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SJB FondsEcho. Nestor Fernost.

| Quelle: Gerd Bennewirtz

Management. Gewechselt.

Beim Nestor Fernost ist es zu Beginn dieses Jahres zu einem FondsManagerwechsel gekommen: Die langfristig sehr erfolgreich agierende Anna Ho wird sich nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Finanzbranche neuen Aufgaben widmen und hat mit Wirkung zum 1. April die Geschäfte an Florian Weidinger übergeben.

Asienexperte Florian Weidinger ist Geschäftsführer und Gründer von Hansabay, einer seit 2011 bestehenden FondsManagementgesellschaft in Singapur, die mehrere internationale Investmentstrategien betreut. Weidinger, der vor Ort lebt und somit Augen und Ohren nah am asiatischen Marktgeschehen hat, erkennt in den Aktienmärkten des Fernen Ostens weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial: „Wir sehen, unabhängig vom Gesamtmarktumfeld, eine exzellente langfristige Anlagemöglichkeit vor allem in mittelständischen Unternehmen. Diese bedienen unter anderem die steigende Nachfrage nach mehr und immer höherwertigeren Nahrungsmitteln. Auch Konsumgüter wie Kühlschränke und Investitionsgüter rund um die Infrastruktur in den wachsenden Städten sind ein großes Thema“, erklärt Weidinger. Wichtig für die guten Zukunftsaussichten ist für ihn der noch geringe Urbanisierungsgrad in den dortigen Volkswirtschaften: Dieser liege in der Spitze in China bei rund 55 Prozent, in Indien bei lediglich rund 35 Prozent und in Südostasien bei rund 45 Prozent. Im Vergleich dazu seien Europa und die USA mit rund 80 Prozent bereits voll entwickelt.

Was will Florian Weidinger beim Management des Nestor Fernost Fonds B (WKN 972880, ISIN LU0054738967) künftig verändern, was soll beibehalten werden? Die Anlagestrategie mit ihrem thematischen Ansatz sowie dem Fokus auf kleinere Unternehmen bleibe grundsätzlich bestehen, erklärt Weidinger. Durch individuelle Anpassungen solle jedoch der China-Anteil im Nestor Fernost reduziert und das Portfolio stärker zu einem Regionenfonds umgebaut werden. Sein Hintergedanke: Auf diese Weise können Anleger künftig noch mehr von lukrativen Regionen in Asien profitieren, die erst am Anfang ihres Entwicklungspfads stehen. Der Nestor Fernost wurde im Januar 1994 aufgelegt, hat den Euro als FondsWährung und verfügt aktuell über ein Volumen von 20,4 Millionen Euro. Als Benchmark wird der MSCI Asia Pacific ex Japan verwendet. Über die letzten fünf Jahre konnte der Fonds eine Gesamtrendite von +76,63 Prozent auf EUR-Basis erwirtschaften, im laufenden Handelsjahr legte das fernöstliche Investmentprodukt um +9,17 Prozent zu. Wie FondsManager Weidinger berichtet, ist die Neuausrichtung auf ein breiteres regionales Spektrum mittlerweile abgeschlossen. Mehrere neue Unternehmen wurden ins Portfolio des Nestor Fernost aufgenommen, diverse alte Anlagen aufgelöst. Wie lautet die aktuelle Investmentstrategie im Detail?

FondsStrategie. Aktienauswahl. Thematisch.

Der Nestor FernostFondsstrebt die nachhaltige Wertsteigerung seiner Anlagen durch ein Investment in Aktien von Unternehmen mit Sitz oder Hauptbörsennotierung in Korea, Taiwan, China, Hongkong, Philippinen, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Indien, Australien und Neuseeland an. FondsManager Florian Weidinger setzt auf eine thematische Anlagestrategie unabhängig vom Gesamtmarktumfeld und investiert vor allem in Aktien mittelgroßer Unternehmen. Im Fokus stehen langfristige Anlagemöglichkeiten, die thematisch unter anderem dem Bereich der Konsum- und Investitionsgüter sowie dem Infrastruktursektor in den wachsenden Großstädten zuzuordnen sind. Der Asienexperte achtet dabei vor allem auf die Bewertung und die Corporate Governance der Unternehmen, die er auch persönlich besucht. Besondere Länderpräferenzen weist Weidinger nicht auf, der Fonds investiert ausgewogen je nach Marktlage über die gesamte Region mit besonderem Fokus auf die Schwellenländer. Das Rendite/Risiko-Profil ist langfristig ausgelegt, wobei Weidinger davon ausgeht, dass auch bei steigenden US-Zinsen die asiatischen Volkswirtschaften aufgrund ihrer Exportstärke eine robuste Entwicklung erfahren werden. Eine zunehmende Dynamik in dem asiatischen Anlagezyklus über mehrere Jahrzehnte und der positive Wachstumstrend in der Region sollten den dortigen Aktienmärkten auch in Zukunft weiter Auftrieb verleihen, so seine Auffassung. Wie ist das Portfolio im Einzelnen zusammengesetzt?

FondsPortfolio. Dienstleister. Gefragt.

In der Länderallokation des Nestor FernostFondsliegen in Hongkong gelistete chinesische Unternehmen mit 57,6 Prozent Anteil am FondsVermögen auf Platz eins. In den USA notierte China-Aktien machen 9,5 Prozent der FondsBestände aus. Auf dem dritten Platz der Länderaufteilung befindet sich Singapur mit 8,9 Prozent des FondsVolumens. Aktien aus den Philippinen besitzen einen Portfolioanteil von 6,0 Prozent, Dividendentitel aus Thailand sind mit 2,6 Prozent gewichtet. FondsBestände in Indonesien (3,7 Prozent) und Großbritannien (1,4 Prozent) ergänzen das Länderportfolio des Nestor-Produktes. Aktien aus Australien und Neuseeland, die laut FondsStatuten ebenfalls zum Anlageuniversum gehören, sucht man im Portfolio vergebens. Per Ende August ist die Liquiditätsquote des Fonds mit 10,4 Prozent hoch.

Bei der Sektorengewichtung des Nestor Fernostliegen Dienstleistungsunternehmen mit 15,1 Prozent des FondsVermögens auf dem ersten Platz. Mit 10,5 Prozent Anteil an der Gesamtallokation sind Firmen aus dem Finanzsektor ebenfalls stark im Portfolio vertreten. Überdurchschnittlich überzeugt ist FondsManager Weidinger auch von Immobilienunternehmen (7,2 Prozent) sowie dem IT-Sektor, der 6,7 Prozent des FondsVolumens einnimmt. Der Textilsektor bildet 6,6 Prozent des FondsVermögens ab, Groß- und Einzelhandelstitel sind mit 5,1 Prozent gewichtet. Als Beimischungen im Portfolio des Nestor-Fonds fungieren die Elektroindustrie (4,2 Prozent), Luftfrachtunternehmen (4,2 Prozent) sowie der Elektroniksektor (4,1 Prozent). Sonstige Branchen mit 25,9 Prozent runden die Portfoliostruktur ab. Größte Einzelposition des Investmentproduktes ist aktuell die Aktie der chinesischen Sunny Optical, gefolgt von dem in Guangdong ansässigen Immobilienentwickler Agile Group Holdings. Aus dem Technologiebereich ist der chinesische Suchmaschinenbetreiber Baidu vertreten, der Autoteile-Produzent Minth Group sowie das chinesische Logistikunternehmen Sinotrans runden die Toppositionen des Fernost-Fonds ab.

FondsVergleichsindex. Korrelation. Ausgeprägt.

Der Nestor FernostFondswird in unserer unabhängigen SJB FondsAnalyse dem MSCI AC Asia Pacific Ex Japan EUR NETR als Vergleichsindex gegenübergestellt. Das Ergebnis der Korrelationsanalyse mit dem Kursbarometer für den asiatisch-pazifischen Aktienmarkt zeigt, dass beide Elemente einen hohen Gleichlauf aufweisen. Die Korrelation zwischen Fonds und Vergleichsindex liegt über drei Jahre bei 0,84, für ein Jahr geht sie auf 0,60 zurück. Die Kursentwicklung von Nestor-Fonds und SJB-Referenzindex vollzieht sich damit weitgehend parallel, wie auch der Blick auf die Kennzahl R² beweist. Diese erreicht für drei Jahre einen Wert von 0,70, über ein Jahr ist sie mit 0,36 geringer ausgeprägt. Damit haben sich mittelfristig 30 Prozent der FondsEntwicklung indexunabhängig vollzogen, kurzfristig sind es 64 Prozent. Hier zeigt sich, dass FondsManager Weidinger gerade in der jüngsten Zeit der Neuausrichtung des Fonds stärker von der Länder- und Sektorenallokation der Benchmark abgewichen ist. Der Tracking Error liegt über drei Jahre bei 12,85 Prozent und geht auf Jahressicht auf 7,57 Prozent zurück. Wie fallen die Volatilitätswerte des Nestor-Fonds aus?

FondsRisiko. Volatilität. Höher.

Der Nestor FernostFondswartet mit einer stärker ausgeprägten Volatilität als die SJB-Benchmark auf. Über drei Jahre beträgt die „Vola“ des Fonds 24,69 Prozent, während der Referenzindex MSCI AC Asia Pacific ex Japan EUR NETR mit 18,81 Prozent eine knapp sechs Prozentpunkte niedrigere Schwankungsintensität an den Tag legt. Auch für ein Jahr liegt das aktiv gemanagte FondsProdukt mit seinen Schwankungen über denen des passiven Referenzindex: Mit 9,81 Prozent fällt die mittlere Schwankungsneigung des Fonds stärker aus als die vom Vergleichsindex verzeichneten 8,24 Prozent. Mit seinem Fokus auf mittelgroße Unternehmen kann es das Nestor-Produkt nicht vermeiden, durchgängig die höhere Volatilität als der fernöstliche Gesamtmarkt aufzuweisen – was hat die Beta-Analyse zur Bewertung der Risikostruktur beizutragen?

Über drei Jahre wartet der Nestor-Fonds mit einem über Marktniveau liegenden Beta von 1,13 auf. Die Risikokennziffer, die die Schwankungsanfälligkeit der Renditen von Fonds und Index vergleicht, geht über zwölf Monate auf 0,78 zurück und befindet sich damit unter dem marktneutralen Wert von 1,00. Der rollierende Zwölfmonatsvergleich der Beta-Werte über die letzten drei Jahre liefert ein erfreuliches Bild aus FondsPerspektive: In 22 der untersuchten 36 Einzelzeiträume lag die Risikokennziffer unter dem Marktrisikofixwert von 1,00 und nahm dabei Werte bis zutiefst 0,16 an. Lediglich in 14 der analysierten Zeitperioden zeigte sich der Nestor-Fonds schwankungsfreudiger als der MSCI-Referenzindex und verzeichnete ein Beta von 1,41 in der Spitze. FondsManager Weidinger und sein Asienfonds partizipieren demnach nur unterdurchschnittlich an den Marktschwankungen - welche Renditen können auf dieser Basis erwirtschaftet werden?

FondsRendite. Alpha. Negativ.

Per 25. September 2017 hat der Nestor FernostFondsüber drei Jahre eine kumulierte Wertentwicklung von +7,95 Prozent in Euro zu verzeichnen, was einer Rendite von +2,58 Prozent p.a. entspricht. Der Vergleichsindex MSCI AC Asia Ex Japan EUR NETR kann hingegen mit einer Performance von +30,33 Prozent auf Eurobasis bzw. einer Jahresrendite von +9,22 Prozent aufwarten und hat damit die Nase klar vorn. Der Renditevorsprung der MSCI-Benchmark hat auch kurzfristig Bestand, wenngleich sich die absolute Höhe verringert: Über ein Jahr weist der Nestor-Fonds eine Wertentwicklung von +8,26 Prozent in Euro auf, während der asiatisch-pazifische Referenzindex eine Performance von +14,77 Prozent verzeichnet. Da der Nestor-Fonds mit seinen erzielten Renditen kurz- wie mittelfristig hinter den Vergleichsindex zurückgefallen ist, scheint der richtige Zeitpunkt für die vom neuen FondsManager initiierten Umstrukturierungen gekommen.

Der zuletzt schwächelnden Performance gemäß, befindet sich die Renditekennziffer Alpha über drei Jahre bei -0,54 im roten Bereich. Auf Jahressicht fällt die Kennzahl mit -0,22 gleichfalls negativ aus. Im rollierenden Zwölfmonatsvergleich über drei Jahre wird offensichtlich, dass der Asienfonds von Nestor in gut der Hälfte der Fälle keinen Renditevorsprung zum MSCI-Vergleichsindex erwirtschaften konnte. In 19 der 36 untersuchten Einjahreszeiträume verzeichnete der Fonds ein negatives Alpha bis zutiefst -1,31 und lag damit performancemäßig hinter der Benchmark. In 17 Einzelperioden wartete das Investmentprodukt hingegen mit positiven Alpha-Werten bis 0,71 in der Spitze auf und bewies damit seine sehr wohl vorhandene Fähigkeit, den Gesamtmarkt zu schlagen. Kann FondsManager Weidinger mit seiner thematischen Neuausrichtung diese Eigenschaft wieder vermehrt zur Geltung bringen, würde sich auch die aktuell noch im negativen Bereich befindliche Information Ratio des Fonds von -0,47 über drei Jahre verbessern.

SJB Fazit. Nestor Fernost.

Nachdem Anna Ho den Nestor Fernost verlassen hat, sorgt die Entscheidung des neuen FondsManagers Florian Weidinger, eine verstärkte Gewichtung der kleineren asiatischen Schwellenländer vorzunehmen, für gesteigertes Aufwärtspotenzial. Zugleich bleiben die Märkte in China und Singapur die Eckpfeiler des FondsPortfolios, das langfristig orientierten Investoren die Partizipation am steigenden Wachstum der fernöstlichen Wirtschaftsregion ermöglicht. Mit seiner Fokussierung auf Zukunftsthemen wie Urbanisierung, Infrastruktur und den anziehenden Binnenkonsum dürfte der Nestor Fernost bald wieder an seine erfolgreichen Zeiten anknüpfen!

Erläuterungen

Alpha

Ist die Kennziffer für die Renditechancen. Das Alpha beziffert jenen Teil der FondsRendite, der auf aktive Titelauswahl zurückzuführen ist. Je höher das Alpha, umso besser hat sich der Fonds im Verhältnis zum Markt entwickelt. Beispiel: Ein Alpha von 5,0 zeigt an, dass der Fonds im Vergleich zu seiner Benchmark in den gewählten Betrachtungszeiträumen einen durchschnittlichen Mehrertrag von 5,0 Prozent erzielt hat. Ein positives Alpha deutet darauf hin, dass durch aktives Portfoliomanagement eine Mehrrendite für den Investor erwirtschaftet wurde. Insofern ist die Kennziffer ein Leistungsindikator für erfolgreiches FondsManagement. Gerade im Wettbewerb mit passiven ETFs ist das Alpha das Aushängeschild für Fonds.

Beta

Gilt als Risikomaß. Das Beta ist ein Indikator dafür, wie stark die Erträge eines Fonds tendenziell auf Wertschwankungen am Markt reagieren. Die Kennzahl bemisst die relative Volatilität eines Investmentfonds in Bezug auf den Gesamtmarkt. Anders ausgedrückt: Beta ist das Resultat eines Risikovergleichs zwischen Fonds und Benchmark. Deshalb wird bei der Investmentanalyse einem Index als Repräsentant des Marktes der feste Wert Beta = 1 zugesprochen. Hat ein Fonds ein Beta von 1, ist sein Risiko identisch mit demjenigen des Index. Ein Beta > 1 bedeutet, das FondsRisiko ist überproportional, seine Wertschwankungen sind ausgeprägter. Ein unter 1 liegendes Beta lässt auf geringere Kursschwankungen eines Fonds schließen, er ist risikoärmer. Ein Beispiel: Weicht die Volatilität des Fonds um 15 Prozent nach unten ab, ist sein Beta 0,85, weicht sie 15 Prozent nach oben ab, ist es 1,15. Ein hohes Beta bedeutet potentiell höhere Erträge, aber auch ein gesteigertes Risiko. Ein niedriges Beta zeigt an, dass der Fonds potentiell geringere Erträge erzielt, dabei aber auch ein niedrigeres Risiko eingeht. Ein negatives Beta bedeutet, dass sich der Fonds gegenläufig zur Marktentwicklung verhält.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine klassische Kennzahl zur Bewertung einer Aktie und misst die Dividende einer Aktie im Verhältnis zum Aktienkurs zum Zeitpunkt der Ausschüttung. Sie wird in Prozent angegeben. Je höher der Wert, desto mehr Anteil an der Unternehmensleistung erhalten Aktionäre in Form der Dividende. Diese Erträge sind unabhängig von der Kursentwicklung an der Börse. Im Gegensatz zum Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV werden hier die Erträge als Maßstab für die Rendite genommen, die tatsächlich den Anteilseignern zugute kommen. Hohe Dividendenrenditen können die starke Ertragskraft eines Unternehmens anzeigen, umgekehrt aber auch problematisch sein, da die ausgeschütteten Beträge nicht für Investitionen zur Verfügung stehen.

Information Ratio

Die Information Ratio ist eine Kennziffer zur Beurteilung der Managementqualität eines Fonds. Sie wird errechnet, indem man die Überrendite (aktive Rendite) durch das aktive Risiko teilt. Insofern ist sie das Barometer für den risikobereinigten Ertrag. Die aktive Rendite wird hierbei mit Alpha gemessen, das aktive Risiko anhand des Tracking Errors. Die Kennzahl liefert eine Aussage, ob das eingegangene Risiko durch die erzielte Mehrrendite gerechtfertigt ist. Ist die Information Ratio positiv, ist dies der Fall. Je höher der Wert, desto besser ist das Management von Rendite und Risiko des untersuchten Fonds.

Korrelation

Die Korrelation ist die Kennziffer für die wechselseitige Abhängigkeit zweier Investments. Die Korrelationskennziffer gibt Richtung und Stärke des Zusammenhangs an und liegt dabei in einer Bandbreite zwischen 1,0 für Investitionen, deren Wertentwicklung absolut gleich verläuft, und -1,0 für Investments, deren Wertentwicklung sich genau entgegengesetzt darstellt. Bei einer Korrelation von 0,0 besteht keinerlei Übereinstimmung. Die Kennzahl macht eine Aussage zur strukturellen Abhängigkeit der Wertentwicklung eines Fonds von seinem Vergleichsindex. Weisen Fonds und Index eine hohe Korrelation auf, werden sie auf dieselben Marktrisiken und -entwicklungen ähnlich reagieren. Die Korrelation sollte im Zusammenhang mit dem Beta-Faktor betrachtet werden und gibt dessen Güte an. Je höher die Korrelationskennziffer an 1 oder -1 heranreicht, desto größer ist die Aussagekraft des Beta-Faktors.

Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)

Das KBV ist eine Kennzahl für den Substanzwert eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Buchwert je Aktie teilt. Der Buchwert der Aktiengesellschaft ergibt sich durch den Abzug der Verbindlichkeiten von der Summe der Aktiva. Die Aussagekraft der Bücher kann je nach Branche variieren und ist bei Industriefirmen beispielsweise höher als im IT-Sektor. Der Buchwert der Aktie ist das Ergebnis der Division des Unternehmensbuchwerts durch die Anzahl der Aktien. Je niedriger der Wert ist, desto preiswerter ist die Aktie. Wenn der Aktienkurs dem Buchwert entspricht, wird die Aktie zu ihrem „fairen Wert“ gehandelt.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das KCV ist eine Kennzahl der Liquidität eines Unternehmens. Man erhält es, indem man den Aktienkurs durch den Cashflow je Aktie teilt. Der Cashflow eines Unternehmens bildet die wirklichen Zahlungsflüsse in einer bestimmten Zeitperiode ab. Sein Wert gibt das Volumen der im Unternehmen für Investitionen und das Begleichen von Verbindlichkeiten vorhandenen liquiden Mittel an. Mit dem KCV kann die Entwicklung der Ertragskraft einer Aktiengesellschaft bewertet werden. Dabei gilt eine Aktie als umso preiswerter, je niedriger ihr KCV ist.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV ist die Kennzahl der Ertragskraft eines Unternehmens. Es wird errechnet, indem man den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie teilt. Hier gilt: Je niedriger die Kennzahl, desto preiswerter ist die Aktie. Ein niedriges KGV wird an der Börse als Einstiegssignal in die Aktie interpretiert. Sie gilt als unterbewertet und hat Aufwärtspotenzial. Liegt das KGV eines Titels hingegen über dem Marktdurchschnitt, kann dies als Ausstiegssignal gewertet werden. Die Aktie gilt als überbewertet, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kurs fällt, ist hoch. Im Falle korrigierter Gewinnerwartungen kann das KGV zu Fehlinterpretationen führen, da optisch niedrige Kennzahlen die Ertragssituation des Unternehmens nicht mehr richtig wiedergeben.

Die Kennzahl R² baut auf der Korrelation auf. Sie drückt den Prozentsatz der Bewegungen eines Fonds aus, die durch Bewegungen in seinem Referenzindex erklärt werden können. R² ist das Quadrat der Korrelation. Ein R² von 0,7 bedeutet, dass 70,0 Prozent der Entwicklung des Fonds das Ergebnis der Entwicklung des Referenzindex ist bzw. 30,0 Prozent auf die aktive Auswahl von Aktien zurückgeführt werden können. Je deutlicher die Zahl unterhalb von 1 liegt, umso unabhängiger ist der Ertrag des Fonds vom Referenzindex. R² wird genutzt, um die Aussagekraft von Beta zu bestimmen. Je höher das R², desto signifikanter das Beta, weil klar wird, wie sehr dieses auf aktivem FondsManagement basiert. R² hilft also, den Grad sowie die Qualität der FondsManageraktivität einzuordnen.

Sharpe Ratio

Die Sharpe Ratio ist ein Maß für das Gesamtrisiko eines Fonds, da sie die Rendite ins Verhältnis zum absoluten Risiko des Fonds setzt. Die nach dem Nobelpreisträger William Sharpe benannte Kennziffer misst die Überschussrendite eines Fonds pro Risikoeinheit. Dabei wird der Fonds mit dem risikolosen Geldmarkt konfrontiert. Liegt die Sharpe Ratio eines Fonds bei 0,40 und damit im positiven Bereich, ist dies ein Indiz dafür, dass die FondsInvestition rentabler ist als die Platzierung des Kapitals am Geldmarkt. Ein negativer Wert bedeutet: Der Fonds ist schlechter als der Geldmarkt. Zu beachten bei der Interpretation dieser Kennzahl ist, dass sich die Definition eines „risikolosen“ Zinses im Zuge der Finanzkrise massiv gewandelt hat. Streng genommen sind risikolose Investments gar nicht mehr existent.

Tracking Error

Der Tracking Error ist die Kennziffer für die Spurabweichung des Fonds vom Index. Sie misst, wie stark die Positionen und ihre Gewichtung im Portfolio des Fonds prozentual von denen des Index abweichen. Zur Berechnung wird die Standardabweichung der Differenzrendite zwischen dem Fonds und seiner Benchmark ermittelt. Insofern wird der Tracking Error auch als Indikator für aktives Risiko verstanden und dient neben Alpha als Grundlage für die Berechnung der Information Ratio. Je niedriger der Tracking Error, desto stärker orientiert sich der FondsManager am Vergleichsindex. Je höher der Wert ist, desto unabhängiger bewegt sich der FondsManager in seinem Markt.

Value-at-risk (VAR)

Der Begriff bezeichnet ein Risikomaß für die Wahrscheinlichkeit und den Umfang von Verlusten einer bestimmten Risikoposition (z. B. eines Portfolios von Wertpapieren) in einem gegebenen Zeithorizont. Ein VAR von 10 Mio. Euro bei einer Haltedauer von 1 Tag und einer als Konfidenzniveau bezeichneten Eintrittssicherheit von 97,5 Prozent bedeutet, dass der potenzielle Verlust der betrachteten Risikoposition von einem Tag auf den nächsten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5 Prozent den Betrag von 10 Mio. Euro nicht überschreiten wird. VAR wurde von J.P. Morgan entwickelt und ist heute ein Standardrisikomaß im Finanzsektor.

Autor:

Gerd Bennewirtz ist als geschäftsführender Gründungsgesellschafter der SJB FondsSkyline OHG 1989 Herausgeber speziell auf Privatinvestoren zugeschnittener Newsletter. Die wöchentlich erscheinenden Publikationen können gratis angefordert werden unter FondsEcho@sjb.de oder www.sjb.de.

Gerd Bennewirtz

Gerd Bennewirtz Gerd Wilhelm Bennewirtz, Jahrgang 1962 geboren in Mönchengladbach studierte an der RWTH Aachen Betriebs- wirtschaftslehre. 1989 gründete er mit Volker Schmidt-Jennrich die SJB FondsSkyline OHG 1989 mit Sitz im niederrheinischen Korschenbroich. Sein Schwerpunkt: Die in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen offenen Investmentfonds.

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