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Sentiment

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Gefühle und Stimmungen sind an der Börse wahrzunehmen, aber nicht korrekt zu messen. Das ist die augenblickliche Situation nach den ersten zwei Wochen des neuen Börsenjahres. Das Jahresende 2020 wurde von umfangreicher Euphorie begleitet, worin jede Menge Hoffnungen enthalten waren, aber keine exakten Belege. Das neue Jahr begann bereits mit etwas kritischen Einschätzungen und einem schwachen Start.

Der Verlauf der gesamten Pandemie lässt sich zurzeit nicht einordnen. Mit jeder Woche weiterer Lockdown-Maßnahmen steht und fällt das Resultat in der Ökonomie. Niemand kann darüber ein endgültiges Urteil abgeben. Nur die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass mit den neuen Maßnahmen noch bis März eine gewisse Kontrolle erreicht werden kann. Bis dahin bleibt der Sektor Gastronomie, Einzelhandel und Verkehr in der Pandemie stecken. Ob die Industrie ihre bisherige Aufholjagd beibehalten kann, ist ebenfalls umstritten. Darin steckt die gefühlte Unsicherheit.

Die Berichtssaison wird der wichtigste Test dafür sein, wie die Unternehmen über das Krisenjahr hinweggekommen sind und mit welchen Zielen sie ins neue Jahr gehen. In der Regel mit einem Ausblick bis 2022. Darauf wird es ankommen. Nach Umfragen kündigen rd. 80 % aller Firmenchefs deutliche strategische Änderungen an, sowohl auf der Produktseite wie im Sektor der Erweiterungen von Geschäftsfeldern inklusive Firmenkäufe etc. Dieser Ausblick wird sehr wahrscheinlich positiv verlaufen.

Die Bewertungsansätze für die Qualitätsaktien liegen im Mittelfeld eines KGVs um rd. 13 bis 14 für DAX und MDAX als Schnitt. Ein üppiger Spielraum für weitere Potenziale lässt sich daraus nicht ohne Weiteres herstellen. Zumindest gilt: Die bisherigen Kurse sind vertretbar. Die Potenziale bleiben offen.

Der Zins wird zur kritischen Größe. Wie immer greifen die Märkte den politischen Entscheidungen vor. Das gilt insbesondere für die Notenbanken, sowohl Fed wie EZB, deren Politik am kurzen Ende greifbar ist, aber am langen Ende nur sehr indirekt funktioniert. Die Renditen für Treasury Bonds zogen bereits erkennbar an. Der Bund Future als wichtigster Indikator für uns unterschritt vor drei Tagen die technische Hürde nach unten bei rd. 177 %. Zu unterstellen ist, dass die EZB umfangreich versuchen wird, steigende Zinsen zu verhindern. Ob das gelingt, lasse ich ausdrücklich offen. Bisher ist es noch nie einer Notenbank gelungen, einen solchen Trend nachhaltig aufzuhalten oder gar zu verhindern. Im besten Fall ist ein Bremseffekt denkbar. Jedenfalls: Anziehende Zinsen werden eine Belastung für alle Märkte werden, sowohl für Anleihen wie Aktien. Gibt es ein Vorbild?

1999 stiegen die amerikanischen Bondzinsen von rund 4,2 bis 6,4 % im Jahresverlauf. Die deutschen Zinsen in Bundesanleihen legten von 3,5 bis 5,5 % zu, jeweils im Dezember. Vier Wochen später begann die Korrektur an den Aktienmärkten sowohl in New York als auch in Frankfurt. Das ergab keinen Crash, sondern einen schrittweisen Rückbau der zuvor überzogenen Kurse auf ein normales Niveau. Um diese Frage geht es jetzt.

Einziger Unterschied gegenüber der Periode 1999/2000: Die Aktienmärkte reagierten auf die zitierten Zinsverteuerungen, nachdem dieser Trend erledigt war. Diesmal beginnt er erst, aber nach einer Periode, die man auch als Vergewaltigung der Märkte bezeichnen kann. Nämlich mit kunstvollen Manipulationen über die bekannten Bondkäufe mit viel Geld als Doping-Spritze für die Wirtschaft. Doch jede weitere Doping-Spritze verliert ihre Wirkung auf das jeweilige Subjekt. Es ist also zu unterstellen, dass ohne Doping die Zinsen sowohl in den USA als auch in Europa deutlich höher gestiegen wären, als sie bisher krampfhaft am Boden gehalten worden sind. Darin liegt die schwierige Beurteilung der tatsächlichen Konstellation in der internationalen Zinsszene. Ergo:

In dieser Unsicherheitsphase zwischen Sentiment und tatsächlichen Fakten lautet die Prognose für jeden Börsenkenner: Cool und cash!

Im Bernecker.tv hatten wir am Mittwoch diesen Zusammenhang deutlicher beschrieben. Dazu sind einige Worte mehr nötig. Insbesondere die Beurteilung der großen Techs, deren Korrektur nun begonnen hat, aber wo niemand weiß, wie weit es geht. Ich hatte das Gesamtrisiko mit rd. 2 bis 2,4 Bio. Dollar beschrieben und in dem TV-Interview begründet. Mein Rat: Schauen Sie sich das an.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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