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Solarworld-Verkauf fast in trockenen Tüchern

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Stefan Lange

BERLIN/BONN (Dow Jones)Der umstrittene Verkauf von Resten der insolventen Solarworld AG an ihren Gründer Frank Asbeck ist so gut wie besiegelt. Die Gläubigerversammlung stimmte dem Verkauf am Freitag weitgehend zu, wie die Direktorin des zuständigen Amtsgerichts Bonn, Birgit Niepmann, auf Anfrage erklärte. Allerdings erfolgte die Zustimmung nicht vollständig. Das US-Unternehmen Hemlock verhinderte (Stand Freitagnachmittag) einen 100prozentigen Deal.

Zwei der betroffenen Gesellschaften hätten mit 100 Prozent für den Verkauf votiert, zwei mit 99 Prozent, erklärte Niepmann. "Das ist grundsätzlich also ziemlich eindeutig angenommen worden, es hängt aber gleichwohl ein wenig in der Schwebe", sagte die Richterin.

Hintergrund ist demnach die Schadenersatzklage des Siliziumlieferanten Hemlock. Dem Unternehmen war von einem amerikanischen Gericht Schadenersatz in Höhe von knapp 800 Millionen Dollar zugesprochen worden. Die Forderung besteht immer noch.



Hemlock beanspruchte Stimmrecht


Hemlock machte für die Gläubigerversammlung den Angaben zufolge deshalb ein Stimmrecht geltend. Nach einigem Hin und Her während der Veranstaltung stellte der Hemlock-Vertreter einen Antrag, den Beschluss der Gläubigerversammlung aufzuheben, und zwar nur für die Solarworld Sachsen, wie Niepmann erklärte. Das sei vom zuständigen Rechtspfleger zurückgewiesen worden. Gegen diese Entscheidung sei aber das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde möglich. Der Hemlock-Anwalt habe sich vorbehalten, eine solche Beschwerde einzulegen, sagte Niepmann am Freitagnachmittag.

Das heißt, das schwebt jetzt noch ein bisschen da drüber", sagte die Richterin. "Die Abstimmungen sind eindeutig erfolgt. Aber das Verhalten der Firma Hemlock hat jetzt ein weiteres Rechtsmittel eröffnet", fasste die Richterin zusammen.



Asbeck macht weiter


Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hatte die verbliebenen Vermögenswerte des Solarkonzerns und seiner Tochtergesellschaften am Dienstag verkauft - und zwar an ein neues Unternehmen des Firmengründers Frank Asbeck. Für die Aktionäre ist dabei nichts mehr zu holen. Sie werden aus den Verkaufserlösen keine Ausschüttungen erhalten, wie die Solarworld AG nochmals bekräftigte.

Offizielle Käuferin ist laut Kauf- und Übertragungsvertrag die Solarworld Industries GmbH mit Sitz in Bonn, die Asbeck erst am 26. Juli gegründet hat. An der Übernahme beteiligt ist auch eine ausländische Investorengruppe, wie Dow Jones Newswires in Unternehmenskreisen bestätigt wurde. Medienberichten zufolge soll es sich um die Qatar Foundation handeln.

Asbeck und Solarworld Industries wollen wesentliche Teile der Solarzellen- und Modulproduktion und den Vertrieb dieser Hocheffizienzprodukte weiterführen. Der Kaufpreis bestehe im Wesentlichen in der Ablösung von Verbindlichkeiten, die mit Sicherungsrechten von Gläubigern belegt sind, hieß es bereits.



Nur noch wenig Mitarbeiter


Die Frage ist allerdings, was Asbeck jetzt besser machen will als in den letzten Jahren. Solarworld hatte den Angaben zufolge zuletzt rund 1.650 Beschäftigte. Wenn der Kauf endgültig perfekt werden sollte, könnten 475 Arbeits- und Ausbildungsplätze in Arnstadt (Thüringen) und Freiberg (Sachsen) sowie Teile der Solarzellen- und Modulproduktion gesichert werden.

Darüber hinaus finanziert die Investorengruppe den Angaben zufolge eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Transfergesellschaft) für die rund 1.200 Mitarbeiter an den Produktionsstandorten, für die es künftig keine Arbeit mehr gibt.

Kontakt zum Autor: stefan.lange@wsj.com

DJG/stl/jhe

END) Dow Jones Newswires

August 11, 2017 10:23 ET ( 14:23 GMT)

Copyright (c) 2017 Dow Jones & Company, Inc.

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