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Qualitätstest

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

In diesem Herbst können Sie gut nachvollziehen, wie hoch die Qualität der Meinungen im Verhältnis zu den Realitäten zu stellen ist und was daraus resultiert. Drei Meinungen gibt es als Hauptrichtlinie.

 

Die eine Partei rechnet jede Woche vor, wie weit die deutsche Wirtschaft entweder schon in der Rezession oder vor der Rezession steht und wie das Jahr 2020 mitten in die Rezession hineinführt. Jede Kombination ist erlaubt.

 

Die zweite Partei begründet ausführlich, warum Deutschland schon längst in der Rezession steckt, die schon vor 6 oder gar 9 Monaten begann, aber sie traut sich nicht zu, ein Wegweiser für 2020 zu sein.

 

Beiden Parteien ist der Begriff Rezession aus dem Griff geraten. Für die eine ist es eine technische Rezession, für die andere eine strukturelle oder in anderen Wendungen eine politische Schieflage. Einig sind sich beide Parteien nur darin, dass sie den Kopf in den Sand stecken und nicht so recht wissen, wie es weiter geht. Denn Produktionsrückgänge um wenige Prozente sind nicht aussagefähig, wenn man die jeweiligen zeitlichen Vergleiche nicht ausreichend berücksichtigt. So entstehen Rückgänge bis 14 % in einem Monat gegenüber dem Vormonat, aber rückblickend auf 6 Monate sind es dann eben 7 % und gegenüber dem Vorjahr eine weitere Hälfte um vielleicht 3 %. Diese Spielchen lassen sich beliebig fortsetzen.

 

Eine dritte Partei geht in eine andere Richtung. Obwohl diese zitierten Zahlen wöchentlich die Runde machen und zu ausführlichen negativen Kommentaren führen, steigen die Aktienkurse weiter. Soeben auf 12.560 und den letzten Widerstand, bevor es in Richtung 13.200 geht und anschließend weiter. Wie erklärt sich das?

 

Trotz der gewiss nicht erbaulichen statistischen Ergebnisse legten DAX & Co seit Jahresanfang zwischen 17 und 21 % zu. Das zu erklären, fällt den Konjunkturgurus natürlich schwer. Den Aktienanalysten ebenso schwer, wenn sie auf die Quartalszahlen achten und die jeweiligen Ergebnisse in Euro oder Cent auf die Gewinne je Aktie umlegen, um daraus zu erkennen, ob der Titel zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen wäre. Dies greift völlig daneben. Warum?

 

An der Börse werden Erwartungen gehandelt. Offenbar stellen sich diese Erwartungen ganz anders dar, als sie in der geschilderten Form kurz skizziert worden sind. An der Börse handeln aktive Anleger im eigenen Interesse, egal, ob persönlich oder als Manager, jedenfalls mit einer anderen Sicht, wie sie für Unternehmer ebenso typisch ist wie für vorausschauende Entwicklungen der nächsten Monate oder gar Jahre.

 

Für diese Erwartungen gibt es kein KGV, keine Dividendenrendite oder sonstige Kriterien der Bewertung, sondern die Frage: Wer macht es richtig oder welche Chefin sieht es noch besser?

 

SAP überraschte am Montag alle. Der zweite deutsche Konzern hat eine Dame als Chefin. Diese Bombe saß. Kursgewinn 10 % in wenigen Minuten oder einer Stunde. Warum wohl? Die Dame arbeitet seit Jahren bei SAP in New York, hat weder von Software noch von Cloud oder sonstigen technischen Raffinessen sehr viel Ahnung, aber sie gilt als hervorragende Marketingexpertin mit umfangreichen Beziehungen und damit einem Überblick über das, was im Cloudmarkt läuft. Genau darauf kommt es an. Software kann bei SAP so gut wie jeder. Doch verkaufen, um die Nr. 3 im Weltmarkt zu bleiben, ist eine völlig andere Herausforderung. Nämlich eine neue Sicht.

 

Stellen wir uns vor, der Siemens-Aufsichtsrat hätte den Mut, ebenfalls eine Dame an die Spitze zu stellen. Geplant ist bisher, dass der Nachfolger von Joe Kaeser ein anderer sehr kompetenter Mann aus dem Siemens-Konzern wird. Er ist hoch qualifiziert, aber hat er mit 58 Jahren und 30 Jahren Siemens-Tätigkeit einen Blick dafür, wie man den schwerfälligen Siemens-Konzern umbaut, um ihn zu dynamisieren? Einem Großvater fällt das schwer. Genau um diese Frage geht es auch bei Siemens: Der Blick in die Zukunft muss weitreichend sein, bedarf strategischer Qualitäten und intelligenter Kombinationen. Mit den Produkten von Siemens hat dies nichts zu tun, sondern: Wie stelle ich diese Produkte her, wo und wie verkaufe ich sie am besten?

 

Deshalb zeigt der DAX in die richtige Richtung, nämlich per 2021 und vielleicht noch weiter.

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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