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ROUNDUP 2: Wirecard-Sonderprüfer deutet Defizite bei Abschlussprüfung an

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
(neu: Weitere Aussagen Geschonneck und Kommentar SPD)

BERLIN (dpa-AFX) - Im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard -4,852%-Bilanzskandal haben sich Defizite bei der Abschlussprüfung des Skandalunternehmens angedeutet. Befragt wurde am Donnerstag im Bundestag der Sonderuntersucher Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Er hatte in einer Sonderprüfung aufgedeckt, dass es keine Nachweise zur Existenz von angeblichen Kundenbeziehungen und daraus erzielten Umsätzen des aufstrebenden Tech-Konzerns gab. Dafür habe er keine speziellen Methoden anwenden müssen, sagte der Wirtschaftsinformatiker aus. "Es ist keine Raketenwissenschaft, was wir da gemacht haben", betonte er.

Es habe sich um Standardprüfmethoden gehandelt, die auch das Institut der deutschen Wirtschaftsprüfer vorsehe. "Wir haben nicht weiter gemacht, als uns nach unseren Standards zu verhalten", sagte Geschonneck. Die konkrete Arbeit der Wirecard-Prüfer der Prüfungsgesellschaft EY wollte er nicht bewerten. Diese Prüfer hatten die Abschlüsse des Skandalkonzerns jahrelang als ordnungsgemäß bestätigt.

Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, wertete Geschonnecks Aussage als "desaströses Zeugnis" für die Abschlussprüfer von EY. Der SPD-Obmann im Ausschuss, Jens Zimmermann, betonte, es gebe erhebliche Zweifel, ob dem jahrelangen Abschlussprüfer jemals geeignete Unterlagen vorlagen um die Existenz der Konten zu bestätigen. Mit einer ordnungsgemäßen Abschlussprüfung wäre der Wirecard-Betrug aufgeflogen, erklärte er.

Die Bilanz-Kontrolleure von EY stehen derzeit in mehrerlei Hinsicht unter Druck. So erhebt nach einem Bericht des "Handelsblatts", der der dpa bestätigt wurde, auch die Wirtschaftsprüferaufsicht Apas Vorwürfe gegen sie. Es soll Hinweise auf Straftaten der beteiligten Akteure geben, die Aufsichtsbehörde habe deshalb die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Ein EY-Sprecher erklärte dazu: "EY sieht keinerlei Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten von Abschlussprüfern von EY im Fall Wirecard." Der Finanzpolitiker der Linken, Fabio De Masi, kommentierte: "Bei EY brennt der Dachstuhl!" Mehrere Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sollten am späteren Abend im Ausschuss noch aussagen, beriefen sich aber bereits zuvor auf ihre Schweigepflicht als Wirtschaftsprüfer.

Der Untersuchungsausschuss im Bundestag will vor allem aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen Wirecard als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Der inzwischen insolvente frühere Dax +0,77%-Konzern hatte im Sommer Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Das einst als deutsche Technologiehoffnung gehandelte Unternehmen machte nach bisherigem Stand der Ermittlungen jahrelang Verluste. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seit 2015 Scheingewinne auswiesen wurden. Allein Banken und Investoren verloren nach ihren Berechnungen mehr als drei Milliarden Euro. Auch viele Aktionäre büßten nach dem Börsenabsturz große Summen ein.

KPMG war im Oktober 2019 mit der Sonderprüfung beauftragt worden, nachdem es mehrere Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard gab. Das Unternehmen habe den Sonderprüfern danach einige Steine in den Weg gelegt, sagte Geschonneck aus. "Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestoßen, die in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet lagen." Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden.

Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt. Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck./tam/DP/nas


Quelle: dpa-AFX
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