DAX®12.645,75+0,82%TecDAX®3.028,89-0,76%Dow Jones 3028.335,57-0,10%Nasdaq 10011.692,57+0,25%
finanztreff.de

Sowohl als auch

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Muppet Show der amerikanischen Kandidaten am Dienstag dieser Woche lässt eine Wette auf den Ausgang der Wahl nicht zu. Es wäre ein Würfelspiel. Interessant sind die Nebenerscheinungen in ihrer Wirkung und Breite. Zunächst: Ob einer der beiden für eine Weltmacht der richtige Präsident ist, bedarf keiner Diskussion. Doch dies war für die Amerikaner in den letzten Jahrzehnten nur in ganz wenigen Fällen vorher und anschließend zu diskutieren. Dennoch lohnt sich ein Rückblick auf alle Präsidentenwahlen, die ich persönlich erlebt und kommentiert habe. Insofern greife ich zurück:

Die Amerikaner sind begeisterungsfähig. Anders als Deutsche und andere Europäer können sie sich an positiven Perspektiven schneller hochziehen, wenn sie vorher in einer psychologischen oder auch militärischen Krisenlage steckten. Darauf kommt es entscheidend an: Nicht was der Präsident sagt oder meint, ist entscheidend, sondern wie rd. 350 Mio. Amerikaner dies aufnehmen. In dem zitierten ersten TV-Duell gab es immerhin 78 Mio. Zuschauer.

Kennedy begeisterte die Amerikaner mit seinem Aufbruch zum Mond. Darunter konnten sich die wenigsten etwas vorstellen, aber es löste einen ungewöhnlichen Optimismus aus. Die Nebenwirkungen waren erheblich. Denn mit dieser Technik, die notwendig für den Mondflug war, erhielten die Amerikaner ungewöhnliche Impulse. Schon ein Jahr nach der Wahl Kennedys präsentierte IBM den ersten Bürocomputer der Welt (IBM 360) und damit begann das Computerzeitalter. Sein Nachfolger Johnson wollte die Amerikaner mit seiner Idee der Great Society beeindrucken, was gewaltig klang, aber niemand zur Kenntnis nahm. Es war ein Sozial- und Wirtschaftsprogramm mit sehr guten Ansätzen, aber nicht greifbar. Wie stellen sich die Amerikaner in der Regel auf einen neuen Präsidenten ein? Eine gespielte Wette an der Börse auf einen der Kandidaten gibt es in der Regel nicht, also warten sie ab. Das war ab Anfang August schon spürbar. Erst einen Tag nach der Wahl werden die großen Investoren und auch die große Zahl der Kleinanleger darüber entscheiden, wie sie auf den neuen Präsidenten spielen wollen. In dieser Entscheidung steckt so gut wie jede Alternative.

Donald Trump wurde vor vier Jahren so gut wie nichts zugetraut und seiner Gegnerin schlug Misstrauen entgegen, weil sie deutlich links stand, im Sinne vom halben Sozialismus nach dem Muster eines Sozialanwaltes aus Chicago namens Obama. Sein Vizepräsident Biden steht für eine Fortsetzung dieser Politik. Sie geht in Richtung eines europäischen Sozialstaates. Man braucht nicht lange darüber zu diskutieren, welche Folgen dies für die Amerikaner hätte. Denn: Die Amerikaner leben vornehmlich von ihrer eigenen Dynamik als Person, als Gemeinschaft und auch als Firma in der Ökonomie. Es ist ein Grundmuster der Amerikaner, egal ob den Europäern dies gefällt. Alle deutschen SPD-Regierungen ab Willy Brandt/Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder/Joschka Fischer folgten diesen Zielen mit dem Ergebnis, das jeder kennt: Stagnierende Wirtschaft und steigende Schulden. Zu betonen ist: Die Absicht dieser Politik ist nachvollziehbar und durchaus seriös, aber kostet Geld.

Ronald Reagan stand 1980 für eine Politik, die niemand kannte. Im Wahlkampf hatte er sich nur sehr dubios dazu geäußert, eigentlich gar nicht. Die Börse wartete ab, was er zu bieten hatte. Also trat sie in den Monaten vorher mehr oder weniger auf der Stelle. Ebenso wie jetzt, wenn es darum geht, ob eine zweite Amtsperiode von Donald Trump möglich oder wahrscheinlich ist. Als Europäer kann man dem nicht zustimmen. Als vernünftiger Mensch ebenfalls nicht, denn Donald Trump ist unberechenbar und persönlich fragwürdig. Aber: Hinter einem republikanischen Präsidenten steht sehr viel republikanische Macht mit einer klaren Absicht: Intensivierung der Wirtschaft. Das reicht nicht für eine Wirtschaftspolitik, wie sie die Europäer gerne hätten, aber nie erreichen. Dafür stehen aber ebenfalls in der Regel sehr gezielte Absichten, die auf den ersten Blick schwer zu erkennen sind. Hier geht es nicht um ein Mandat zugunsten von Trump, sondern um einen Grundsatz.

Kommen wir zurück zu Ronald Reagan. Sein Steuerprogramm war extrem umstritten. Gewettet wurde damals so: Wenn die Steuern gesenkt werden, entsteht ein Loch im Haushalt. Dies muss finanziert werden. Wie lange dauert es, bis dieses Loch dadurch geschlossen wird, dass die Unternehmer mehr investieren, weil sie dafür das Geld haben, das sie über die gesenkten Steuern behalten können, und wann ist dieses Steuerloch wirklich zu schließen? 5 Jahre waren die aktuelle Wette, es wurden 10 Jahre. Doch nur deshalb, weil Reagan die Rüstung um 100 % hochfuhr (p. a.), um die Russen an die Wand zu fahren. Gewinner dieser Politik war sein übernächster Nachfolger Bill Clinton mit dem beeindruckenden Resultat: Ab 1998/99 ergaben sich im Bundeshaushalt Überschüsse statt Defizite, die erst dadurch wieder reduziert wurden, dass mit dem berühmten Attentat in New York (2001) die gesamte amerikanische Wirtschaft in eine Schieflage geriet. Kein Scherz: Die Amerikaner hatten mit den Überschüssen im Haushalt die Sorge, dass es keine neuen Treasury Bonds mehr gäbe, weil sie nicht mehr benötigt wurden. Also lautete die Frage: Was machen die Länder, die Überschüsse generieren, mit ihren Währungsreserven, wenn es keine T-Bonds mehr gäbe? Im Jahre 2000 bot man den Chinesen, die die größten Überschüsse generierten, als Ersatz Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac an, die mit Staatsgarantien verbunden waren, und die Chinesen waren denkbar dafür, ihre Überschüsse weiterhin in Dollar-Bonds anlegen zu können.

An dieser Stelle höre ich auf, werde aber zu gegebener Zeit dieses Thema fortsetzen, wenn es spruchreif wird. Darin liegt die Erklärung, wie mit den hohen Verschuldungen der Amerikaner demnächst umzugehen ist.

Ihr

Hans A. Bernecker

Schlagworte:
, , , , , , , , , , , , ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

» Alle News von Hans A. Bernecker

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

HSBC Trading TV

Werbung

Trading-Tipp

Börsen & Märkte

US-Marktüberblick

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 44 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen