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Rheinmetall: Da wächst was zusammen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

 Der Rüstungskonzern Rheinmetall nimmt die Übernahme des Konkurrenten Krauss Maffei Wegmann (KMW) verstärkt ins Visier. Man sei auf einem guten Weg, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Mittwoch in Düsseldorf. "Wir haben gesprochen und es gibt eine Bereitschaft, dass man Anteile bekommen kann." Die Rheinmetall-Aktie -0,14% befindet sich seit November im Aufwind. Nach der Vorlage der Jahreszahlen Anfang März wurde der höchste Stand seit August 2018 erreicht. 

Es geht um den 50-Prozent-Anteil von KMW an der deutsch-französischen Rüstungsholding KNDS, die zur anderen Hälfte dem staatlichen französischen Unternehmen Nexter gehört. Beide Firmen haben ihre Geschäfte in diese Holding eingebracht. Kauft Rheinmetall den KMW-Anteil, würde es den Münchner Konzern schlucken.

KNDS war 2015 gegründet worden, um künftige militärische Großprojekte gemeinsam zu stemmen. Es geht vor allem um einen komplett neu entwickelten Kampfpanzer der Zukunft, der 2030 fertig sein könnte. Passiert ist seit der Firmengründung aber wenig. Denkbar ist, dass mit der Übernahme von KMW ein künftiger Super-Panzer von Rheinmetall entwickelt werden könnte.

Der MDax-Konzern hatte bereits früher Interesse an KMW geäußert, mit dem sie zusammen unter anderem den Schützenpanzer “Puma” entwickeln. Knackpunkt für die Übernahme ist nach Darstellung von Papperger ein Vorkaufsrecht der Franzosen. Die Übernahme sei letztlich eine politische Angelegenheit, man verhandele mit der Bundesregierung und der französischen Regierung, sagte er. Der deutsche Manager deutete an, dass es in Paris noch Vorbehalte gebe. "Hier sind wir sehr stark abhängig davon, wie die französische Regierung entscheidet."

Update:  Würde Rheinmetall bei KNDS einsteigen, würde die deutsche Seite in dem Gemeinschaftsunternehmen wesentlich gestärkt. Branchenexperten zufolge könnte Rheinmetall auf lange Sicht eigenes Geschäft in die Holding einbringen, wodurch der Anteil der Düsseldorfer auf bis zu 75 Prozent steigen könnte. Papperger sagte zwar, man wolle "am liebsten 51 Prozent" und damit die Mehrheit. Er räumte aber ein, dass dies aufgrund der Haltung Frankreichs schwierig sein dürfte. "Wenn wir unser Geschäft einbringen würden, würden wir sicherlich ein extremes Übergewicht haben." Juniorpartner wolle man aber nicht werden.

Der Manager betonte die Dringlichkeit eines großen europäischen Militärkonzerns. Bisher sei die europäische Branche von "Kleinstaaterei" geprägt, was im globalen Wettbewerb mit Branchenriesen aus den USA, Russland oder China kein guter Weg sei.

Deutschland und Frankreich sind auf politischer Ebene schon seit längerem übereingekommen, bei neuen Militärprojekten künftig stärker zusammenzuarbeiten – ein neuer Kampfjet soll unter Führung der französischen Seite gebaut werden und ein neuer Kampfpanzer unter Führung der deutschen Seite.  Welche Firmen genau mitmachen, ist noch nicht fix. Von der Bundesregierung habe man aber vor zwei Wochen die Nachricht bekommen, Rheinmetall solle "eine entscheidende Rolle" spielen. Das Umsatzvolumen des Kampfpanzers der Zukunft – im Branchensprech "Main Ground Combat System" genannt – schätzt der Konzern auf 100 Milliarden Euro.

KMW mit Sitz in München ist ein Familienunternehmen, von ihm stammt zum Beispiel die Karosserie des Kampfpanzers "Leopard", dessen Kanone wiederum ist von Rheinmetall. Außerdem betreut das Konsortium als Wartungspartner und Ersatzteilproduzent weitere gepanzerte Waffensysteme des deutschen Heeres, wie etwa den Bergepanzer "Büffel" oder auch den Minenwerfer "Skorpion". Die beiden Firmen sind bisher also nicht nur Konkurrenten, sondern mitunter auch Geschäftspartner.

Unterdessen hatte Rheinmetall Geschäftszahlen vorgelegt, die in der Rüstungssparte sehr positiv ausfielen. In diesem Bereich kletterte der Umsatz 2018 um 6,1 Prozent auf 3,22 Milliarden Euro. 2019 soll das Plus sogar bei neun bis elf Prozent liegen. Grund: Die weltweit steigende Nachfrage nach Militärgütern. Rheinmetall stellt unter anderem Panzer, Munition und Flugabwehrsysteme her. Schwach lief es hingegen in der Autozulieferer-Sparte des Konzerns.

Für Unmut sorgte das Thema Saudi-Arabien. Dorthin wollte Rheinmetall 120 Militärlaster mit Anhängern liefern, die Exportgenehmigung für den 136-Millionen-Euro-Auftrag liegt nach Angaben der Firma längst vor. Doch die Bundesregierung bat darum, vorerst noch zu warten – dieser Bitte kam Rheinmetall nach. Sollte aber tatsächlich die Exportgenehmigung entzogen werden, würde man Entschädigung verlangen, stellte Papperger klar – auf so einen im Gesetz geregelten Ausgleich könnte er als Chef einer Aktiengesellschaft gar nicht verzichten. Vor der Exportstopp-Bitte aus Berlin wurden nur 10 Militärlaster in das arabische Land geliefert. Saudi-Arabien sei mit ihnen sehr zufrieden, zukünftig könnte es vielleicht noch mehr wollen als die bestellten 120 LKWs, sagte der Firmenchef.

Mit Material von dpa-AFX

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