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Sprachlos

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Deutsche Bank liefert. Zunächst 5,7 Mrd. € Verlust, die im Wesentlichen auf den Umbau entfallen. Zum anderen mit einer besonderen Personalie namens Sigmar Gabriel, der in den Aufsichtsrat aufrücken soll. Beides macht zunächst sprachlos.

 

Die Deutsche Bank hat 15 Jahre geschlafen, um als eine der größten Banken der Welt (damals noch unter den ersten 10) eine Struktur zu finden, die seiner Stellung in Deutschland und international entspricht. Verantwortlich dafür waren nicht fehlendes Kapital oder fehlende Geschäfte sowie eine umfangreiche Bilanzsumme von damals rd. 2 Bio. €, sondern eine desolate Personalpolitik in der Besetzung des Vorstandes. Verantwortlich dafür ist nach deutschem Gesetz der Aufsichtsrat. Ihm obliegt es, geeignete Damen und Herren zu finden, um eine so große Bank effektiv zu steuern und für die Zukunft vorzubereiten.

 

Der gegenwärtige Vorstand macht eine solide Arbeit. 70 % der beabsichtigten Ziele sind bereits erreicht worden, wie heute Herr Sewing bekanntgab. Er macht das richtig und sicherlich auch sorgfältig. Er kontrolliert die Kosten und voraussichtlich kann er mit dem Neubau des sogenannten technischen Systems auch die nachhaltige Qualität und Rentabilität des Bankgeschäftes deutlich verbessern. Er ist insofern der erfolgreiche Erbsenzähler, wenn man das etwas salopp formulieren darf. Was fehlt?

 

Eine große Bank in dieser Situation bedarf neben der geschilderten Tätigkeit von Herrn Sewing einer strategischen Ausrüstung, die anderen Erfordernissen genügen muss. Dazu bedarf es Persönlichkeiten mit internationaler Erfahrung, vielfältigen Tätigkeiten in anderen Instituten gleicher Größe und wie im Banking üblich sehr persönlicher Kontakte, also das berühmte Netzwerk. Daran fehlt es der Deutschen Bank weiterhin. Doch als größte deutsche Bank ist es eine Schlüsselstellung sowohl für die Bank selbst wie für die internationalen Geschäfte, die das größte Exportland Europas und das drittgrößte der Welt nun einmal benötigt.

 

Lange Zeit war es eine Auszeichnung für jeden Manager oder Unternehmer in Deutschland, Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu werden. Es hatte fast einen Ehrencharakter. Nun ist ein ehemaliger SPD-Politiker bzw. –Minister dran, dem man so gut wie alles zutrauen kann und darf mit garantiertem Misserfolg. Die Liste seiner Fehlleistungen als Bundeswirtschaftsminister ist umfangreich. Zwei kleine Beispiele: Für Gabriel war die deutsche Energiewende in seinen Händen als Minister 100 % richtig und klar formuliert. Das Ergebnis kann besichtigt werden. Der Kauf von Kuka als einziger deutscher Roboteradresse von Wert durch die Chinesen wurde von ihm ausdrücklich gutgeheißen, obwohl die deutsche Industrie ebenso ausdrücklich davor gewarnt hat. Der Kuka-Verlauf ist gut nachzuvollziehen - sowohl im Umsatz, im Produktportfolio und sogar im Börsenwert.

 

Offensichtlich ist kein führender Manager eines großen Unternehmens oder gar ein Eigentümer eines Familienunternehmens bereit, ein Mandat für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu übernehmen. Es ist ein erschütterndes Bild, was die Deutsche Bank offensichtlich in diesem Umkreis abgibt. Wer ist dafür wiederum verantwortlich? Mindestens ein Teil des Aufsichtsrates.

 

Strategien sind für große Unternehmen ein Schlüssel für das ganze Land. Ihre Ausstrahlung ist erheblich und vor allem lange Zeit wirksam. Dazu bedarf es einer besonderen Qualität der Personen, die sowohl im Vorstand wie im Aufsichtsrat tätig sind. Was nun?

 

Irgendwann wird das Comeback der Deutschen Bank gelingen. 1,4 Bio. € Bilanzsumme entsprechen dem  Umfang seiner Geschäfte und Möglichkeiten. Sowohl auf der Aktiv- wie auf der Passivseite. Es ist also noch genügend Substanz da, um daraus brauchbare Konzepte zu entwickeln, wie es andere Banken in Europa in ähnlicher Größe vormachen. Z. B. BNP Paribas als Nr. 1 in Paris. Vier bis sechs weitere Großbanken mit Bilanzsummen von 700 Mrd. € bis 1,1 Bio. € sind der Beleg. Sogar Unicredit als italienische Großbank schaffte es, in den vergangenen 5 Jahren aus einer ähnlichen Schieflage erfolgreich herauszukommen. Es geht also mit richtigen Köpfen, richtigen Ideen und keineswegs nur mit neuem Geld.

 

Die Deutsche Bank ist deshalb eine Schlüsselgröße dafür, wie sich die deutsche Wirtschaft insgesamt international repräsentiert.

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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