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Opel-Mutter PSA mit Rekordgewinn

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Quelle: dpa-AFX

Von Christian Böhmer und Christian Ebner, dpa

PSA-Chef Carlos Tavares will dank der geplanten Ehe mit Fiat Chrysler bei den ganz Großen mitspielen. Sein Konzern zeigt sich kostenmäßig gut in Form - aber gilt das auch für den erwählten Partner?

Rueil-Malmaison/Rüsselsheim (dpa) - Der Opel-Mutterkonzern PSA geht mit einem Rekordgewinn in die Fusion mit dem italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler.

«PSA ist einer profitabelsten Autohersteller der Welt», sagte Konzernchef Carlos Tavares in Rueil-Malmaison bei Paris.

Er lobte ausdrücklich das Abschneiden der deutschen Tochter Opel, die gut zweieinhalb Jahre nach der Übernahme die Wende geschafft habe. «Sie haben es gemacht», so Tavares.

Der Traditionshersteller aus Rüsselsheim fuhr 2019 einen Betriebsgewinn von 1,1 Milliarden Euro ein. Im Jahr zuvor waren es noch 859 Millionen Euro gewesen. Gleichzeitig sank der Umsatz um knapp eine Milliarde auf 17,4 Milliarden Euro.

Opel gehört mit der Schwester Vauxhall seit Sommer 2017 zu den Franzosen. Bei der Sanierung blieben viele Arbeitsplätze auf der Strecke. Die Einmalkosten für Abfindungen sind in den operativen Gewinnzahlen wie auch Zinsen und Steuern nicht berücksichtigt.

Der PSA-Konzern, zu dem auch die französischen Traditionsmarken Peugeot und Citroën gehören, steigerte den Nettogewinn um gut 13 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren Kostensenkungen und neue Automodelle. Der Umsatz des Konzerns wuchs um ein Prozent auf 74,7 Milliarden Euro, obwohl er 2019 mit 3,48 Millionen Autos gut zehn Prozent weniger verkauft hat als im Jahr zuvor.

Gestrichen wurden vor allem Spritfresser und verlustreiche Opel-Modelle mit technischer Grundlage aus der General-Motors-Vergangenheit. Tavares sagte, er sei sicher, dass PSA im laufenden Jahr die europäischen Grenzwerte für CO2-Emissionen einhalten werde. «Im Januar und Februar halten wir sie ein.»

Der Konzernchef zeigte sich auch zuversichtlich, dass er grünes Licht von den Wettbewerbsbehörden für den Mega-Zusammenschluss mit Fiat Chrysler (FCA) bekommt, der spätestens im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen sein soll. PSA und FCA hatten Ende des vergangenen Jahres angekündigt, den viertgrößten Automobilhersteller der Welt zu schmieden. «Wir führen zwei Unternehmen zusammen, die gesund sind», betonte Tavares.

Branchenexperten hatten darauf hingewiesen, dass FCA unter Führung des inzwischen gestorbenen Managers Sergio Marchionne auf große Investitionen in Elektroantriebe verzichtet habe. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den großen Spritschluckern der Marken Jeep und RAM unterwegs. Die Branche steht unter Zugzwang, milliardenschwere Investitionen in Elektromobilität und autonomes Fahren zu bewältigen.

Opel-Chef Michael Lohscheller feierte die Zahlen als «Ergebnis der harten Arbeit aller Opelaner» und verkündete eine Erfolgsprämie von 600 Euro für jeden Beschäftigten in Europa - die erste bei dem dauerkriselnden Autobauer seit 1997. Die eigentlich erst für 2026 angepeilte Profitabilität habe man mit 6,5 Prozent Marge bereits übertroffen und verfüge nun über ausreichende Mittel für zukunftsweisende Investitionen.

Zweieinhalb Jahre nach der Übernahme durch PSA besitzen die drei deutschen Standorte trotz Umsatzrückgangs und Jobabbaus inzwischen handfeste Perspektiven: In Montagewerk Eisenach läuft der noch frische SUV Grandland inklusive einer Elektroversion vom Band, und am Komponenten-Standort Kaiserslautern soll mit freundlicher Unterstützung des Steuerzahlers eine der größten Batteriefabriken Europas mit rund 2000 Arbeitsplätzen entstehen.

Darben muss noch der Stammsitz Rüsselsheim, wo erst im kommenden Jahr die Neuausgabe des Massenmodells Astra startet und dann das Montagewerk im Zweischichtbetrieb auslasten soll. Bis dahin bestimmen Kurzarbeit und seltene Produktionstage für das Auslaufmodell Insignia den Alltag. Das Entwicklungszentrum mit zuletzt 4850 Vollzeitstellen könnte weiter verkleinert werden, wenn bei einer gelungenen Fusion mit Fiat-Chrysler weitere Entwicklerkapazitäten in den Konzern kämen.

Der Opel-Gewinn ist letztlich auf den rigiden Schrumpfkurs zurückzuführen, für dessen Fortführung Lohscheller sich die Rückendeckung der Gewerkschaft IG Metall gesichert hat. Der Deal ist immer gleich: Tausende Beschäftigte können mit goldenem Handschlag das Unternehmen verlassen, und für die übrigen werden die Jobgarantien verlängert, aktuell bis Mitte 2025. PSA hat sich die Programme zu Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit bei Opel allein im vergangenen Jahr 855 Millionen Euro kosten lassen - mit ähnlichen Summen ist auch in den kommenden Jahren zu rechnen.

Bei der Übernahme im August 2017 zählte Opel noch mehr als 19.000 Köpfe, heute besteht die um einige Verwaltungen von PSA Deutschland ergänzte Mannschaft aus gut 17.000 Männern und Frauen. Für die Werke Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach nennt Opel zum Jahresende 2019 die Zahl von 13.660 Vollzeitstellen, weitere Abschiede sind bereits vereinbart.

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