DAX ®12.579,72+0,54%TecDAX ®2.799,05+0,01%S&P FUTURE2.759,50+0,20%Nasdaq 100 Future7.222,75-0,26%
finanztreff.de
WM Tippspiel
teilnehmen und gewinnen
finanztreff.de

Stiftung Warentest nimmt Girokonten unter die Lupe

| Quelle: dpa-afx topthemen | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Quelle: dpa-AFX

Von Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

Geldverdienen ist in der Zinsflaute nicht einfach für Banken und Sparkassen. Die Zeche zahlen oft die Kunden. Stiftung Warentest kritisiert teils «absurde» Gebühren.

Frankfurt/Berlin (dpa) - Gebühren fürs Geldabheben am Automaten der eigenen Bank, 4,90 Euro für eine Überweisung auf Papier oder 15 Euro im Jahr für die Girocard: In der Zinsflaute langen manche Banken und Sparkassen kräftig hin.

«Teilweise haben die Preiserhöhungen absurde Züge», kritisiert die Stiftung Warentest. 231 verschiedene Girokontenmodelle von 104 Finanzinstituten haben die Experten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Nur 23 Angebote sind gratis - inklusive aller Onlinebuchungen und der Girocard fürs bargeldlose Shoppen und dem Geldabheben am Bankautomaten.

«Die Zahl der kostenlosen Girokonten ist in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben», sagt Heike Nicodemus von der Stiftung Warentest. «Wir stellen aber fest, dass zahlreiche Institute bei den Gebühren kreativer werden. Plötzlich kostet zum Beispiel die Girocard etwas oder die Überweisung am Schalter.» Für Kunden sei es schwer, «den Wust neuer und alter Gebühren zu durchblicken», kritisieren die Experten in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Finanztest» der Stiftung Warentest (Heft 9/2017).

Ganz kostenlos sind allerdings auch nicht alle Gratis-Konten, außer der Kunde erledigt seine Bankgeschäfte online. Gebühren fallen zum Teil bei Überweisungen in Papierform, telefonischen Aufträgen oder bei schriftlichen Änderungen von Daueraufträgen an.

Den Verbraucherzentralen sind neue Gebühren als Reaktion auf niedrige Zinsen ein Dorn im Auge. In der Branche gebe es hierbei verbreitet einen Wildwuchs, sagte jüngst der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Viele Institute hätten Kunden über Jahre zu einer Kostenlos-Kultur etwa rund ums Girokonto erzogen, weil sie sich Wettbewerbsvorteile davon versprochen hätten. Nun würden auf teilweise intransparente Art Zusatzgebühren erhoben. «Unser Appell an die Banken und Sparkassen ist: nicht kreative neue Gebühren, sondern einfache, fair bepreiste Konten anbieten», betonte Müller.

Das sieht selbst die Branche ähnlich. «Generell ist es gut, wenn man einfache Modelle anbietet, die der Kunde versteht», argumentiert Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband deutscher Banken (BdB), der die Privatbanken vertritt. «Und es muss volle Transparenz gesichert sein. Der Kunde muss wissen, was er für sein Geld bekommt.»

Die Geldinstitute leiden seit geraumer Zeit unter der Zinsflaute. Wichtigste Ertragsquelle der Banken und Sparkassen in Deutschland ist traditionell der Zinsüberschuss - die Differenz zwischen dem, was die Institute auf der einen Seite zum Beispiel für Kredite kassieren und auf der anderen Seite ihren Kunden etwa als Sparzinsen zahlen. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euroraum faktisch abgeschafft hat, brechen den Instituten Erträge weg.

Zudem müssen Geschäftsbanken für Geld, das sie bei der EZB parken, 0,4 Prozent Strafzinsen an die Notenbank zahlen. Die Kosten dafür geben etliche Institute schon länger an Unternehmenskunden weiter. Auch vermögende Privatkunden müssen bei einigen Instituten Strafzinsen auf hohe Guthaben zahlen. «Für den Durchschnittskunden spielen Strafzinsen keine Rolle, die Grenze ist viel zu hoch. Andere Gebühren sind viel relevanter», sagt Nicodemus.

Nach einer Untersuchung des Beratungsunternehmens EY müssen sich viele Bankkunden in Deutschland auf weiter steigende Gebühren einstellen. Ein Drittel der Institute (32 Prozent) bittet Privatkunden bereits stärker zur Kasse oder plant dies bis Ende des Jahres. Es trifft vor allem das Girokonto. Gut jede vierte Bank (27 Prozent) erhöht hierfür die Gebühren. Knapp jede fünfte Bank (19 Prozent) nimmt mehr für Überweisungen.

«Früher war es möglich, mit hohen Zinseinnahmen andere Dienstleistungen quer zu subventionieren - das geht im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht mehr. Andere Ertragsquellen sind völlig versiegt», erläutert EY-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier. EY hatte 120 Banken in Deutschland quer durch alle Säulen befragt - also Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen ebenso wie private Großbanken.

Aus Sicht von Stiftung-Warentest-Expertin Nicodemus sind «Kosten von fünf Euro im Monat für ein Girokonto in Ordnung, schließlich steht auch eine Dienstleistung dahinter». Wer mehr fürs Konto mit Buchungen und Girocard zahle, sollte wechseln - das Kontomodell oder die Bank. Finanzinstitute sind seit vergangenem September verpflichtet, Kunden beim Umzug des Kontos zu unterstützen.

Auf dem Land ist ein Wechsel mangels Alternativen allerdings oft nicht so einfach - es sei denn man macht ausschließlich Online-Banking: «Gerade auf dem Land ist nach unserer Erfahrung das Girokonto oft teurer», sagt Nicodemus.

Schlagworte:
, , , , , ,
Werbung

Weitere Nachrichten

Rubrik: Topthemen Banken
13.06. Hamburg billigt HSH-Nordbank-Verkauf: «Kleinere Katastrophe»
08.06. US-Kanzlei strebt Anleger-Sammelklage gegen Deutsche Bank an
05.06. BGH stärkt Rechte von Kreditnehmern bei Zinscap-Prämien
Rubrik: Topthemen Börsen
22.06. Drohende US-Autoimportzölle lassen den Dax relativ kalt
21.06. Ölpreise gefallen - Iran lenkt offenbar bei Fördermenge ein
20.06. General Electric steigt aus US-Leitindex Dow Jones ab
Rubrik: Topthemen Finanzen
22.06. Griechenland-Rettung vor dem Abschluss
21.06. Zähes Ringen um letztes Hilfspaket für Griechenland
20.06. EU-Kommissar: Griechenland kann auf eigenen Füßen stehen
Rubrik: Topthemen Konjunktur
22.06. Teures Deutschland? Hohe Preisunterschiede in Europa
21.06. IfW-Forscher erwarten nur kurzen Dämpfer für die Konjunktur
19.06. Forscher erwarten schwächeres Wirtschaftswachstum
Rubrik: Topthemen Unternehmen
11:30 BMW und Siemens warnen eindringlich vor Brexit-Folgen
11:25 Alternativen zu US-Markt: Industrie will Südamerika-Abkommen
12.06. Louboutin gewinnt vor EuGH im Streit um rote Sohlen
Rubrik: Topthemen Wirtschaft
11:40 Verbraucherschützer: Neues Reiserecht bringt auch Nachteile
11:30 BMW und Siemens warnen eindringlich vor Brexit-Folgen
11:25 Alternativen zu US-Markt: Industrie will Südamerika-Abkommen
Rubrik: Topthemen Zentralbanken
14.06. EZB will Anleihenkäufe beenden - Zinserhöhung aber erst 2019
14.06. US-Notenbank hebt Zinsen weiter an - was macht die EZB?
13.06. Fed erhöht Zinsen - 2018 könnten noch zwei Schritte folgen
Werbung

News-Suche

Suchbegriff:
Werbung
Werbung
Börsenseminare: Investieren Sie in Ihre Bildung!
Werbung

Werbung
Börse Stuttgartschliessen
Börse Stuttgart

Top-Wachstumsaktien

Wo bieten sich Anlegern weltweit die besten Wachstumschancen? Wir stellen im neuen Anlegermagazin vier Titel mit viel Potenzial vor.

Jetzt kostenlos anmelden!
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook, Google+ oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 26 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen