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Nimmt die FT nun die Deutsche Bank ins Visier?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Konzernchef Christian Sewing hat sein Versprechen gehalten: Anfang Februar hatte die Deutsche Bank nach drei Verlustjahren für 2018 wieder einen Gewinn bekannt gegeben. Der Überschuss von 341 Millionen Euro fiel allerdings mager aus. Fürs laufende Jahr wagte Sewing keine konkrete Gewinnprognose.

Die Bilanz für das Jahr 2018 hat gewissermaßen die Minimalerwartung der meisten Analysten erfüllt. "Das Kernproblem der Deutschen Bank ist die schwache Profitabilität", urteilten etwa die Analysten der Schweizer Großbank UBS. Das Institut könne ungünstige Trends an den Märkten nicht auffangen, geschweige denn Schocks. Michael Seufert von der NordLB sprach von "Zeichen einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau". 

Außerdem bemängelten einige Analysten das überraschend schwache Anleihegeschäft des Geldhauses. "Das Unvermögen der Deutschen Bank, im Anleihegeschäft die Trendwende zu schaffen, bereitet uns Sorgen", sagte Analyst Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan. Die Erträge in diesem Segment seien im vierten Quartal 2018 im Vergleich zum Schlussquartal 2017 um 29 Prozent eingebrochen. Die Bank habe große Marktanteile an die US-Konkurrenz verloren.

Am Montag nun kommen neue Zweifel an der Ertragsschwäche der Deutschen auf. Ausgerechnet die Financial Times, die sich zuletzt mit großen Vorwürfen auf Wirecard eingeschossen hat, weist auf zuletzt ungewöhnlich hohe Aufschläge bei Risikoprämien für Euro-Schulderverschreibungen hin, die von der Deutschen Bank in Kauf genommen werden müssen. In dem (kostenpflichtigen) Bericht der FT  heißt es unter Verweis auf Daten des Dienstleisters IFR, die Deutsche Bank habe für eine über sieben Jahre laufende Anleihe Schuldnern einen Aufschlag von 230 Basispunkten über der Benchmark gewähren müssen, um sie loszuwerden. Das war ein höherer Aufschlag als ihn etwa die spanische Caixa Bank zahlen musste. Bei einer Charge über 3,6 Milliarden Euro mit Laufzeit zwei Jahren habe der Aufschlag 180 Basispunkte betragen.

"Die Deutsche muss deutlich höhere Risikoprämien zahlen als fast alle anderen großen europäischen Banken", sagte Michael Hünseler, Leiter des Kreditportfolio-Managements bei Assenagon. Die hohen Spreads verstärkten die Zweifel, ob die Deutsche Bank ihre Kosten in einem ausreichend starken Tempo senken kann, um den Rückgang bei den Erträgen überzukompensieren.

Hohe Zinszahlungen könnten die Deutsche aus Transaktionen mit einigen ihrer wichtigsten institutionellen und Unternehmens-Kunden drängen, warnt die FT. Laut Analysten verkleinere dies den Marktanteil der Deutschen in wichtigen Geschäftsbereichen.

Die Deutsche Bank-Aktie reagierte indes am Montag-Vormittag nicht auf den kritischen Bericht der britischen Wirtschaftszeitung. Mit einem Tagesplus von zeitweise gut zwei Prozent auf 7,38 Euro gehörte sie sogar zu den größeren Gewinnern im Dax. Rückenwind kam von ermutigenden Anzeichen für die Kapitalausstattung bei einigen südeuropäischen Branchenwerten.

Das weitere Aufwärtspotenzial hält sich jedoch in Grenzen. So sieht etwa die US-Bank JPMorgan für die Deutsche Bank nach einem Treffen mit Vorstandschef Christian Sewing und dem Finanzchef James von Moltke lediglich ein Kursziel von 8,00 Euro für die nächsten zwölf Monate. Die Manager hätten zwar den Eindruck hinterlassen, dass sie "bei den Kosten, der Bilanz und der Liquidität des Geldhauses vorankommen", schrieb Analyst Kian Abouhossein in einer am Montag vorliegenden Studie. Um das Renditeziel zu erreichen, benötige die Bank jedoch die Hilfe der Kapitalmärkte und eine Trendwende im Investmentbanking.

In den vergangenen sieben Monaten hat sich offenbar an der chronischen Ertragsschwäche des Geldhauses nicht viel verändert. Denn von Moltke hatte bereits am 6. Juni 2018 gesagt: "Es ist ein Teufelskreis aus sinkenden Einnahmen, zu hohen Kosten, schlechteren Ratings und steigenden Finanzierungskosten."

Die Kapitalmarktzinsen standen zuletzt wieder unter verstärktem Abwärtsdruck und belasteten somit das Anleihen- und Kreditgeschäft aller Geldhäuser. Die operativen Probleme insbesondere der Deutschen Bank machen auch eine zuletzt wieder kolportierte Fusion oder Übernahme der Commerzbank auf absehbare Zeit weniger wahrscheinlich.  (mmr)

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