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ROUNDUP: Tabakbranche schimpft über strenge Regeln für Rückverfolgbarkeit

| Quelle: dpa-AFX (SW) | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
DORTMUND (dpa-AFX) - Regeln zur Eindämmung des Zigarettenschmuggels laufen aus Sicht der Tabakbranche komplett ins Leere. Sie hätten nur hohe Kosten verursacht und die Firmen in arge Bedrängnis gebracht, sagte Patrick Engels vom Chef des Verbandes der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) am Freitag bei der Fachmesse Intertabac in Dortmund. "Erste Herstellerfirmen geben den Geschäftsbetrieb auf." Unlängst hatte das Berliner Unternehmen Planta seine Tabakmarken nach Dänemark verkauft hat und die Produktion eingestellt.

Es geht um die Regeln zur besseren Rückverfolgbarkeit, die nach einer EU-Vorgabe national umgesetzt wurden. Seit dem 20. Mai muss jede Packung von Zigaretten und Feinschnitt mit speziellen Codes versehen werden, die auf ihrem späteren Lieferweg gescannt werden. Der Gesetzgeber will damit mehr Transparenz in die Tabakbranche bringen.

Nach Branchendarstellung werden in Deutschland noch immer viele Zigaretten vom Schwarzmarkt gekauft. Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) wies darauf hin, dass in Polen und Tschechien dicht an der deutschen Grenze noch immer illegal Zigaretten verkauft werden - dort werde "brutal gefälscht". Auch in Deutschland - etwa in Berlin - gibt es noch Schwarzmarkt.

Mücke ist ebenfalls davon überzeugt, dass die neuen Rückverfolgbarkeitsregeln dieses Problem nicht entschärfen werden. Der Tabakindustrie seien Kosten im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich entstanden, die über Preiserhöhungen an den Endkunden weitergereicht worden seien. "Umso bedauerlicher ist es, dass die Regulierung ihren Zweck nicht erfüllt."

Nach Darstellung des Branchenkollegen Engels befinden sich mittelständische Tabakwaren-Hersteller wegen der verschärften Gesetzgebung in einem "existenziellen Überlebenskampf". Heute noch gesunde Firmen ächzten unter den hohen Kosten für neue Maschinen und geänderte Abläufe. Die Regelung sei ein "Frontalangriff auf den Mittelstand". Engels ist Chef des bayerischen Familienunternehmens Poeschl aus Geisenhausen bei Landshut, mit 850 Mitarbeitern kommt das Unternehmen auf rund 600 Millionen Euro Jahresumsatz. Hergestellt wird unter anderem Feinschnitt.

Sorgenfalten zeigte auch Bodo Mehrlein vom Bundesverband der Zigarrenindustrie. Zwar sind die Hersteller von Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak bis 2024 von den verschärften Regeln ausgenommen. Dann aber werde es die Firmen hart treffen, sagte Mehrlein. "Wir gehen davon aus, dass es gravierende und erdrückende Regelungen für unsere Industrie sind."

Die Fachmesse Intertabac ist der größte Branchentreff weltweit. Die Branche ist im Umbruch: Die Nachfrage nach klassischen Zigaretten sinkt Jahr für Jahr, mit neuen Produkten wie E-Zigaretten buhlen die Firmen aber weiterhin um die Gunst der Kunden. Die wiederum müssen für Tabakwaren tiefer in die Tasche greifen: Im ersten Halbjahr 2019 habe der Zigarettenumsatz bei rund 11,4 Milliarden Euro gelegen und damit fünf Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, wie der Deutsche Zigarettenverband mitteilte. Grund waren gestiegene Preise.

Die Menge der für den deutschen Markt produzierten Zigaretten stieg nur leicht um ein Prozent auf rund 37,8 Milliarden Stück. Das liege aber nicht an einer höheren Nachfrage - tatsächlich setze sich der Trend weg von der Kippe fort, so der Verband. Vielmehr lag auch dies an den Rückverfolgbarkeitsregeln - bevor sie am 20. Mai Pflicht waren, produzierten die Firmen besonders viele Zigaretten, weil deren Fertigung billiger war als danach. Sie können binnen eines Jahres verkauft werden, ohne den Code zu haben./wdw/DP/nas


Quelle: dpa-AFX
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