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Seitwärts- und Inline-Optionsscheine: Was sind die Unterschiede und wo liegen die Chancen?

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Wie gestern bereits berichtet, wurden die Anbieter von exotischen Optionsscheinen diesen Sommer extrem gefordert. Das - letztlich nur temporäre – Vertriebsverbot von Inline- und Stay-Optionsscheinen an Privatanleger führte plötzlich zu einer Lücke in der Produktpalette. Besonders bitter dürfte das für die Emittenten gewesen sein, die sich in dieser Nische besonders stark ausgebreitet haben. Dazu zählt ohne Zweifel die Société Générale, die wahrscheinlich auch deshalb schnell nach alternativen Lösungen gesucht hat. Als Ergebnis wurde Ende Juli mit den Seitwärts-Optionsscheinen eine „neue, innovative Derivate-Produktkategorie“ eingeführt. Mit diesen Scheinen konnten und können Anleger weiterhin auf Seitwärtsbewegungen an der Börse spekulieren. Als Basiswert stehen momentan der Dax sowie ausgewählte Aktien aus diesem Index zur Verfügung.

 

Die Funktionsweise ist etwas komplexer als bei den klassischen, wirklich einfach zu verstehenden Inlinern. Bei denen gibt es grundsätzlich nur zwei Auszahlungsoptionen. Wenn der Basiswert während der Laufzeit dauerhaft zwischen den beiden Knock-out-Barrieren notiert, wird der Schein am Ende zum Fixbetrag von 10 Euro zurückgezahlt. Wird eine dieser beiden Marken vorher verletzt, verfällt der Schein automatisch wertlos. Als Sondervariante gibt es dann noch die End-Inline-Optionsscheine, bei denen die Barrieren nur am finalen Bewertungstag „scharf geschaltet“ sind. Für die Höhe der Rückzahlung (10 Euro oder nichts) ist daher ausschließlich der Kurs des Basiswertes an diesem einen Tag entscheidend. Was während der Laufzeit passiert, ist mit Blick auf die Rückzahlung ohne jede Bedeutung.

 

Die neuen Seitwärts-Optionsscheine kombinieren diese beiden Ansätze. Den fixen Rückzahlungsbetrag von 10 Euro gibt es – wie bei den End-Inlinern – immer dann, wenn der Kurs des Basiswerts am finalen Bewertungstag den Kurskorridor nicht berührt oder verlässt. Die beiden dabei relevanten Marken werden hier „obere und untere Maximalbetragsschwelle“ genannt. Notiert der Basiswert am Ende außerhalb des Korridors, verfällt der Schein aber nicht automatisch wertlos. Das ist nur dann der Fall, wenn eine der zusätzlich eingebauten Knock-out-Schwellen verletzt wurde. Die allerdings sind nicht nur am Ende, sondern während der gesamten Laufzeit aktiviert. So kann es hier – anders als bei den End-Inlinern – also auch schon vorher zum Totalverlust kommen.

 

Bei den Angaben zur Berechnung des Auszahlungsbetrags im dadurch möglichen dritten Szenario (Knock-out-Marken nie verletzt, Schlusskurs aber außerhalb des Korridors) werden die meisten Anleger vermutlich die weiße Fahne hissen. Der errechnet sich „proportional zur Distanz von der jeweiligen KO-Schwelle“. Klar wird das wie so oft erst an einem konkreten Beispiel. Nehmen wir einen Seitwärts-Optionsschein auf den Dax mit einer Laufzeit bis kurz vor Weihnachten und einem Korridor von 11000 bis 14000 Punkten. Die Knock-out-Marken sind hier bei 10750 und 14250 Punkten platziert, also mit jeweils 250 Punkten Abstand zum Korridor.

 

Für den Fall, dass vorher kein Knock-out-Ereignis gegeben hat, bedeutet das am Ende Folgendes: Liegt der Index am finalen Bewertungstag innerhalb des Korridors, gibt es 10 Euro. Ein Stand von 10875 oder 14125 Punkten würde bedeuten, dass der Dax 125 Punkte unter/über der jeweiligen K.o.-Marke notiert. Das sind genau 50% der o.a. 250 Punkte. Dementsprechend läge der Rückzahlungsbetrag hier bei 5 Euro (50 Prozent des Maximalbetrags von 10 Euro). Je näher der Dax an die Knock-out-Marken heranrückt, desto niedriger wird die Auszahlung. Bei 10800 oder 14200 Punkten beträgt der Abstand zum Knock-out nur noch 50 Punkte. Das sind 20 Prozent von 250 Punkten, was eine Auszahlung von nur noch 2 Euro zur Folge hat (WKN: ST34GQ).

 

Ein Vergleich mit klassischen Inline-Optionsscheinen ist aufgrund der unterschiedlichen Funktionsweise nicht ganz einfach. Es fällt allerdings auf, dass zum Beispiel ein Inline-Optionsschein der HypoVereinsbank trotz eines deutlich breiteren Korridors von 10600 bis 14400 Punkten (WKN: HW4K0T) bei einem aktuellen Kurs von 8,90 Euro ähnliche Renditechancen bietet wie der bei 8,70 Euro notierende Seitwärts-Optionsschein. Der Vorteil der neuen Scheine, dass auch außerhalb des Korridors noch eine Rückzahlung erfolgen kann, ist in diesem Fall hinfällig. Schließlich erlaubt der Korridor bei dem klassischen Inliner sogar noch stärkere Ausschläge als dies beim Seitwärts-Optionsschein (durch die Knock-out-Marken bei 10750 und 14250 Punkten) möglich ist. Damit würden in jedem „Teilbetrag-Rückzahlungs-Szenario“ des Seitwärts-Optionsscheins beim klassischen Inliner immer die vollen 10 Euro ausgezahlt werden. Einen erneuten Vergleich werden wir starten, sobald die Inline-Optionsscheinen auch wieder für Privatanleger angeboten werden und mehrere Emittenten am Start sind.

 

Thomas Koch

 

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