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Steinhoff: Verblüffende Kursreaktion auf späte Zahlen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 2 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Was lange währt, wird endlich gut. Nicht so bei Steinhoff. Der südafrikanisch-niederländische Möbelhändler hat in der Nacht zum Mittwoch nach monatelangen Verzögerungen seine Zahlen zum Geschäftsjahr 2017 vorgelegt. Demnach wurde ein operativer Verlust in Höhe von vier Milliarden US-Dollar (3,7 Mrd. Euro) gemacht. Auch der Ausblick fällt düster aus. Die Steinhoff-Aktie +0,476% stieg am Mittwoch-Morgen überraschenderweise dennoch. Im Tagesverlauf notierte der Small Cap etwa zehn Prozent im Minus.

Der Umsatz kletterte 2017 von 16,1 Milliarden auf 18,8 Milliarden Euro, was durch die Übernahme von Mattress Firm aus den USA und der britischen Poundland begünstigt wurde. Für 2018 und 2019 erwartet Steinhoff einen Umsatzrückgang. Grund dafür seien Verkäufe von Vermögenswerten, mehr Wettbewerb und ein schwaches Handelsumfeld.

Das Unternehmen machte Abschreibungen für den enormen Verlust verantwortlich, die die Bilanzbereinigung mit sich gebracht hatte. Die gesamten Abschreibungen haben bereits 13 Milliarden Euro überschritten, seitdem der Betrug aufgedeckt wurde, durch den das Unternehmen kurz vor dem Zusammenbruch stand. Mehr als 200 Milliarden Rand (13,9 Milliarden US-Dollar) an Eigenkapital gingen verloren.

Steinhoff musste den Jahresabschluss 2017 mehrmals verschieben, nachdem das auch im SDax gelistete Unternehmen Lücken in seinen Konten gefunden hatte. Eine Gruppe Topmanager hatte beim Möbelkonzern über Jahre hinweg systematisch Transaktionen generiert, um im großen Stil die Bilanzen zu fälschen. Die fragwürdigen Buchungen von 2009 bis 2017 hatten nach einem Bericht der Wirtschaftsprüfer von PwC ein Volumen von rund 6,5 Milliarden Euro.

Angeführt von einem Topmanager habe die Gruppe "jahrelang Transaktionen strukturiert und durchgeführt, die im Ergebnis die Profitabilität und den Wert von Aktiva über einen langen Zeitraum deutlich übertrieben haben", hieß es in dem PwC-Bericht Mitte März. Die Manager hätten mit einigen Kollegen und firmenfremden Personen zusammengearbeitet, um die fragwürdigen Transaktionen zu arrangieren.

Diese seien komplex gewesen, hätten viele Organisationen überspannt und seien auch durch Dokumente und juristische Akte belegt worden. Die Belege "wurden in vielen Fällen erst hinterher erschaffen und rückdatiert", hieß es weiter. Der Bericht nannte keine Verantwortlichen namentlich. Der frühere Firmenchef Markus Jooste hatte nicht eingewilligt mit PwC zu sprechen, heißt es in dem Bericht. Gegen Jooste ermittelt die Justiz.

Der Bilanzskandal hatte Steinhoff schwer erschüttert. Seit der Ankündigung der Bilanzunregelmäßigkeiten Ende 2017 wurde der Börsenwert des Unternehmens fast vollständig vernichtet. In Deutschland war Steinhoff für die Möbelkette Poco bekannt, die mittlerweile an den österreichische Möbelhändler XXXLutz verkauft worden ist.

Die Ergebnisse für 2018 werden voraussichtlich am 18. Juni veröffentlicht. (mmr)

Sechs-Monats-Chart Steinhoff (in Euro, Xetra)
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