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Südkorea - Das untypische Schwellenland

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Südkorea ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Zuordnung der Indexanbieter keiner ökonomischen Logik folgt, sondern sich vor allem an den Bedürfnissen von Finanzinvestoren orientiert. Denn rein wirtschaftlich betrachtet gehört die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens und das Heimatland von globalen Riesen wie Samsung oder Hyundai längst zum Kreis der hochentwickelten Länder (developed markets). Dort verortet auch der Internationale Währungsfonds die Südkoreaner.

Bei den großen Indexanbietern MSCI und Stoxx behält die Börse Seoul indes weiter den Status als Emerging Market, obwohl die Größe und Bedeutung des dortigen Aktienmarktes ebenso wie die wirtschaftliche Entwicklung denen vieler europäischer Länder in nichts nachsteht. Allerdings – und dies ist für ausländische Investoren eben wichtig – bestehen aus Sicht von MSCI Defizite bei der freien Handelbarkeit der Landeswährung Won und bei der Datenbereitstellung der Börse (für die Abbildung derivativer Finanzprodukte). Auch der Zugriff auf englisch-sprachige Anlegerinformationen nach internationalem Standard ist mitunter mangelhaft, weswegen MSCI dem Land weiterhin die Umgruppierung in den Kreis der Entwickelten Märkte verweigert.

Nichts desto trotz nimmt Korea zusammen mit Taiwan, wo ähnliche Schwachpunkte angeführt werden, eine Sonderstellung im Reigen der vermeintlichen Schwellenländer ein. Denn die beiden Hochtechnologie-Nationen heben sich deutlich von anderen Emerging Markets ab, deren Aktienmärkte oft von Finanz- und Rohstofftiteln dominiert werden. Die Branchenverteilung in Südkorea hingegen wird von Technologieunternehmen dominiert. Allen voran Samsung Electronics, die im Marktindex Kospi 200 auf eine Gewichtung von rund einem Viertel kommen.  Im Länderindex von MSCI ist die Gewichtung sogar noch etwas höher. Stämme und Vorzüge zusammen machen hier gut 30 Prozent des Index aus.

Dazu kommen aber noch viele andere IT-Titel. Dazu gehören neben dem Internet-Unternehmen Naver etwa der Samsung-Wettbewerber LG, der Chip-Hersteller SK Hynix oder die Komponenten-Sparten von Samsung und LG, die unter anderem den Weltmarkt für Displays aller Art unter sich aufteilen (Samsung SDI, LG Display). Speziell Samsung SDI ist aber auch in Zukunftssparten wie Hochleistungsbatterien (unter anderem für Automobile) oder Solarzellen aktiv.

Auch sonst unterstreichen unzählige Daten, dass es sich bei Korea um eine High-Tech-Nation handelt: schnellstes Internet der Welt, weltweit höchste Nutzungsquote von Internet und sozialen Medien, weltweit höchster Anteil von eingesetzten Industrie-Robotern pro Einwohner, Top 2 (hinter Israel) beim Anteil der Forschungsausgaben in Prozent des BIP innerhalb der OECD, weltweite Nummer 4 bei Patentanmeldungen (hinter China, USA, Japan; vor Deutschland) und so fort und so weiter… Tatsächlich gehört das vergleichsweise kleine Korea in unzähligen High-Tech-Boomsegmenten zu den Weltmarktführern und belegt nicht nur bei Smartphones, Displays, Chips und Robotern einen der Top-3-Ränge.

Die überzeugendsten Indexprodukte kommen in diesem  Fall beide von der Deutschen Bank. Bei dem nur über Indexzertifikate angebotenen Kospi 200 überzeugt sie mit vernünftigen Geld-Brief-Spannen (WKN: 372142) und bei ETF auf den MSCI Korea gefällt die Kombination aus direkter Replikation, moderaten Gebühren von 0,65% p.a. und einem Fondsvolumen oberhalb von 100 Mio. Euro (wodurch eine plötzliche Produktkündigung weniger wahrscheinlich wird). Anfallende Dividenden werden re-investiert (DBX1K2). Wer einen ETF mit Ausschüttung bevorzugt, findet bei HSBC oder iShares ein stimmiges Angebot, wobei die Dividendenerlöse in Korea zumindest bislang wegen sehr geringer Ausschüttungsquoten der Unternehmen so moderat sind, dass sich der Aufwand kaum lohnt (A1JJU5, A0HGWD).

Der MSCI lief wegen der höheren Samsung-Gewichtung zuletzt besser als der Kospi und angesichts der aktuellen neuen Kursfantasie bei Samsung (siehe IE von gestern) könnte sich dies auch fortsetzen, womit dieser derzeit zum Favoriten avanciert.

Ralf Andreß

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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