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SJB FondsEcho. JO Hambro UK Growth Fund.

| Quelle: Gerd Bennewirtz

Brexit. Unumkehrbar.

Der Brexit ist beschlossene Sache, doch bei den Austrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien zeichnen sich keinerlei Erfolge ab – im Gegenteil. Der europäische Chef-Unterhändler Michel Barnier ließ in dieser Woche verlauten, dass die Verhandlungen weit entfernt davon seien, die benötigten Fortschritte zu erzielen.

Die bereits dritte Verhandlungsrunde blieb ohne echte Ergebnisse, da es insbesondere in der Frage, welche Zahlungsverpflichtungen Großbritannien in Zusammenhang mit dem EU-Austritt anerkennt, keine Annäherung gab. Der schleppende Verlauf der Brexit-Verhandlungen setzt auch dem britischen Pfund zu, das gegenüber dem US-Dollar und dem Euro unter neuen Abwertungsdruck geriet: GBP/USD rutschte in Richtung der 1,28er-Marke ab, während EUR/GBP ein neues Jahreshoch bei 0,9306 markierte. Ist dieses Umfeld gesteigerter Unsicherheit über die Ausgestaltung des Brexit und einer schwächelnden britischen Währung der richtige Zeitpunkt für Investoren, über ein Engagement in britischen Aktien nachzudenken? Für Antizykliker schon, denn oft wird übersehen, dass es auf Seiten der britischen Unternehmen Gewinner wie Verlierer im Kontext des Brexit geben wird. Eine schwächere Währung vermag gerade exportorientierte Unternehmen zu begünstigen, auch Technologie- und Dienstleistungsfirmen müssen nicht zwangsläufig unter dem EU-Austritt leiden. Notwendig ist jedoch in jedem Fall ein erfahrenes FondsManagement, das die britischen Unternehmen daraufhin analysiert, ob sie negative oder positive Konsequenzen durch den Brexit erfahren werden.

Ein solches finden FondsInvestoren zweifelsohne bei dem JO Hambro UK Growth Fund B GBP (WKN A0BKXQ, ISIN IE0031005543), der im November 2001 aufgelegt wurde und seitdem von Mark Costar als leitendem FondsManager verwaltet wird. Costar ist seit 16 Jahren für JO Hambro Capital Management tätig, einen Londoner Vermögensverwalter, der erfolgreich ein relativ konzentriertes Portfolio von Long-only Aktienfonds anbietet: 13 von 14 Fonds befinden sich unter den besten 25 Prozent ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe beim FondsAnalysehaus Lipper, womit die Investment-Boutique mit ihrem verwalteten Vermögen von 32,9 Milliarden Euro zwar nicht zu den größten, aber den erfolgreichsten FondsGesellschaften gehört. Der JO Hambro UK Growth Fund verfügt über ein FondsVolumen von umgerechnet 392,4 Millionen Euro und nutzt als Benchmark den FTSE All-Share TR Index. Seit FondsAuflage hat der Großbritannien-Fonds eine Wertentwicklung von +291,94 Prozent in der FondsWährung GBP aufzuweisen und kann damit eine hohe Mehrrendite zum FTSE-Referenzindex erzielen, der es nur auf ein Plus von +179,83 Prozent bringt. Einer annualisierten Rendite von +9,06 Prozent beim JO Hambro-Fonds steht eine Rendite p.a. von +6,75 Prozent in GBP bei der Benchmark gegenüber. Wie stellt sich die Anlagestrategie von FondsManagerCostar im Detail dar?

FondsStrategie. Stockpicking. Praktiziert.

Der JO Hambro UK Growth Fund hat sich langfristiges Kapitalwachstum zum Ziel gesetzt, das höher als die Wertsteigerung des FTSE All-Share Total Return Index ausfallen sollte. Das geographische Anlageuniversum des Fonds umfasst Großbritannien, wobei FondsManager Mark Costar in alle Marktkapitalisierungssegmente investieren kann, jedoch kleinere Werte bevorzugt. Costar gehört zu den ausgewiesenen Stockpicking-Experten von JO Hambro und wendet einen disziplinierten Prozess der Titelselektion an: Im Rahmen eines Bottom-up-Ansatzes werden alle Faktoren genau analysiert, die den Aktienkurs, das Unternehmen selbst, seine Produkte, Absatzmärkte und seine Finanzlage beeinflussen. Costars besonderes Interesse gilt fehlbewerteten beziehungsweise unentdeckten Wachstumswerten, die typischerweise in eine von drei Kategorien fallen: klare, unangefochtene Marktführer, disruptive Erneuerer oder Nutznießer von Entwicklungen auf der Angebotsseite. Der Marktexperte bevorzugt Titel mit großer Sicherheitsmarge und zugleich erheblichem Kurspotenzial. Dabei favorisiert er gut geführte Unternehmen mit ausgewiesener Erfolgsbilanz und klarer Strategie. Sein Portfolio besteht typischerweise aus 50 bis 60 Aktien von Unternehmen, die im gesamten Konjunkturzyklus wachsen können, und zwar unabhängig vom jeweiligen wirtschaftlichen Umfeld. Die Stockpicking-Strategie des erfahrenen Großbritannien-Kenners wird durch eine strenge Verkaufsdisziplin abgerundet: Die schonungslose Anwendung strikter Verkaufskriterien sei ähnlich wichtig für die gute langfristige Erfolgsbilanz wie die Entdeckung attraktiv bewerteter Wachstumstitel, betont Costar selbst. Auch Unternehmensbesuche spielen für ihn eine entscheidende Rolle im Investmentprozess. Wie ist das FondsPortfolio im Einzelnen zusammengesetzt?

FondsPortfolio. Finanztitel. Favorisiert.

Bei der Branchenallokation des JO Hambro UK Growth Fund liegen Finanzinstitute mit 24,6 Prozent Portfolioanteil auf dem ersten Platz. Im Vergleich zur Benchmark FTSE All-Share TR Index erfahren diese eine Untergewichtung von 2,5 Prozent. Stärker als im FTSE-Referenzindex sind die nächsten zwei Sektoren des Großbritannien-Fonds gewichtet: Konsumdienstleister decken 17,1 Prozent des FondsVolumens ab (Übergewichtung von 6,0 Prozent), Technologiewerte repräsentieren 14,9 Prozent des FondsVermögens (14,0 Prozent Übergewichtung). Den vierten Platz in der Branchenstruktur des JO Hambro-Fonds nehmen Industrietitel mit 12,9 Prozent ein, Öl- und Gasaktien besitzen einen Anteil von 12,6 Prozent im Portfolio. Eine durchschnittliche Gewichtung innerhalb der Branchenaufteilung erfahren Grundstoffproduzenten (8,3 Prozent), Gesundheitsaktien sind mit 5,5 Prozent im Fonds vertreten. Konsumgütertitel (1,7 Prozent) dienen als Beimischung und sind gegenüber der Benchmark mit -14,1 Prozent klar unterrepräsentiert. Per Ende Juli verfügt der Fonds über eine Liquiditätsquote von 2,5 Prozent. Unter den Top 10 liegen Finanzwerte wie Standard Chartered und das Consulting-Unternehmen First Derivatives ganz vorn; zudem favorisiert FondsManagerCostar den Spieleanbieter Rank Group. Aus dem Rohstoffsektor sind BP und Rio Tinto unter den Top 10 vertreten, ausgewählte Technologietitel wie die NCC Group oder der Informationsdienstleister Experian runden die Auswahl der am stärksten gewichteten Einzeltitel ab.

FondsVergleichsindex. Korrelation. Niedrig.

Für unsere SJB FondsAnalyse haben wir den JO Hambro UK Growth Fund dem FTSE All-Share TR Index gegenübergestellt und damit der vom Fonds selbst verwendeten Benchmark. Das Ergebnis der Korrelationsanalyse zeigt, dass FondsManagerCostar eine sehr eigenständige Sektorengewichtung verfolgt. Mit 0,45 liegt die Korrelation über drei Jahre auf einem niedrigen Niveau, für ein Jahr geht sie auf 0,04 zurück. Dass das FondsPortfolio und der breite britische Aktienmarkt oft ihre eigenen Wege gehen, beweist auch der Blick auf die Kennzahl R². Diese beträgt für drei Jahre 0,20, über ein Jahr nimmt sie einen Wert von 0,01 an. Damit haben sich mittelfristig 80 Prozent der FondsEntwicklung indexunabhängig vollzogen, die Stockpicking-Strategie von Anlageexperte Costar schlägt sich in einer individuellen Branchen- und Titelallokation des Portfolios nieder. Dass sich der Fonds recht marktunabhängig bewegt, zeigt auch der Tracking Error: Dieser liegt über drei Jahre bei 13,89 Prozent, auf Jahressicht legt die Spurabweichung leicht auf 13,95 Prozent zu. Welche Schwankungsneigung hat der JO Hambro-Fonds unter diesen Voraussetzungen aufzuweisen?

FondsRisiko. Beta. Gedämpft.

Der JO Hambro UK Growth Fund weist über drei Jahre eine Volatilität von 15,57 Prozent auf, die oberhalb der 9,34 Prozent liegt, die der FTSE All-Share TR Index im selben Zeitraum zu verzeichnen hat. Über ein Jahr fällt die Schwankungsneigung des aktiv gemanagten Aktienfonds ebenfalls höher als diejenige des passiven SJB-Referenzindex aus: Hier beträgt die „Vola“ des Fonds 11,74 Prozent, während die Benchmark eine mittlere Schwankungsbreite von 8,04 Prozent aufweist. Damit besitzt der JO Hambro-Fonds durchweg die höheren Volatilitätswerte als der FTSE-Referenzindex und hat das ambitioniertere Risikoprofil aufzuweisen. Zu welchen Ergebnissen kommt die Beta-Analyse?

Das von der SJB ermittelte Beta des auf Wachstumswerte fokussierten Großbritannien-Fonds liegt über drei Jahre bei 0,77. Für ein Jahr nimmt die Risikokennziffer einen Wert von 0,07 an. Das in beiden Zeithorizonten unter dem Marktrisikofixwert von 1,00 befindliche Beta zeichnet ein positives Bild für den JO Hambro-Fonds, der die Kursbewegungen des breiten Aktienmarktes nur unterdurchschnittlich mitmacht. Diese Diagnose wird durch den rollierenden Zwölfmonatsvergleich der Beta-Werte über drei Jahre bestätigt: In 21 der letzten 36 betrachteten Einzelzeiträume war der Fonds geringeren Wertschwankungen als seine Benchmark unterworfen und verzeichnete dabei Beta-Werte von -0,63 im Tief. Lediglich in 15 Einzelperioden hatte das Investmentprodukt mit einem Beta von 2,16 in der Spitze ein über dem Marktniveau befindliches Risiko zu verzeichnen. Als Endresultat der Beta-Analyse ist damit ein vergleichsweise günstiges Risikoprofil zu konstatieren – FondsManagerCostar kann sich mehrheitlich von den Marktschwankungen emanzipieren. Wie fallen die Performancewerte des Großbritannien-Fonds aus?

FondsRendite. Alpha. Erzielt.

Per 29. August 2017 hat der JO Hambro UK Growth Fund über drei Jahre eine kumulierte Wertentwicklung von -5,84 Prozent in Euro aufzuweisen - dies entspricht einer Rendite von -1,98 Prozent p.a. Aufgrund der für das britische Pfund ungünstigen Währungsentwicklung verkehrt sich die in GBP positive FondsPerformance auf Eurobasis ins Minus. Besser sieht es bei der Benchmark FTSE All-Share TR Index aus: Der von der SJB gewählte Vergleichsindex verzeichnet über drei Jahre eine Euro-Gesamtrendite von +23,95 Prozent bzw. ein Ergebnis von +7,41 Prozent p.a. Beim Wechsel auf die Jahresbetrachtung gelingt es JO Hambro-FondsManagerCostar, mit seiner Performance in den positiven Bereich vorzudringen: Mit einer Wertentwicklung von +6,01 Prozent fallen die Kursgewinne trotzdem geringer als diejenigen der Benchmark aus (FTSE All-Share TR Index: +12,62 Prozent).

Im Einklang mit diesen Zahlen befindet sich das Ergebnis der Alpha-Analyse: Über drei Jahre liegt die Renditekennziffer des JO Hambro-Fonds bei -0,55, auf Jahressicht kann sich die Kennzahl auf 0,41 verbessern. Der rollierende Zwölfmonatsvergleich der Alpha-Werte über drei Jahre verbessert das Gesamtbild für den Großbritannien-Fonds: Nun zeigt sich, dass die Phasen der Mehrrendite des Fonds in der Überzahl sind und Marktstratege Costar mit seiner individuellen Titelauswahl regelmäßig eine Outperformance für seine Anleger erwirtschaften konnte. In 22 der letzten 36 Perioden gab es ein positives Alpha bis 2,25 in der Spitze zu verzeichnen, 14 Mal fiel die Kennzahl negativ aus und erreichte Werte bis zutiefst -3,84. Das Rendite-Risiko-Profil des Fonds stellt sich somit überzeugend dar, da mit einem vergleichsweise moderaten Beta in der Mehrheit der Zeitintervalle ein Renditevorsprung zum Gesamtmarkt erzielt wird.

SJB Fazit. JO Hambro UK Growth Fund.

Angesichts der negativen Schlagzeilen rund um die Brexit-Verhandlungen und des Kursverfalls des britischen Pfunds dürften nur wenige Investoren darüber nachdenken, einen Großbritannien-Fonds neu ins Depot aufzunehmen. Trotzdem kann der JO Hambro UK Growth Fund überzeugen: Mit seinem Portfolio aus fehlbewerteten und unentdeckten Wachstumswerten besitzt FondsManagerCostar eine ausgezeichnete langfristige Erfolgsbilanz, im Rahmen seiner Stockpicking-Strategie wählt er zielsicher Titel mit erheblichem Kurspotenzial aus. Ebben die Währungsturbulenzen wieder ab, dürfte der Großbritannien-Fonds sein antizyklisches Aufholpotenzial unter Beweis stellen.

Erläuterungen

Alpha

Ist die Kennziffer für die Renditechancen. Das Alpha beziffert jenen Teil der FondsRendite, der auf aktive Titelauswahl zurückzuführen ist. Je höher das Alpha, umso besser hat sich der Fonds im Verhältnis zum Markt entwickelt. Beispiel: Ein Alpha von 5,0 zeigt an, dass der Fonds im Vergleich zu seiner Benchmark in den gewählten Betrachtungszeiträumen einen durchschnittlichen Mehrertrag von 5,0 Prozent erzielt hat. Ein positives Alpha deutet darauf hin, dass durch aktives Portfoliomanagement eine Mehrrendite für den Investor erwirtschaftet wurde. Insofern ist die Kennziffer ein Leistungsindikator für erfolgreiches FondsManagement. Gerade im Wettbewerb mit passiven ETFs ist das Alpha das Aushängeschild für Fonds.

Beta

Gilt als Risikomaß. Das Beta ist ein Indikator dafür, wie stark die Erträge eines Fonds tendenziell auf Wertschwankungen am Markt reagieren. Die Kennzahl bemisst die relative Volatilität eines Investmentfonds in Bezug auf den Gesamtmarkt. Anders ausgedrückt: Beta ist das Resultat eines Risikovergleichs zwischen Fonds und Benchmark. Deshalb wird bei der Investmentanalyse einem Index als Repräsentant des Marktes der feste Wert Beta = 1 zugesprochen. Hat ein Fonds ein Beta von 1, ist sein Risiko identisch mit demjenigen des Index. Ein Beta > 1 bedeutet, das FondsRisiko ist überproportional, seine Wertschwankungen sind ausgeprägter. Ein unter 1 liegendes Beta lässt auf geringere Kursschwankungen eines Fonds schließen, er ist risikoärmer. Ein Beispiel: Weicht die Volatilität des Fonds um 15 Prozent nach unten ab, ist sein Beta 0,85, weicht sie 15 Prozent nach oben ab, ist es 1,15. Ein hohes Beta bedeutet potentiell höhere Erträge, aber auch ein gesteigertes Risiko. Ein niedriges Beta zeigt an, dass der Fonds potentiell geringere Erträge erzielt, dabei aber auch ein niedrigeres Risiko eingeht. Ein negatives Beta bedeutet, dass sich der Fonds gegenläufig zur Marktentwicklung verhält.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine klassische Kennzahl zur Bewertung einer Aktie und misst die Dividende einer Aktie im Verhältnis zum Aktienkurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung. Sie wird in Prozent angegeben. Je höher der Wert, desto mehr Anteil an der Unternehmensleistung erhalten Aktionäre in Form der Dividende. Diese Erträge sind unabhängig von der Kursentwicklung an der Börse. Im Gegensatz zum Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV werden hier die Erträge als Maßstab für die Rendite genommen, die tatsächlich den Anteilseignern zugute kommen. Hohe Dividendenrenditen können die starke Ertragskraft eines Unternehmens anzeigen, umgekehrt aber auch problematisch sein, da die ausgeschütteten Beträge nicht für Investitionen zur Verfügung stehen.

Information Ratio

Die Information Ratio ist eine Kennziffer zur Beurteilung der Managementqualität eines Fonds. Sie wird errechnet, indem man die Überrendite (aktive Rendite) durch das aktive Risiko teilt. Insofern ist sie das Barometer für den risikobereinigten Ertrag. Die aktive Rendite wird hierbei mit Alpha gemessen, das aktive Risiko anhand des Tracking Errors. Die Kennzahl liefert eine Aussage, ob das eingegangene Risiko durch die erzielte Mehrrendite gerechtfertigt ist. Ist die Information Ratio positiv, ist dies der Fall. Je höher der Wert, desto besser ist das Management von Rendite und Risiko des untersuchten Fonds.

Korrelation

Die Korrelation ist die Kennziffer für die wechselseitige Abhängigkeit zweier Investments. Die Korrelationskennziffer gibt Richtung und Stärke des Zusammenhangs an und liegt dabei in einer Bandbreite zwischen 1,0 für Investitionen, deren Wertentwicklung absolut gleich verläuft, und -1,0 für Investments, deren Wertentwicklung sich genau entgegengesetzt darstellt. Bei einer Korrelation von 0,0 besteht keinerlei Übereinstimmung. Die Kennzahl macht eine Aussage zur strukturellen Abhängigkeit der Wertentwicklung eines Fonds von seinem Vergleichsindex. Weisen Fonds und Index eine hohe Korrelation auf, werden sie auf dieselben Marktrisiken und -entwicklungen ähnlich reagieren. Die Korrelation sollte im Zusammenhang mit dem Beta-Faktor betrachtet werden und gibt dessen Güte an. Je höher die Korrelationskennziffer an 1 oder -1 heranreicht, desto größer ist die Aussagekraft des Beta-Faktors.

Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)

Das KBV ist eine Kennzahl für den Substanzwert eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Buchwert je Aktie teilt. Der Buchwert der Aktiengesellschaft ergibt sich durch den Abzug der Verbindlichkeiten von der Summe der Aktiva. Die Aussagekraft der Bücher kann je nach Branche variieren und ist bei Industriefirmen beispielsweise höher als im IT-Sektor. Der Buchwert der Aktie ist das Ergebnis der Division des Unternehmensbuchwerts durch die Anzahl der Aktien. Je niedriger der Wert ist, desto preiswerter ist die Aktie. Wenn der Aktienkurs dem Buchwert entspricht, wird die Aktie zu ihrem „fairen Wert“ gehandelt.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das KCV ist eine Kennzahl der Liquidität eines Unternehmens. Man erhält es, indem man den Aktienkurs durch den Cashflow je Aktie teilt. Der Cashflow eines Unternehmens bildet die wirklichen Zahlungsflüsse in einer bestimmten Zeitperiode ab. Sein Wert gibt das Volumen der im Unternehmen für Investitionen und das Begleichen von Verbindlichkeiten vorhandenen liquiden Mittel an. Mit dem KCV kann die Entwicklung der Ertragskraft einer Aktiengesellschaft bewertet werden. Dabei gilt eine Aktie als umso preiswerter, je niedriger ihr KCV ist.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV ist die Kennzahl der Ertragskraft eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie teilt. Hier gilt: Je niedriger die Kennzahl, desto preiswerter ist die Aktie. Ein niedriges KGV wird an der Börse als Einstiegssignal in die Aktie interpretiert. Sie gilt als unterbewertet und hat Aufwärtspotenzial. Liegt das KGV eines Titels hingegen über dem Marktdurchschnitt, kann dies als Ausstiegssignal gewertet werden. Die Aktie gilt als überbewertet, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kurs fällt, ist hoch. Im Falle korrigierter Gewinnerwartungen kann das KGV zu Fehlinterpretationen führen, da optisch niedrige Kennzahlen die Ertragssituation des Unternehmens nicht mehr richtig wiedergeben.

Die Kennzahl R² baut auf der Korrelation auf. Sie drückt den Prozentsatz der Bewegungen eines Fonds aus, die durch Bewegungen in seinem Referenzindex erklärt werden können. R² ist das Quadrat der Korrelation. Ein R² von 0,7 bedeutet, dass 70,0 Prozent der Entwicklung des Fonds das Ergebnis der Entwicklung des Referenzindex ist bzw. 30,0 Prozent auf die aktive Auswahl von Aktien zurückgeführt werden können. Je deutlicher die Zahl unterhalb von 1 liegt, umso unabhängiger ist der Ertrag des Fonds vom Referenzindex. R² wird genutzt, um die Aussagekraft von Beta zu bestimmen. Je höher das R², desto signifikanter das Beta, weil klar wird, wie sehr dieses auf aktivem FondsManagement basiert. R² hilft also, den Grad sowie die Qualität der FondsManageraktivität einzuordnen.

Sharpe Ratio

Die Sharpe Ratio ist ein Maß für das Gesamtrisiko eines Fonds, da sie die Rendite ins Verhältnis zum absoluten Risiko des Fonds setzt. Die nach dem Nobelpreisträger William Sharpe benannte Kennziffer misst die Überschussrendite eines Fonds pro Risikoeinheit. Dabei wird der Fonds mit dem risikolosen Geldmarkt konfrontiert. Liegt die Sharpe Ratio eines Fonds bei 0,40 und damit im positiven Bereich, ist dies ein Indiz dafür, dass die FondsInvestition rentabler ist als die Platzierung des Kapitals am Geldmarkt. Ein negativer Wert bedeutet: Der Fonds ist schlechter als der Geldmarkt. Zu beachten bei der Interpretation dieser Kennzahl ist, dass sich die Definition eines „risikolosen“ Zinses im Zuge der Finanzkrise massiv gewandelt hat. Streng genommen sind risikolose Investments gar nicht mehr existent.

Tracking Error

Der Tracking Error ist die Kennziffer für die Spurabweichung des Fonds vom Index. Sie misst, wie stark die Positionen und ihre Gewichtung im Portfolio des Fonds prozentual von denen des Index abweichen. Zur Berechnung wird die Standardabweichung der Differenzrendite zwischen dem Fonds und seiner Benchmark ermittelt. Insofern wird der Tracking Error auch als Indikator für aktives Risiko verstanden und dient neben Alpha als Grundlage für die Berechnung der Information Ratio. Je niedriger der Tracking Error, desto stärker orientiert sich der FondsManager am Vergleichsindex. Je höher der Wert ist, desto unabhängiger bewegt sich der FondsManager in seinem Markt.

Value-at-risk (VAR)

Der Begriff bezeichnet ein Risikomaß für die Wahrscheinlichkeit und den Umfang von Verlusten einer bestimmten Risikoposition (z. B. eines Portfolios von Wertpapieren) in einem gegebenen Zeithorizont. Ein VAR von 10 Mio. Euro bei einer Haltedauer von 1 Tag und einer als Konfidenzniveau bezeichneten Eintrittssicherheit von 97,5 Prozent bedeutet, dass der potenzielle Verlust der betrachteten Risikoposition von einem Tag auf den nächsten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5 Prozent den Betrag von 10 Mio. Euro nicht überschreiten wird. VAR wurde von J.P. Morgan entwickelt und ist heute ein Standardrisikomaß im Finanzsektor.

Autor:

Gerd Bennewirtz ist als geschäftsführender Gründungsgesellschafter der SJB FondsSkyline OHG 1989 Herausgeber speziell auf Privatinvestoren zugeschnittener Newsletter. Die wöchentlich erscheinenden Publikationen können gratis angefordert werden unter FondsEcho@sjb.de oder www.sjb.de.

Gerd Bennewirtz

Gerd Bennewirtz Gerd Wilhelm Bennewirtz, Jahrgang 1962 geboren in Mönchengladbach studierte an der RWTH Aachen Betriebs- wirtschaftslehre. 1989 gründete er mit Volker Schmidt-Jennrich die SJB FondsSkyline OHG 1989 mit Sitz im niederrheinischen Korschenbroich. Sein Schwerpunkt: Die in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen offenen Investmentfonds.

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