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ROUNDUP 2/Weniger Stromverbrauch in Corona-Krise: Eon senkt Jahresprognose

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
(neu: Aktienkurs, Analysten, Aussagen aus der Telefonkonferenz.)

ESSEN (dpa-AFX) - Geschlossene Fabriken, weniger Industrieproduktion: Die Corona-Krise macht sich auch beim Energiekonzern Eon -0,79% bemerkbar. Der Dax -0,67%-Konzern blickt etwas pessimistischer auf 2020. Wegen einer geringeren Nachfrage musste der Netzbetreiber bereits beschafften Strom im zweiten Quartal wieder verkaufen. Zudem legte der Konzern Geld für mögliche Zahlungsausfälle von Kunden beiseite. Inklusive dieser Effekte rechnet Eon für 2020 mit coronabedingten Belastungen von 300 Millionen Euro, bleibt mittelfristig aber zuversichtlich und geht davon aus, einen Teil in den kommenden Jahren wieder reinholen zu können.

Die Aktien gaben am frühen Nachmittag etwa 0,6 Prozent nach. Bereits vorab ging der Blick der Analysten vor allem auf die Prognose, weil Eon bisher an seinem ursprünglichen Ausblick festgehalten hatte. Das sei wohl eine kleine Enttäuschung für Investoren, erklärte Alberto Gandolfi von Goldman Sachs. Viele andere Konzerne hatten ihre Schätzungen wegen der Krise bereits in den vergangenen Monaten nach unten korrigiert.

"Das zweite Quartal hat bei uns Klarheit gebracht", erklärte Eon-Chef Johannes Teyssen bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Ohne einen neuen harten Lockdown sei der größte Teil der Corona-Auswirkungen nun verarbeitet. Eon erwartet 2020 nun ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro und einen bereinigten Konzernüberschuss von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Konzern beim bereinigten operativen Ergebnis bis zu 4,1 Milliarden und beim bereinigten Überschuss bis zu 1,9 Milliarden auf dem Zettel.

Abgesehen davon verwies Konzernchef Teyssen auf "starke Zahlen". Das Geschäft sei "robust" auch "in schwierigen Zeiten". Der Strombedarf sei durch Corona um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, habe sich aber im Juli schon wieder auf minus 5 Prozent erholt.

Das US-Analysehaus Bernstein Research schrieb, die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Netzgeschäft des Konzerns seien vorübergehend, die Belastungen könnten in den Jahren 2022 bis 2024 wieder gut gemacht werden. Langfristige Auswirkungen der Corona-Krise sieht der Konzern selbst nicht und bestätigte seine Mittelfristziele genauso wie seine Aussagen zur Dividende. Eon will diese bis zur Ausschüttung für 2022 weiter jährlich um bis zu fünf Prozent steigern.

Die Resultate werteten auch Börsianer als "robust" und "weniger schwach als befürchtet": Das operative Ergebnis sank in den ersten sechs Monaten von 2,3 auf 2,2 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss ging von 1,05 auf 0,93 Milliarden Euro zurück. Die Vorjahreszahlen sind auf Pro-Forma-Basis - das heißt, sie beinhalten auch schon alles, was durch das Tauschgeschäft mit RWE -0,33% und die damit verbundene Aufteilung von Innogy eigentlich erst später dazugekommen war. Wie erwartet habe sich Covid-19 auf das Ebit im zweiten Quartal ausgewirkt, der Rückgang zum Vorjahr sei aber vergleichsweise moderat ausgefallen, erklärte Finanzchef Marc Spieker. Wesentliche Zahlungsausfälle seien bisher ausgeblieben.

Als Trendwende bezeichnet das Management die Lage beim bisher schwierigen Geschäft in Großbritannien. Nach den ersten sechs Monaten verzeichnet der Konzern hier einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 43 Millionen Euro. Vor allem die frühere Innogy-Tochter NPower war in einer kritischen Situation. Eon hatte bereits im November eine Neuordnung angekündigt, um dort aus den Verlusten herauszukommen.

Im zweiten Quartal wurde zudem das Tauschgeschäft mit RWE abgeschlossen. Der letzte große Schritt zur vollständigen Übernahme von Innogy war das Herausdrängen der verbliebenen Minderheitsaktionäre Anfang Juni. Den Verkauf von Geschäften in Ungarn, Tschechien und Deutschland, den die EU-Kommission zur Auflage des Deals gemacht hatte, setze der Konzern planmäßig um, heißt es.

Eon will im Zuge der Innogy-Integration bis zu 5000 Stellen abbauen. Weitere 5000 Stellen fallen außerdem bei der Integration der früheren Innogy-Tochter nPower in Eons Großbritanniengeschäft weg. 1000 Stellen seien bereits in Form von Vorruhestandsregelungen und Auflösungsverträgen abgehakt, diese betreffen laut Konzern allerdings Deutschland. Der Konzern machte keine Angaben dazu, bis wann der Stellenabbau insgesamt abgeschlossen sein soll./knd/men/jha/


Quelle: dpa-AFX
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