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ROUNDUP: Talanx erwartet 2020 erneut Rekordgewinn - Gegenwind durch Zinsen

| Quelle: dpa-AFX (SW) | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
HANNOVER (dpa-AFX) - Der Versicherungskonzern Talanx +0,67% peilt für 2019 und 2020 Rekordgewinne in Serie an. "Wir wollen das erwartete Rekordergebnis von 2019 im Jahr 2020 mit einem weiteren Rekordergebnis toppen", sagte Finanzvorstand Immo Querner am Montag in einer Telefonkonferenz in Hannover. Doch einen Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro, wie ihn Analysten bereits auf dem Zettel haben, erwartet die Führung des Versicherers mit Marken wie HDI und Neue Leben 2020 noch nicht.

Querner und Konzernchef Torsten Leue halten bis zu 950 Millionen Euro für realistisch - etwas mehr als die für 2019 angepeilten gut 900 Millionen. Die Milliardenschwelle haben sie erst für das Jahr 2022 im Blick.

An der Börse schickten Anleger den Kurs der Talanx-Aktie zunächst um rund fünf Prozent abwärts, bevor er sich wieder erholte. Zuletzt lag er noch mit 0,09 Prozent im Minus bei 42,16 Euro und war damit nicht weit entfernt von seinem Rekordhoch von 42,54 Euro, das er Mitte Oktober erreicht hatte.

Im dritten Quartal konnte Talanx den Gewinn trotz hoher Schäden im Jahresvergleich von 52 auf 265 Millionen Euro mehr als verfünffachen. Ein Jahr zuvor hatten ein Zwischenfall bei einem Staudamm-Projekt in Kolumbien und der Zusammenbruch der Autobahnbrücke in Genua bei dem Versicherer auf den Gewinn gedrückt.

Diesmal kamen Talanx ein hohes Ergebnis aus Kapitalanlagen samt einem Sondereffekt zugute. So hatte die Konzerntochter Hannover Rück -0,06% über eine Beteiligung den Lebensversicherer Generali Leben übernommen. Von einem Sondergewinn aus diesem Deal landeten unter dem Strich 50 Millionen Euro bei Talanx.

Dass sich der Vorstand für 2020 kein ganz so großes Gewinnplus zutraut wie Analysten, begründete Querner mit dem Wegfall dieses Sondereffekts und den verschärften Niedrigzinsen, die das Ergebnis allein mit 25 Millionen Euro belasteten. "Wir starten mit 75 Millionen Euro Gegenwind ins Jahr 2020, und trotzdem nehmen wir uns vor, das Ergebnis zu steigern."

Dazu soll etwa die laufende Sanierung der über Jahre hinweg defizitären Industrie-Feuerversicherung beitragen. Die Kündigung unrentabler Kundenverträge habe Talanx in diesem Bereich zwar 230 Millionen Euro an Prämieneinnahmen gekostet. Allerdings sieht Querner den Konzern auf Kurs, in diesem Bereich bald wieder Geld zu verdienen. So habe der Konzern seine Konditionen in diesem Bereich zum 1. Januar 2020 schon um 24 Prozent verbessert und sein Ziel von 20 Prozent damit übertroffen.

Im dritten Quartal reichten die Beitragseinnahmen in der Industrieversicherung ausnahmsweise sogar aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 99,8 Prozent leicht unterhalb der kritischen 100-Prozent-Marke, nachdem sie ein Jahr zuvor wegen teurer Katastrophenschäden mit 128,9 Prozent weit im roten Bereich gelegen hatte. Allerdings rechnet der Vorstand auch für das laufende Jahr insgesamt noch mit einer Quote von über 100 Prozent.

Auch beim Umbau der Privat- und Firmenkundenversicherung in Deutschland meldete Talanx Erfolge. So legte der Gewinn der Sparte in den ersten neun Monaten um fast ein Viertel auf 110 Millionen Euro zu. Im dritten Quartal warf das operative Geschäft allerdings sowohl im Schaden- und Unfall-Segment auch in der Lebensversicherung des Bereichs weniger ab.

Der stärkste Gewinntreiber des Talanx-Konzerns blieb indes seine Mehrheitsbeteiligung von 50,2 Prozent an der Hannover Rück. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer verdiente im dritten Quartal knapp 341 Millionen Euro. Gut die Hälfte davon - rund 171 Millionen Euro - landete im Nettogewinn von Talanx, der sich auf insgesamt 265 Millionen Euro belief.

Das spiegelt sich auch beim Börsenwert. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 10,7 Milliarden Euro ist der Talanx-Konzern nur wenig mehr wert als seine gut 50-prozentige Beteiligung an der Hannover Rück, die beim derzeitigen Aktienkurs auf knapp 10 Milliarden Euro kommt./stw/mne/jha/


Quelle: dpa-AFX
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