DAX ®13.043,03+0,37%TecDAX ®2.519,44+0,22%Dow Jones23.157,60+0,70%NASDAQ 1006.114,35-0,13%
finanztreff.de

ROUNDUP 4: Madrid erhöht den Druck auf Katalonien - Brüssel fordert Dialog

| Quelle: dpa-AFX
(neu: Absage der Sitzung des Regionalparlaments)

MADRID/BARCELONA (dpa-AFX) - Die spanische Regierung erhöht im Katalonien-Konflikt den wirtschaftlichen Druck auf die nach Unabhängigkeit strebende Region. Am Freitag verabschiedete sie in Madrid ein Dekret, das Firmen und Banken den Weggang aus Katalonien erleichtert. Spanische Medien sprachen von einer "salida exprés" - einem Weggang im Eilverfahren. Demnach reicht für einen Ortswechsel künftig eine Entscheidung des Aufsichtsrats - eine Gesellschafterversammlung muss nicht mehr einberufen werden.

"Es ist nicht die Schuld der Unternehmen, wenn eine unverantwortliche Politik Unsicherheit und Unruhe verbreitet", sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Nachmittag vor Journalisten. Die Entscheidung wurde angesichts der drohenden Unabhängigkeitserklärung der Region gefällt.

Wenige Stunden später kündigte der Energieriese Gas Natural Fenosa an, seinen traditionellen Hauptsitz in Barcelona aufzugeben und nach Madrid umzuziehen. Kurz darauf erklärte die Großbank La Caixa - der größte Geldgeber der Region -, sie werde nach Valencia ziehen. Bereits am Donnerstag hatte die fünftgrößte Bank des Landes, Banco Sabadell, ihren Umzug nach Alicante bekannt gemacht.

Es wird erwartet, dass dank des Dekrets schnell weitere Geldhäuser und Firmen folgen könnten. Auch Freixenet, einer der größten Cava-Produzenten Spaniens, könnte Katalonien den Rücken kehren.

"Wenn es wirklich zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung kommen sollte, dann werden viele Firmen aus Katalonien abziehen, was großen Schaden anrichten wird", zitierte die Zeitung "La Vanguardia" Freixenet-Chef José Luis Bonet. Eine Abspaltung sei "kein Scherz", sondern "eine echte Katastrophe".

Die Katalanen hatten sich am Sonntag bei einem umstrittenen und von der Justiz untersagten Referendum mit deutlicher Mehrheit für eine Abspaltung der bisher wirtschaftsstarken Region von Spanien ausgesprochen. Die Regierung in Madrid unter Führung von Mariano Rajoy hatte wochenlang mit allen Mitteln versucht, die Volksabstimmung zu verhindern. Bislang lehnt sie jeden Dialog mit der Regionalregierung ab.

Eine für Montag angesetzte Parlamentssitzung, bei der die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt werden sollte, wurde am Donnerstag vom Verfassungsgericht verboten. Am Freitag wurde die Sitzung dann abgesagt, teilte die Sprecherin der marxistischen katalanischen Partei CUP, Nuria Gibert, mit. Die CUP ist eine der radikalsten Verfechter der Unabhängigkeit.

Der Chef der "Generalitat" (Regionalregierung), Carles Puigdemont, hatte zuvor schon angekündigt, er werde am Dienstag vor dem Parlament in Barcelona Stellung zur "aktuellen politischen Lage" beziehen. Ob er dabei die Unabhängigkeit ausrufen oder lediglich das weitere Vorgehen seiner Regierung vorstellen will, wurde nicht bekannt.

Die Generalitat gab am Freitag das Endergebnis der Volksabstimmung bekannt. Es weicht kaum von dem Resultat ab, das Stunden nach Schließung der Wahllokale verkündet worden war: Nach Auszählung aller Stimmen hätten sich 90,18 Prozent der Wähler für die Abspaltung der Region von Spanien ausgesprochen, hieß es. Knapp 2,29 Millionen der 5,3 Millionen Wahlberechtigten seien zu den Urnen gegangen - dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 43 Prozent.

Die EU-Kommission drängte Madrid und Barcelona, schnell miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wir wollen, dass dies rasch passiert", sagte ein Sprecher in Brüssel. Er blieb aber bei der Haltung der Kommission, sich nicht als Vermittler einzumischen. Die Behörde sieht den Konflikt als innere Angelegenheit Spaniens.

Einen kleinen Schritt der Annäherung machte der Vertreter der spanischen Regierung in Katalonien, Enric Millo. Fünf Tage nach der von Polizeigewalt überschatteten Abstimmung entschuldigte er sich als erster Vertreter der Zentralregierung bei den knapp 900 Verletzten. Gleichzeitig gab er der Regionalregierung die Schuld an den Vorfällen, weil diese die Bürger zu den Wahllokalen geschickt habe, obwohl die Abstimmung von der Justiz verboten worden war.

Die Ratingagentur Fitch bereitete indes den Finanzmarkt auf eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit Kataloniens vor, die mit "BB" sowieso schon als gering eingestuft wird. Das Rating wurde auf "Watch Negative" gesetzt. Zuvor hatte sich bereits die Agentur Standard & Poor's ähnlich geäußert./cfn/DP/he


Quelle: dpa-AFX
Schlagworte:
, , , , ,
Werbung
Werbung

Länderüberblick

zu Länder & Regionen
Werbung
Bid & Ask Newsletter kostenlos lesen! |Baufinanzierung bei der Degussa Bank |Das ATB Tagesgeldkonto - Transparenz für Ihr Geld
Jetzt Wünsche erfüllen mit dem PrivatKredit der Degussa Bank.
Werbung

Werbung
schliessen
Börse Stuttgart Anlegerclubschliessen
Börse Stuttgart

Vier Gewinneraktien der
Autorevolution:

Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche vier Aktien durch autonomes Fahren und Elektromobilität auf der Gewinnerseite stehen könnten.

Jetzt kostenlos Mitglied werden
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook, Google+ oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Sachsen-Anhalt fordert die Abschaffung des Fernsehsenders Das Erste als überregionaler Sender. Nur das ZDF soll für diesen Bereich beibehalten werden. Die ARD solle stattdessen eher regional werden. Ist das eine gute Idee?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen