oben angekündigt. Noch wichtiger ist aber wohl, dass Janet Yellen die Marktteilnehmer auch beim Blick in die weitere Zukunft darauf eingestimmt hat, dass die (sehr hohen) Zinsniveaus der vergangenen Dekaden kaum wieder erreicht werden dürften.

Dies wiederum impliziert, dass die Attraktivität von Aktien auf Dauer zunehmen wird. Denn wo sich früher der Rentenmarkt immer mal wieder mit hohen und weniger riskanten Renditen als Alternative zu Aktien angeboten hat, könnte er in den kommenden Jahr(zehnt)en als Wettbewerber um die großen Geldströme geschwächt werden. Ohne die in den letzten Monaten häufig vorgetragene Parole „Dividenden sind der neue Zins“ überstrapazieren zu wollen, passt diese neue Sichtweise trotzdem als Bestätigung für die in den letzten beiden Wochen angestellten Tiefenbetrachtung der am Markt angebotenen Dividendenstrategien.

Aus diesen lässt sich – so oder so – ein vernünftiges Fundament für eine langfristig aufgesetzte Aktienanlage zusammenstellen. Die Timing-Frage („soll ich jetzt noch einsteigen?“) lässt sich dabei schnell beantworten: Natürlich, wann sonst. Wer trotzdem Sorge vor einer kurzfristig bevorstehenden Korrektur hat, für den kann die bewährte Vorgehensweise des Einstiegs in mehreren Schritten Sinn machen: 1/3 des verfügbaren Geldes jetzt gleich, das nächste Drittel im Sommer (wenn die Wahlen in Frankreich durch sind) und das dritte Drittel spätestens im September, kurz bevor die traditionell beste Börsenphase anfängt.

Gar nicht investieren, scheint dagegen die am wenigsten überzeugenden Lösung…

Ralf Andreß

P.S.: Der Autor ist selbst stark in Aktien investiert. Ungeachtet aller Bemühungen um berufliche Distanz und Unvoreingenommenheit bleibt er Mensch und kann mithin - wie alle anderen auch - dem Confirmation-Bias erliegen. Dieser aus der Verhaltensforschung bekannte Effekt, beschreibt die Neigung der selektiven Wahrnehmung und Interpretation von Informationen, wobei jene Fakten höher eingestuft werden, die die eigenen Einschätzungen (Wünsche und Hoffnungen) unterstützen.

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Investmentecke

Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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