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Thyssenkrupp in der Krise: Hohe Verluste, miese Aussichten

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Quelle: dpa-AFX

Von Claus Haffert, dpa

Thyssenkrupp setzt alle Hoffnungen auf seine Aufzüge. Ein Verkauf oder Börsengang muss Geld in die Kassen bringen, um den kriselnden Konzern zu stabilisieren. Denn beim Stahl sieht düster aus.

Essen (dpa) - Thyssenkrupp steckt auch unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz tief in den roten Zahlen fest.

Der Stahl- und Industriekonzern hat in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres mit einem Nettoverlust von 372 Millionen Euro bereits ein höheres Minus eingefahren als im gesamten Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Die Verschuldung ist kräftig gestiegen, das Eigenkapital nahezu aufgebraucht. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Für das Gesamtjahr rechnen die Essener mit einem deutlich schlechteren Ergebnis als 2018/19, bei dem am Ende ein Fehlbetrag von 260 Millionen Euro zusammengekommen war.

«Die aktuellen Zahlen können nicht begeistern», kommentierte Merz die erste Quartalsbilanz nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober. Schon bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen hatte die Interimschefin die Aktionäre auf eine längere Durststrecke eingestimmt.

Für die Mitarbeiter gibt es keine Entwarnung: Finanzchef Johannes Dietsch wollte nicht ausschließen, dass der Stellenabbau über die bisherigen Planungen von 6000 Jobs hinausgehen könnte. Er habe aber «jetzt keine neue Zahl» für die Öffentlichkeit. Derzeit werde bei Thyssenkrupp jeder Stein umgedreht.

Besonders bitter für Thyssenkrupp ist die Lage der Stahlsparte, die künftig wieder mehr zum Kerngeschäft des Traditionskonzerns werden soll. Sie lieferte einen Verlust von 164 Millionen Euro, im Vorjahresquartal hatte noch ein kleiner Gewinn von 38 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Der Industrieriese braucht für die Schuldentilgung und den Konzernumbau dringend frisches Geld, das aus der profitablen Aufzugssparte kommen soll. Bis Ende Februar will der Vorstand entscheiden, ob der profitable Geschäftszweig verkauft oder an die Börse gebracht wird. «Wir befinden uns auf der Zielgeraden», sagte Dietsch in einer Telefonkonferenz. Man prüfe derzeit «sehr stark» die Verkaufsoption. Angebote haben Finanzinvestoren und Wettbewerber eingereicht. Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer bei Thyssenkrupp.

Für einen Verkauf an einen Konkurrenten wie den finnischen Kone-Konzern, der annähernd 17 Milliarden Euro geboten haben will, sieht Dietsch aber Probleme. Der Verkauf an einen solchen strategischen Investor werde dazu führen, «dass wir die Gelder erst nach einer umfangreichen Kartellprüfung erhalten werden», sagte er. Das müsse im «Kriterienkatalog» für die Entscheidung berücksichtigt werden. Auch die IG Metall hatte vor einer Hängepartie bei einem Verkauf an Kone gewarnt. Betroffen von der Transaktion ist fast jeder dritte der weltweit rund 160 000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp.

Über der Stahlsparte von Thyssenkrupp hängen dunkle Wolken. Ende des Monats nimmt der bisherige Vorstandssprecher von Thyssenkrupp Steel Europe, Premal Desai, seinen Hut - es habe «unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung des Stahlgeschäfts» gegeben, hatte Thyssenkrupp mitgeteilt. Hinzu kommen konjunkturelle Probleme. «Bei allen großen Stahlabnehmern schwächelt die Nachfrage», sagte Experte Roland Döhrn vom Essener RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Baukonjunktur helfe Thyssenkrupp nicht, da dort vor allem billigerer Importstahl zum Einsatz komme.

Nach dem Verbot der Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata muss Thyssenkrupp seine Stahlsparte im Alleingang auf Kurs bringen. Ob das ohne eine Zusammenarbeit mit anderen Stahlherstellern dauerhaft gelingen kann, ist fraglich. Thyssenkrupp hält jedenfalls eine Konsolidierung in der Stahlbranche nach wie vor für sinnvoll, wie Dietsch bekräftigte.

Konzernchefin Merz, die schon im kommenden Oktober wieder auf den Posten der Aufsichtsratschefin zurückwechseln will, sieht den Konzern trotz der aktuell schlechten Zahlen auf dem richtigen Weg. «Die Richtung stimmt», versicherte sie.

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