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Thomas Cook: "Kursziel null Pence"

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Aktien von Thomas Cook befinden sich im freien Fall. Schon am Donnerstag stürzten sie um rund ein Viertel auf den tiefsten Stand seit 2012 ab. Am Freitag setzt sich der Crash fort: Zeitweise kostete eine Aktie in London weniger als 12 Britische Pence (siehe Chart unten) – ein weiteres Minus von 40 Prozent. Im deutschen Handel kostete das Papier am Vormittag nur noch knapp 14 Cent – ebenfalls fast 40 Prozent weniger als am Vortag.

Schuld an den neuerlichen Verlusten sind Analystenstimmen nach dem gestern verkündeten Milliardenverlust. Die Citigroup schießt den Vogel ab: Die Analysten haben das Kursziel für Thomas Cook von 28 Pence auf Null gesetzt! Die Gewinnaussichten des Reiseveranstalters seien viel schlechter als erwartet, und obwohl Citi schätze, dass der  Reiseveranstalter mit seinem Flugliniengeschäft auf einen Wert von rund 738 Millionen Pfund kommt, wird dieser Wert durch die von dem Unternehmen gehaltenen Schulden zunichte gemacht. Dies "impliziert einen Aktienwert von null", schrieben die Analysten unter der Führung von James Ainley am Freitag. Die jüngsten Hiobsbotschaften könnten zudem Reisende verschrecken – mit schwächeren Buchungszahlen könne sich so ein Teufelskreis für den Reiseveranstalter anbahnen.

An der Börse ist Thomas Cook nun umgerechnet weniger als 300 Millionen Euro wert. Sein größter Rivale TUI -0,25%, dessen Aktie in den vergangenen Monaten ebenfalls heftig gebeutelt wurde, kommt auf rund 5,5 Milliarden Euro.

Das Brexit-Chaos und eine Preisschlacht bei den Sommerreisen setzen den Touristik-Konzern Thomas Cook 2018 massiv unter Druck. Das laufende Geschäft bringe 2019 wohl noch weniger Gewinn ein als im vergangenen Jahr, räumte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser am Donnerstag in London ein. Im Winter musste der Konzern mit Marken wie Neckermann Reisen und Condor sogar einen Milliarden-Verlust verkraften.

Eine milliardenschwere Sonderabschreibung auf mehrere britische Veranstaltermarken brockte Thomas Cook im Winterhalbjahr bis Ende März in diesem Zuge einen Nettoverlust von knapp 1,5 Milliarden britischen Pfund ein. Im Vorjahreszeitraum waren es noch minus 255 Millionen. Die von der Abschreibung betroffenen Marken hatte Thomas Cook vor rund zwölf Jahren im Zuge der Fusion mit dem Veranstalter MyTravel übernommen.

Thomas Cook sitzt auf einem Schuldenberg

Immerhin: Fankhauser kann sich nun freuen, dass ihm die Lufthansa -0,55% und andere Interessenten die Fluggesellschaften wie die deutsche Condor abkaufen wollen. Denn Thomas Cook braucht das Geld dringend.

Marktanalyst Neil Wilson vom Handelshaus CMC Markets sprach von harten Zeiten für Thomas Cook. Die größte Sorge sei derzeit die Nettoverschuldung von aktuell mehr als eine Milliarde Pfund. Das Unternehmen benötige zwar eine gute Sommersaison, um das miserable Wintergeschäft zu kompensieren. Allerdings stehe dem Unternehmen nicht nur wegen der hohen Verschuldung eine sehr holprige Wegstrecke bevor. Hinzu kämen noch strukturelle Herausforderungen und die zyklische Schwäche in einigen Märkten wie zum Beispiel Deutschland.

Thomas-Cook-Chef Fankhauser bereitete Kunden und Aktionäre auf eine Rabattschlacht vor. "Für die Kunden gibt es diesmal großartige Deals, für sie wird der Sommer zum Paradies", sagte der Manager. Doch was den Urlaubern schmecken dürfte, ist für das Unternehmen und seine Anteilseigner gar nicht gut. Hatte das Management bisher gehofft, den operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) im Sommerhalbjahr zumindest stabil zu halten, so ist es damit nun vorbei.

Jahres-Gewinnprognose unklar

Wie viel schlechter das Ergebnis 2019 ausfällt, wagte Fankhauser am Donnerstag nicht vorauszusagen. Doch schon im Sommer 2018 hatte eine Preisschlacht bei Last-Minute-Reisen dem Unternehmen seine Gewinnpläne verhagelt. Diesmal dürften zusätzlich höhere Kosten für Hotels und Kerosin aufs Ergebnis drücken, schätzt der Manager.

12-Monats-Chart Thomas Cook (in Britische Pence, London)


Unterdessen scheint die Hängepartie um den EU-Austritt Großbritanniens viele Briten von der Urlaubsplanung abzuhalten. Es gebe wenig Zweifel daran, dass viele Menschen in dem Land ihre Reisebuchungen vorerst auf Eis gelegt hätten, sagte Fankhauser. Aber auch in allen anderen Märkten, in denen Thomas Cook Reisen verkauft, seien das Buchungsverhalten der Kunden unsicher. Nach der langen Hitzewelle im vergangenen Sommer hätten im Winter weniger Menschen Reisen ins Warme gebucht.

Die schwierige Lage vor allem in Großbritannien trieb das Management nun auch zu einem teuren Einschnitt in der Bilanz. Wegen der trüben Geschäftsaussichten in Großbritannien strich der Konzern den Wert mehrerer britischer Veranstaltermarken um mehr als eine Milliarde Pfund zusammen.

Lufthansa bietet für Condor

Rettendes Geld erhofft sich Thomas Cook jetzt von dem Verkauf seiner Fluggesellschaften. "Wir wollen die Überprüfung des Airline-Geschäfts zu einem guten Abschluss führen, um die Liquidität des Konzerns zu verbessern", sagte Fankhauser. Mehrere Interessenten hätten Gebote für die gesamte Airline-Gruppe sowie Teile davon abgegeben. Namen von Interessenten nannte der Manager nicht.

Die Lufthansa hatte jedoch jüngst schon erklärt, dass sie ein unverbindliches Gebot für Condor abgegeben habe. Dabei hat Europas größte Fluggesellschaft vor allem das Langstreckengeschäft des Ferienfliegers im Auge, der früher bereits einmal zum Kranich-Konzern gehört hatte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr schloss auch eine Offerte für die gesamten Thomas-Cook-Airlines nicht aus.

Thomas Cook hatte seine Ferienfluggesellschaften Anfang Februar zum Verkauf gestellt. Das Management will die Offerten nun prüfen. Um auf jeden Fall über den nächsten Winter zu kommen, hat sich der Reisekonzern bei Banken bereits eine Kreditlinie über 300 Millionen Pfund gesichert. "Wir haben die Rückendeckung unserer Banken, und das war uns wichtig."

Übernimmt TUI die Thomas-Cook-Airlines?

Das Geld aus dem Airline-Verkauf will Fankhauser nutzen, um noch mehr in eigene Hotels und neue Technologien zur Reisevermarktung zu investieren. Bei diesen Zielen folgt er teilweise dem weltgrößten Reisekonzern TUI. Dieser will seine Fluggesellschaften auch nach den Erfahrungen mit der Pleite von Air Berlin allerdings behalten.

TUI-Chef Fritz Joussen hatte Spekulationen über ein mögliches Interesse an den Thomas-Cook-Airlines zu zerstreuen versucht. "Wir investieren unser Geld dort, wo es unserer Strategie dient." Diese ziele etwa auf eigene Hotels, das Kreuzfahrtgeschäft und Technologie. TUI plane aber eher keine großen Zukäufe.

Mit Material von dpa-AFX

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