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Themeneinstieg: Erfolgsfaktor Dividende

| Quelle: DWS_TIF_DIV | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Mit ausschüttungsstarken Aktien setzen Anleger auf regelmäßige Erträge und substanzstarke Werte. Das kann in Korrekturphasen Nerven schonen.

Anleger dürfen im Augenblick auf so ziemlich alles hoffen, wohl nur nicht auf üppige Zinsen. Für Tages- und Festgeld erhalten sie im Durchschnitt weniger als zwei Prozent.1 Auch bei Staatsanleihen mit guter Bonität sieht es nicht viel besser aus. Besser: Mit Dividenden können Anleger in den meisten Fällen deutlich mehr verdienen. Das dürfte auch 2012 der Fall sein. Aller Voraussicht nach werden die meisten deutschen Standardwerte eine höhere Dividende zahlen als im Vorjahr. Insgesamt könnten die 30 Dax-Unternehmen mehr als 27 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten und damit nur etwas weniger als im bisherigen Rekordjahr 2008. Im Einzelfall sind damit Renditen von sechs Prozent und mehr möglich. Für den Dax selbst erwarten Analysten in diesem Jahr eine durchschnittliche Dividendenrendite von mehr als 3,5 Prozent.

Unterschätzter Gewinnbringer

Dividendenzahlungen sind wichtiger als oft vermutet. Langfristig machen sie rund ein Drittel der gesamten Wertentwicklung einer Aktienanlage aus. Beispiel Dax: Seit seinem Start 1988 legten die Kurse Jahr für Jahr im Durchschnitt um gut 5,8 Prozent zu. Werden auch die gezahlten Dividenden hinzugerechnet, steigt die jährliche Rendite auf rund 8,3 Prozent (s. Grafik „Dax-Kursindex vs. Dax-Performanceindex“). Besonders stark ins Gewicht fällt die Dividende über den Zinseszinseffekt. Eine Studie der London Business School verrät, dass 100 Dollar, die im Jahr 1900 in US-Aktien angelegt worden wären, sich bis Ende 2009 real auf gut 727000 Dollar vermehrt hätten, wenn auch die Dividenden der Unternehmen reinvestiert wurden. Inflationsbereinigt hätten Anleger so eine jährliche Rendite von 6,2 Prozent erzielt. Staatsanleihen brachten es im gleichen Zeitraum nur auf 1,9 Prozent.2

Einfache Strategie

„Reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten, als sie wert sind“, rät Großinvestor Warren Buffett lapidar Privatanlegern. Möglichkeiten, solche wahren Werte an der Börse zu finden, gibt es viele. Eine der vielversprechendsten sind hohe Dividendenrenditen. Der Multimilliardär hält sich strikt daran. Buffetts einstiger Universitätsdozent Benjamin Graham propagierte bereits in den 1930-er-Jahren eine simple Dividendenstrategie: Kaufe die zehn Werte aus einem Aktienindex, die die höchste Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs aufweisen, und halte sie mindestens ein Jahr. Im Rückblick konnte sich die auch als Dogs-of-the-Dow-Strategie bekannt gewordene Taktik durchaus bewähren. Ein so gestaltetes Depot hätte seit 1973 eine Rendite von 17,7 Prozent pro Jahr gebracht gegenüber 11,9 Prozent beim US-Index Dow Jones.3

Gesuchte Zauberformel

Auch am deutschen Aktienmarkt hätten Anleger mit einer Dividendenstrategie à la Graham zumindest in den vergangenen zwölf Jahren mehr verdient als mit dem Gesamtindex. So schnitt der DivDax, der die 15 Unternehmen des Dax mit der jeweils höchsten Dividendenrendite umfasst, seit dem Jahr 2000 deutlich besser ab als der große Bruder selbst (s. Grafik „DivDax vs. Dax“). Selbst wenn die Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt und allein die Entwicklung der Kurse miteinander verglichen werden, konnten die Dividendenstars ihre Konkurrenz in diesem Zeitraum übertrumpfen. Solche Aktien werfen demnach nicht nur besonders hohe Ausschüttungsgewinne ab, auch die Kurse können sich stärker entwickeln als der Marktdurchschnitt. Ist die Dividendenstrategie also die allseits gesuchte Zauberformel für den zukünftigen Erfolg an der Börse?

Solide Basis

So einfach ist es leider nicht. Immerhin kann eine hohe Dividendenrendite auch auf einer dauerhaften Kursschwäche der Aktie beruhen. Das wissen Börsenprofis wie Warren Buffett und achten auf weitere Kriterien wie etwa die Ertragskraft des Unternehmens in der Vergangenheit oder dessen künftiges Gewinnwachstum. Denn brechen die Erträge plötzlich weg, können Dividendenzahlungen sinken oder sogar ganz entfallen. In der Regel spricht zumindest eine über viele Jahre hinweg stabile Entwicklung der Ausschüttungen für eine nachhaltige Dividendenpolitik des Unternehmens. Um jedoch zu erkennen, ob das Geschäftsmodell auch in Zukunft erfolgreich ist und hohe Ausschüttungen erlaubt, oder ob allein nur von der Substanz gezehrt wird, braucht es einen guten Marktüberblick sowie viel Gespür und Erfahrung. Deswegen vertrauen Privatanleger in der Dividenden-Disziplin oft auf das Know-how von Profis.

Wichtiger Sicherheitspuffer

Dividendenstarke Aktien mit guter Perspektive können aber nicht nur eine höhere Rendite, sondern auch mehr Stabilität ins Depot bringen. Zum einen haben Untersuchungen ergeben, dass etwa bei US-Aktien seit dem späten 19. Jahrhundert die Dividendenkürzungen im Durchschnitt nur halb so stark ausgefallen sind wie der Rückgang der Unternehmensgewinne.4 Zum anderen trennen sich Investoren für gewöhnlich nicht so schnell von einen Ertragsbringer, der auch in einem negativem oder stagnierenden Marktumfeld noch Erträge verspricht. Das führt dazu, dass dividendenstarke Aktien in der Regel weniger anfällig für hohe Kursschwankungen sind als andere Aktien. Stimmt das Geschäftsmodell, können solche Unternehmen zudem eine Inflation über Preiserhöhungen wettmachen. Das steigert den Gewinn und letztlich die Dividende.

Auch Anleiheinvestoren sollten einen Blick auf Dividendenwerte werfen. Viele große europäische Konzerne bieten im Augenblick für eigene Schuldverschreibungen deutlich weniger Zinsen als die Dividende der Aktie an Rendite abwirft. Und mit der richtigen Auswahl der Unternehmen lässt sich auch das in aller Regel höhere Risiko von Aktien in Grenzen halten.

1 Quelle: http://www.biallo.de 2 Quelle: Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook 2010 3 Quelle: Focus-Money Ausgabe 8/2012, S. 21 4 Quelle: Credit Suisse, Research Monthly, November 2011 (deutsche Ausgabe)

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