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ROUNDUP/Affäre um britischen Berater Cummings: Auch Boris Johnson unter Druck

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
LONDON (dpa-AFX) - Der britische Premierminister Boris Johnson hat mit seiner Rückendeckung für Chefberater Dominic Cummings einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und gerät selbst zunehmend unter Druck. Mehr als ein Dutzend Parlamentarier aus Johnsons Konservativer Partei, die Opposition, Geistliche und Ärzte forderten den Rücktritt Cummings', weil er gegen Ausgangsbeschränkungen verstoßen haben soll.

Kritiker fürchten, Cummings könnte das Vertrauen in die Regierung irreparabel beschädigt haben. Sie warnen aber auch vor einem Anstieg der Infektionen, weil Schutzmaßnahmen nicht mehr ernst genommen werden könnten. Großbritannien hat Statistiken zufolge die meisten Todesopfer in Europa. Die Zahlen schwanken - je nach Erhebungsmethode
- zwischen rund 37 000 und über 50 000 Fällen.

Cummings wird vorgeworfen, mit einer Reise von London zu Familienangehörigen ins rund 430 Kilometer entfernte Durham Ende März gegen Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise verstoßen zu haben. Der Wahlkampfstratege gilt als eine Art Strippenzieher in der Regierung, der hochintelligent und zugleich unberechenbar ist.

Der Premierminister behandle die Menschen "wie Trottel" und "ohne Respekt", twitterte der Bischof von Leeds, Nicholas Baines. Außer ihm kritisierten noch viele andere Vertreter der Kirche von England das Verhalten Johnsons und seines Beraters. Auch in der Tory-Partei bröckelt die Unterstützung. Der frühere Staatssekretär Paul Maynard nannte das Verhalten des Chefberaters "völlig unhaltbar". Der Abgeordnete David Warburton sagte im BBC-Interview am Montag, Cummings "schädigt die Regierung und das Land".

Die Polizei fürchtet Folgen für ihre Arbeit: Der Chefberater habe durch sein Verhalten die Durchsetzung der Pandemie-Maßnahmen zum Gespött gemacht, sagte ein Vertreter der Polizei in der südenglischen Grafschaft Gloucestershire. Der Mediziner Dominic Pimenta twitterte ein Foto von sich in voller Schutzausrüstung und schrieb: "Wenn er (Cummings) nicht aus dem Dienst ausscheidet, dann mache ich das."

Cummings gab als Grund für seine Reise an, er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Betreuung seines vier Jahre alten Sohnes sicherzustellen. Er habe für die Betreuung seines Kindes sorgen wollen, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt gewesen sei und er selbst auch mit einer Ansteckung habe rechnen müssen.

Cummings sei "den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt", sagte Johnson am Sonntag. Dafür könne er ihn nicht an den Pranger stellen. Nach den Worten Johnsons hat sein Chefberater "in jeder Hinsicht verantwortlich, legal und mit Integrität" gehandelt.

Mehrere Experten, die nach eigenen Angaben die Regierung bisher beraten hatten, äußerten sich sehr besorgt. Innerhalb von Minuten habe Johnson "alle Ratschläge, wie man Vertrauen aufbaut und das Einhalten der Maßnahmen sicherstellt, die für die Kontrolle von Covid-19 notwendig sind, in die Tonne getreten", twitterte Psychologe Stephen Reicher von der St.-Andrews-Universität in Schottland.

Die Zeitung "Daily Mail +0,13%" titelte am Montag zu Bildern von Johnson und Cummings: "Auf welchem Planeten leben die eigentlich?" Der Chef der Oppositionspartei Labour, Keir Starmer, sagte der BBC: "Das war ein großer Test für den Premierminister und er ist gerade durchgefallen."

Nicht auszuschließen scheint, dass in der Sache noch weitere Details an die Öffentlichkeit gelangen. Der "Guardian" und der "Daily Mirror" berichteten am Sonntagabend, ein Augenzeuge, der Cummings am 12. April an einem Ausflugsziel rund 50 Kilometer vom Wohnhaus seiner Eltern entfernt gesehen haben will, habe inzwischen Anzeige erstattet. Auch für einen weiteren Aufenthalt Cummings' in Durham am 19. April gibt es demnach einen Augenzeugen. Die Regierung stritt weitere Aufenthalte Cummings' in Durham ab./si/DP/men


Quelle: dpa-AFX
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