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| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 2 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Wir sind Italien, Kommentar zur Ausbreitung des Coronavirus von
Gerhard Bläske
Frankfurt (ots) - Hamsterkäufe, abgesagte Fußballspiele und Ausstellungen,
Mode-Defilees unter Ausschluss der Öffentlichkeit, abgeriegelte Städte und
Gemeinden, geschlossene Bars, Theater, Kinos, Museen, Schulen und Universitäten:
In vielen Teilen Norditaliens herrscht Ausnahmezustand. Unternehmen in den
gesperrten Zonen, in denen 50000 Menschen leben, schließen Fertigungsstätten.
Und in Mailand sowie in anderen Städten empfehlen Banken und Konzerne ihren
Beschäftigten, bis auf Weiteres von zu Hause aus zu arbeiten. Die Börsenkurse
purzeln, und der Zinsabstand zwischen deutschen und italienischen Anleihen
steigt kräftig.

Was sich wie ein Kriegskommuniqué anhört, ist bittere Realität. Das Coronavirus
hat das Bel Paese im Griff, und die ersten wirtschaftlichen Konsequenzen spüren
vor allem Hotels, Restaurants und viele Geschäfte, in denen Touristen sonst
begehrte Luxusmarken wie Prada, Armani oder Gucci einkaufen. Die rasche
Ausbreitung des Virus bedroht die ohnehin schwache Konjunktur des Landes, denn
betroffen davon sind mit der Lombardei und Venetien ausgerechnet die beiden
wirtschaftsstärksten Regionen des Landes. Schon fürchtet Notenbankchef Ignazio
Visco, das Bruttoinlandsprodukt könnte um bis zu 0,2 Prozentpunkte niedriger
ausfallen.

Die Entwicklung im Bel Paese muss auch den Rest Europas sorgen. Auch wir sind
Italien. Denn die wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb Europas sind so
stark, dass die Folgen unmittelbar sind. Italien ist die drittgrößte
Volkswirtschaft der Eurozone und das zweitgrößte Industrieland und weist einen
hohen Handelsüberschuss aus. Europa kann weder grenzüberschreitende Reisen
einfach so unterbinden noch Warenströme. Der Austausch, speziell mit
Deutschland, ist sehr eng, von der Lebensmittelbranche, über Autozulieferungen,
den Maschinenbau und die Pharmaindustrie bis hin zum Modesektor. Wenn die
Zulieferungen wegbrächen, stünden auch in Deutschland bald viele Bänder still.

Es braucht jetzt eine enge Koordinierung auf europäischer Ebene. Egal, ob im
speziellen Fall Italien womöglich Mitschuld trägt an der schnellen Ausbreitung
des Virus: Kein Land ist davor gefeit, selbst in eine solche Situation zu
geraten. Die EU muss gemeinsame Antworten finden, wie die Ausbreitung des Virus
verhindert werden kann, ohne den Warenaustausch zu behindern. Sollte die EU hier
versagen, würde das den diversen Populisten weiteren Auftrieb verleihen und den
Menschen sowie der Wirtschaft würde unermesslicher Schaden entstehen.

Pressekontakt:

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Telefon: 0692732-0
www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/30377/4529079
OTS: Börsen-Zeitung


Quelle: dpa-AFX
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