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Ölmärkte nach Drohnenangriff mit Turbulenzen erwartet - Börse in Riad knickt ein

| Quelle: dpa-AFX (SW) | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
WASHINGTON/RIAD/Paris (dpa-AFX) - Experten erwarten nach dem folgenschweren Drohnenangriff auf eine Raffinerie in Saudi-Arabien zum Wochenstart Turbulenzen an den Ölmärkten. Wie ernst der Schaden wirklich sei und wie lange es dauere, bis die Produktionskapazität in Saudi-Arabien wieder voll hergestellt werden könne, sei zwar ungewiss, schrieb Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen am Sonntag in London. Kenner würden aber davon ausgehen, dass die Ölpreise um 5 bis 10 US-Dollar nach oben springen könnten, wenn die Märkte in Asien öffneten.

In die gleiche Kerbe schlug auch Experte Mike McGlone vom Analysedienst Bloomberg Intelligence. Aus der Geschichte könne man schließen, dass eine Angebotsreduktion von 5 Prozent mit einem Anstieg der Ölpreise um rund 10 Prozent einhergehe.

Die Störung des Ölkreislaufs sei ziemlich bedeutend, urteilte Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, im Interview des Finanzsenders Bloomberg TV. "Wenn sie anhält, könnte sie eine große Herausforderung für den Ölmarkt sein."

Zuletzt kostete ein Fass (159 Liter) der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) 54,85 US-Dollar, die Nordseesorte Brent wurde zu 60,22 Dollar gehandelt. "Derzeit ist fast keine geopolitische Unsicherheit am Ölmarkt eingepreist, der sich derzeit eher mit Handelskriegen und konjunkturellen Problemen befasst", sagte Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management. Sollten die USA ihre strategische Ölreserve anzapfen, könnte das - insbesondere bei einer koordinierten Aktion mit der Internationalen Energieagentur (IEA) - einen rasanten Anstieg der Ölpreise dämpfen.

Die USA hatten am Sonntag angekündigt, im Fall von Engpässen zur Freigabe von Ölreserven bereit zu sein. Damit könne etwaigen Störungen der Ölmärkte entgegengewirkt werden, sagte die Sprecherin des US-Energieministeriums, Shaylyn Hynes. Die Internationale Energieagentur in Paris sieht nach den Drohnenangriffen zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

Experten sehen ein Eingreifen der USA denn auch nicht als ausgemachte Sache. Bis eine Schadensfeststellung verfügbar sei, könne er nicht abschätzen, wie wahrscheinlich das Anzapfen der nationalen US-Reserven ist, sagte der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war und heute als Experte für die in Washington ansässige Energieberatungsfirma Rapidan Energy arbeitet. "Ich vermute, das ist nur eine verbale Beruhigungsmaßnahme", sagte er. "Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden."

Laut Rapidan Energy ist die betroffene Raffinerie in Abkaik die wichtigste Öleinrichtung der Welt. "Abkaik ist das Herz des Systems, und sie hatten gerade eine Herzattacke", sagte auch Experte Roger Diwan vom Marktforscher IHS Markit.

Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben nach offiziellen Angaben aus Riad zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge geführt. Die Ölproduktion sei infolge der "terroristischen Attacken" um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens zurückgegangen, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA in der Nacht zum Sonntag unter Berufung auf Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman bin Abdulasis. Dabei handele es sich aber nur um einen vorübergehenden Effekt, der zudem durch die Einspeisung vorhandener Ölreserven in den Markt teilweise kompensiert werde. Laut der US-Energieagentur USEIA hat Abkaik eine Rohöl-Verarbeitungskapazität von rund 7 Millionen Barrel täglich.

Die Drohnenangriffe hatten am frühen Samstagmorgen Brände in zwei Raffinerie-Komplexen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Bakiak und Churais ausgelöst. Am Sonntag knickten zum Handelsbeginn an der Börse in Riad die Aktienkurse ein. Der Leitindex fiel zunächst um 3,1 Prozent, erholte sich danach aber teilweise von den scharfen Verlusten./men


Quelle: dpa-AFX
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