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Stimmung schlechter als die Lage? Analysten setzen auf Dax-Erholung

| Quelle: INV

Die vermeintlichen Gründe für den Absturz der Aktienmärkte in den ersten Wochen des neuen Börsenjahres sind in den Medien mittlerweile mehr als einmal benannt worden. Viel Neues gibt es da momentan nicht zu erzählen. Vielleicht ist der Dax auch deshalb gestern trotz schwacher Konjunkturdaten aus China mal wieder gestiegen. Die chinesische Wirtschaft war im vergangenen Quartal um 6,8 Prozent gewachsen. Das klingt auf den ersten Blick verdammt viel, ist aber der niedrigste Zuwachs seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Im Gesamtjahr 2015 betrug der Anstieg 6,9 Prozent, womit die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft so langsam gewachsen ist wie seit 25 Jahren nicht mehr. Und es droht eine weitere Annäherung an die Normalität. In den kommenden fünf Jahren wollen die Chinesen „nur“ um durchschnittlich 6,5 Prozent wachsen. Ob das nun ein triftiger Grund ist, eine weltweite Rezession zu befürchten und alle Risikoinvestments zu verkaufen, muss jeder selbst beurteilen. Heute Morgen jedenfalls wird diese Karte mal wieder gespielt, was erneut China und dem Ölpreis zugeschrieben wird.

Die Analysten der Commerzbank halten davon eher wenig und bezeichnen den aktuellen Konjunkturpessimismus als überzogen. In China erwarten die Strategen keinen konjunkturellen Crash und die europäische Binnennachfrage sei unverändert robust. Zudem sollten der schwächere Dollar und der niedrige Ölpreis positive Auswirkungen auf die Gewinne vieler Unternehmen hierzulande haben. Ein Aspekt, der in der aktuellen Diskussion gerne mal vergessen oder ignoriert wird. In einer gestern Vormittag versandten „Marktidee“ wird den Kunden deshalb geraten, jetzt deutsche Aktien zu kaufen. Nach der zuletzt deutlich verschlechterten Stimmung an den Märkten sei der Dax langsam reif für eine Gegenbewegung. Begründet wird dieser Optimismus auch mit einer attraktiven Bewertung der einheimischen Titel, die trotz einiger Gewinnrevisionen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,5 (bezogen auf die für dieses Jahr erwarteten Gewinne) deutlich unter den historischen Durchschnittswerten liege.

Wie das in aktuellen Zeiten üblich ist, dürfen die potenziellen Risiken bei einer solchen Empfehlung natürlich nicht unerwähnt bleiben. Schließlich könnte ja ein gänzlich unerfahrener Anleger diese Analyse zum Anlass nehmen, seine gesamten Besitztümer nun in deutsche Aktien zu investieren, um am Ende womöglich völlig überrascht festzustellen, dass die Kurse entgegen der Analystenmeinung doch noch weiter fallen können. Deshalb weisen die Experten vorsorglich unter anderem darauf hin, dass die Bodenbildung beim Dax noch nicht abgeschlossen sei und die kommenden Wochen daher volatil bleiben dürften. Ein Bruch der technischen Unterstützung würde zudem neuen Abgabedruck bedeuten, ohne dass die entsprechenden Marken im Chart konkret genannt werden.

Daraus für sich selbst nun eine konkrete Handlungsempfehlung abzuleiten, ist gar nicht so leicht. Bei „Gegenbewegung“ denkt man natürlich schnell an Hebelprodukte, weil es hier meist um kurzfristige Erholungen geht, die punktemäßig nicht übermäßig stark ausfallen. Aber das ist gerade im aktuellen Umfeld aufgrund der hohen Schwankungen extrem risikobehaftet, wie man heute Morgen wieder sieht. Alternativ könnten Anleger aber durchaus mal erste Positionen in Discountzertifikaten aufbauen und diese bei einer möglichen Fortsetzung der Abwärtsbewegung dann aufstocken. Den Tiefpunkt eines Crashs erwischt man ohnehin nur sehr selten. Und die Konditionen sehen dank der hohen Vola aktuell nicht so schlecht aus. Dax-Discounter mit einem vergleichsweise defensiven Cap bei 8000 Punkten bieten bei zum Beispiel 14 Monaten Laufzeit neben einem Risikopuffer von rund 17 Prozent eine doch ganz beachtliche Renditechance von gut 5 Prozent (WKN: SG9SWQ).

Thomas Koch

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