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Unicredit: Draghi traute Lagarde keine aggressive Lockerung zu

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 2 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)Das umfassende geldpolitische Lockerungspaket der vergangenen Woche ist nach Einschätzung von Unicredit auch dadurch zu erklären, dass der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi seiner designierten Nachfolgerin Christine Lagarde nicht zutraute, aggressive Maßnahmen gegen spürbaren Widerstand durchzuboxen. "Er (Draghi) wollte Lagarde eine möglichst aggressive akkommodierende Ausrichtung hinterlassen, weil er weiß, dass sie zu einer Konsensbildung neigt und nicht, wie er, zum Vorangehen", schreibt Chefvolkswirt Erik Nielsen in einem Kommentar.

Der EZB-Rat hatte beschlossen, seinen Bankeinlagensatz um 10 Basispunkte auf minus 0,50 Prozent zu senken und die Überschusseinlagen der Banken teilweise von diesem Strafzins freizustellen. Darüber hinaus beschloss der EZB-Rat, seine Anleihebestände ab November monatlich um 20 Milliarden Euro zu erhöhen - ohne eine zeitliche Befristung. Der Basiszinssatz der dritten Serie langfristiger und gezielter Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO3) soll nun dem durchschnittlich während der Tenderlaufzeit herrschenden Hauptrefinanzierungssatz entsprechen.

Umstritten war offenbar vor allem die Wiederaufnahme der Nettoanleihenkäufe (QE). Zwar bleibt deren Monatsvolumen hinter der Erwartungen von 30 bis 40 Milliarden Euro zurück, doch wurde das Programm nicht befristet.

Nielsen schreibt, angesichts der relativ vielen "Falken" im Rat habe Draghi wohl gedacht, dass der konsensorientierte Ansatz Lagardes nicht zu der lockeren geldpolitischen Ausrichtung führen würde, die er für notwendig halte. "Aus praktischer Sicht bedeutet das, dass Lagarde nun für lange Zeit keine größere geldpolitische Entscheidung vorantreiben muss", prognostiziert Nielsen.

Den förmlichen Protest des niederländischen Ratsmitglieds Klaas Knot gegen die Entscheidungen findet der Ökonom gleichwohl fragwürdig. "Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht die Art ist, in der sich künftig Vertreter einer Minderheitsposition im Rat gegenseitig oder mit der Mehrheit in einer Art Twitter-Stil beschießen", schreibt er.

Knot hatte nach den EZB-Ratsbeschlüssen eine Erklärung auf der Website der niederländischen Notenbank veröffentlicht und darin unter anderem die Einschätzung vertreten, dass die EZB angesichts der Konjunkturabschwächung eine langsamere Annäherung an ihr Inflationsziel akzeptieren müsse.

Angemessener ist es laut Nielsen, Kritik in Reden oder Medieninterviews zu äußern. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte das am Wochenende getan - allerdings in einem Interview mit der Bild-Zeitung, die Draghi als "Graf Draghila" karikierte, der den deutschen Sparern das Geld von den Konten sauge.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

END) Dow Jones Newswires

September 16, 2019 04:37 ET ( 08:37 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.
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