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SAP – Erster Kaufkandidat für 2019 (und länger…)

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nachdem die Börse in den letzten Wochen vor allem von Emotionen gesteuert wurde, gibt es jetzt dann endlich mal wieder Fakten. Mit SAP legt morgen der erste Dax-Konzern seinen Bericht zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres vor und wird damit auch erste Anhaltspunkte liefern, ob es bei dem zuletzt ins Stocken geratenen Gewinntrend der großen deutschen Unternehmen wieder Aussicht auf Besserung gibt.

Denn für den Dax im Ganzen gehen Analysten für 2018 mittlerweile nur noch von einer „schwarzen Null“ aus, bevor es dann aber wieder nach oben gehen soll. Dies zumindest lässt sich aus den aktuellen Prognosen der DZ Bank zum erwarteten Ertragswachstum im Dax ablesen. Nach einem Plus von 12,6 Prozent im vergangenen Jahr, sollen die Erträge in 2018 nur um 0,1% ansteigen. Im kommenden Jahr sollen es aber wieder 11,8 Prozent werden. Dies wiederum würde dafür sprechen, sich langsam aber sicher wieder am Markt zu positionieren. Und SAP könnte dabei eine der Zieladressen für Neuanlagen sein.

Für das abgelaufene Quartal erwarten Analysten im Schnitt einen Gewinnanstieg (beim operativen Ergebnis) von 10% im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres. Für das Gesamtjahr sehen die Erwartungen etwas verhaltener aus. Das operative Ergebnis soll da um 7% auf 7,25 Mrd. Euro ansteigen, wobei das Ergebnis NACH Steuern aber unter dem des Vorjahres bleiben soll (5,2 nach 5,36 Mrd. Euro). Damit würde sich SAP dem Trend zum „Brems-Jahr 2018“ anschließen.

Für die Jahre 2019 und folgende sehen die Prognosen dann aber wieder deutlich zuversichtlicher aus. Die durchschnittlichen Schätzungen sehen für das kommende Jahr einen Umsatzanstieg von 8,4% auf 26,6 Mrd. Euro vor. Der operative Gewinn soll um 10,5% steigen und über die Marke von 8 Mrd. Euro springen. Beim Nachsteuerergebnis und beim Gewinn je Aktie wird ein Sprung von mehr als 12 Prozent erwartet (auf 5,82 Mill. bzw. 4,89 Euro je Aktie), womit das Dax-Schwergewicht ziemlich exakt auf dem Niveau der Gesamt-Index-Prognose liegen würde.   

Dazu passen die überwiegend positiven Anlagevoten. Thomson-Reuters ermittelt bei 35 Analystenurteilen immerhin 24 Kaufempfehlungen, bei lediglich 4 negativen Einstufungen. Wichtige Signale für die künftige Kursentwicklung dürften neben den Gesamtzahlen einige nachgelagerte Kennzahlen geben. So erhoffen sich die Analysen, dass die operative Marge schon im dritten Quartal wieder über die 30-Prozent-Marke ansteigt. Dies war früher bei SAP quasi Standard, war zuletzt aber wegen hoher Investitionen in das Cloud-Geschäft nicht mehr (ganz) erreicht worden. Dazu beitragen muss eben jenes Cloud-Geschäft bei dem die Q3-Schätzungen ein Plus von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sehen wollen. Alles was darunter liegt, könnte für Verstimmung sorgen.

Dabei gibt es für Geschäftszahlen und Aktienkurs durchaus Luft nach oben. Denn die oben genannten durchschnittlichen Schätzungen liegen (noch) unter den Prognosen von SAP selbst! Dabei hatte das Unternehmen die Zielwerte nach den beiden vergangenen Quartalen jeweils weiter angehoben und steht damit bislang klar gegen den allgemeinen Negativ-Trend, der zuletzt eher Abwärtskorrekturen beschert hat.

Kurzum: Bei SAP könnte was gehen, wobei dreierlei Anlagestrategien denkbar sind. Wer langfristig denkt, für den dürfte die Aktie selbst das passende Instrument sein. Bei mittelfristiger und sicherheitsorientierter Denke kommt zum Beispiel ein Bonuszertifikat in Betracht, bei dem bis Ende kommenden Jahres auch ohne nennenswerte Kursgewinne eine Rendite von 12,7% p.a. erzielt wird – solange die SAP-Aktie nie unter 82 Euro abstürzt. Knackpunkt ist hierbei aber, dass es auch keinesfalls mehr als die 12,7% p.a. zu verdienen gibt, weil die Maximalrückzahlung des Zertifikats auf 112 Euro begrenzt ist (TR30DQ).

Die dritte eher kurzfristige Option wäre ein mäßig-aggressiver Long-Turbo mit einem Hebel von 5,5 (SE9VCU). Die KO-Marke sitzt aktuell knapp unter 80 Euro. Anders als bei dem Bonuszertifikat ist das Geld hier aber sofort vollständig verloren, wenn die Aktie darunter abstürzen sollte. Um daraus in der Gesamtbetrachtung trotzdem eine „defensive“ Strategie zu zaubern, kann natürlich auch das Anlagekapital um 4/5 reduziert werden. Denn durch den fünffachen Hebel würden etwaige Gewinne absolut dann ja trotzdem ähnlich hoch ausfallen wie mit einem Voll-Investment in der Aktie…

Ralf Andreß

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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