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Thyssenkrupp: Kocht jetzt eine Mega-Stahl-Fusion hoch?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der kriselnde Industriekonzern Thyssenkrupp prüft einem Zeitungs-Bericht zufolge die Übernahme des Stahlhändlers Klöckner & Co. Beide Unternehmen führten bereits konkrete Gespräche über eine Übernahme von Klöckner durch Thyssenkrupp, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Konzernkreise. "Das Vorhaben ist sehr konkret und hat gute Chancen, umgesetzt zu werden." 

Es ist nicht das erste Mal, dass über ein Interesse Thyssenkrupps an dem im SDAX -0,07% notierten Stahlhändler spekuliert wird. Im Juni hatte das Manager Magazin berichtet, dass Thyssenkrupp an Klöckner & Co interessiert sei. Der KlöCo-Kurs -1,30% hatte damals allerdings nur leicht zugelegt, fiel in den Wochen danach wieder deutlich zurück und war am 22. Juli auf das Rekordtief von 4,192 Euro gesunken. 

KlöCo-Aktie expolodiert

Seitdem hat sich die Klöckner-Aktie allerdings wieder erholt. Am Donnerstag beendete die Aktie den Xetra-Handel bei 4,84 Euro, am Freitag-Vormittag lag sie nun satt höher im Rennen bei 5,42 Euro. Im Herbst 2018 hatte die Aktie des Stahlhändlers allerdings zeitweise noch mehr als 10 Euro gekostet. 

Mit der möglichen Klöckner-Übernahme will Thyssenkrupp sein Werkstoffgeschäft stärken, das zusammen mit der Stahlherstellung den neuen Kernbereich des Unternehmens bilden soll. Eigentlich hatte Thyssenkrupp das Stahlgeschäft über eine Fusion mit Tata Europe Steel loswerden wollen. Das hatte allerdings die EU-Kommission untersagt, so dass der Konzern jetzt nach neuen Alternativen suchen muss.

Für den Klöckner-Deal würde Thyssenkrupp dem Bericht zufolge rund 800 Millionen Euro brauchen, wovon ein Teil durch Verkäufe wieder hereingeholt werden könne. Zusammen käme das Werkstoff-Geschäft von Thyssenkrupp und Klöckner auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres auf einen Pro-forma-Umsatz von mehr als 21 Milliarden Euro. Fusioniert wären die beiden Unternehmen der dominante Werkstoffhändler in Europa und Nordamerika mit knapp 27.000 Mitarbeitern.

Finanzierung durch Verkauf der Aufzugssparte

Um einen möglichen Kauf von Klöckner & Co und weitere Akquisitionen zu finanzieren, steht das Aufzuggeschäft zur Disposition. Die derzeit profitabelste Sparte wird im Moment für einen Börsengang vorbereitet, allerdings steht der Plan unter Vorbehalt. Zuletzt hatte Vorstandschef Guido Kerkhoff durchblicken lassen, dass auch ein Teilverkauf an Finanzinvestoren denkbar sei.

Die Sparte stößt bei Finanzinvestoren auf großes Interesse. Zu den interessierten Adressen zähle alles, was in der Branche Rang und Namen habe: Advent, Apollo, CVC, Carlyle +1,05%, KKR und wohl auch EQT, hieß es in dem gestrigen Bericht.

Für Private Equity sei der Fall eine einmalige Gelegenheit, zitiert das Magazin namentlich nicht genannte Investmentbanker. Es sei "längst klar", dass Finanzinvestoren Kerkhoff ein Angebot unterbreiten würden, das er "vielleicht nachverhandeln, aber nicht ablehnen" könne. Der Gesamtwert der Sparte wird auf bis zu 14 Milliarden Euro geschätzt. 

Auch Salzgitter im Fokus

Zudem könnte auch der deutsche Stahl-Konkurrent Salzgitter -3,35% auf den Radar von Thyssenkrupp gelangen, so das Handelsblatt. Die Vorteile seien immens, mit Einsparungen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro Bereich, zitiert das Blatt Branchenkreise. Absehbar sei, so die Zeitung, dass sich die Führung von Thyssenkrupp mit der Idee beschäftigen dürfte. Letztlich gehe daran kein Weg vorbei, so eine "hochrangige Führungskraft" in dem Bericht. "Wenn wir den Schritt nicht endlich gehen, werden uns die Chinesen und Osteuropäer den Markt abnehmen und uns letztlich schlucken." 

Die Thyssenkrupp-Aktie -1,94% legte am Donnerstag nach Veröffentlichung des Berichts zeitweise um acht Prozent zu. Am Freitag steigt die Industrie-Aktie um weitere 2,6 Prozent auf 10,85 Euro.

Die Thyssenkrupp-Aktie ist allerdings seit Wochen und Monaten wegen des verbotenen Stahl-Deals, der hohen Schulden, sinkender Rohstoffpreise und der allgemeinen Wirtschaftsflaute auf Tiefflug. Mitte August war sie mit 9,252 Euro auf den tiefsten Stand seit 2003 gefallen. Vor zwei Jahren hatte die Aktie noch mehr als 25 Euro gekostet. Da das Unternehmen an der Börse derzeit nur noch mit 6,5 Milliarden Euro bewertet wird, droht in Kürze der DAX -0,38%-Abstieg.

Mit Material von dpa-AFX

Sechs-Monats-Chart Thyssenkrupp (in Euro)
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