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SAP-Chef: Verzichten auf kurzfristigen Margenfokus - Aktie stürzt ab

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 2 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
WALLDORF (dpa-AFX) - SAP-Chef +0,41% Christian Klein hat seinen Strategieschwenk hin zu mehr Wachstumsinvestitionen als notwendigen Schritt verteidigt. "Ich opfere den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge", sagte der Vorstandschef des Dax-Konzerns am Montag in einer Telefonkonferenz. Die Kunden fragten verstärkt Software aus der Cloud zur Nutzung über das Internet nach, insofern wäre das Beibehalten der alten Mittelfristziele mit dem Fokus auf die eigene Profitabilität gegen deren Wünsche gewesen, sagte der 40-Jährige. Finanzchef Luka Mucic ergänze, das Management steuere das Unternehmen nicht nach der operativen Marge. "Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben", sagte der Manager.

SAP will mit Investitionen in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages in den kommenden beiden Jahren noch stärker auf das Wachstum mit Software über das Internet setzen. Nun sollen vor allem bestehende Kunden der SAP-Kernsoftware zur Unternehmenssteuerung hin zu Cloudangeboten bewegt werden. Der geplant schnellere Umstieg von Kunden auf solche Programme wird das bisher in Aussicht gestellte Wachstum der bereinigten operativen Marge (bereinigtes Ebit) auf rund 34 Prozent bis 2023 voraussichtlich deutlich hemmen, wie SAP bereits am Sonntagabend mitgeteilt hatte. Das Ziel hatte noch Kleins Vorgänger Bill McDermott ausgegeben, nachdem er ebenfalls lange das Wachstum als oberstes Ziel favorisiert hatte.

Die Aktie des wertvollsten deutschen Unternehmens verlor vorbörslich auf der Handelsplattform Tradegate kurz nach acht Uhr rund 14 Prozent. Das Paradies sei aufgeschoben worden, schrieb UBS-Analyst Michael Briest in einer ersten Reaktion. Geduld sei jetzt gefragt. Die Markterwartungen für das operative Ergebnis 2023 dürften um rund 20 Prozent fallen. JPMorgan-Expertin Stacy Pollard strich ihre Kaufempfehlung für die Aktie und senkte das Kursziel von 160 auf 120 Euro. Auch wenn sie mit Verschiebungen bei den mittelfristigen Ergebniszielen gerechnet habe, seien die neuen Ambitionen doch um einiges schwächer als von ihr gedacht.

Cloudverträge sind erst mit längerer Laufzeit so lukrativ wie Softwarelizenzen gegen hohe Einmalbeträge. SAP hatte mit Beginn des vergangenen Jahrzehnts vor allem über milliardenschwere Zukäufe das eigene Cloudangebot gestärkt, in den vergangenen Jahren dann aber auch die eigenen Kernprogramme als Cloudversion angeboten. "Wir glauben, dass uns die Investitionen in die Lage versetzen, beim Umsatz künftig stärker zu wachsen, wenn die Investitionsphase vorbei ist", sagte Mucic./men/zb/jha/


Quelle: dpa-AFX
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