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Unruhige Aktienmärkte: Was sind die Ursachen?

| Quelle: FIN_BLOG | Lesedauer etwa 4 min. | ► Text vorlesen ❚❚ Pause

Der Januar machte Aktionären erst einmal Freude. Während der Dow Jones erstmalig die 25.000 Punkte erobern konnte und wenig später sogar die Marke von 26.000, zog auch der DAX wieder an. Zwar mit etwas Mühe aber dennoch: Das neue Allzeithoch wurde bei 13.596 Punkten markiert. Soweit die freudigen Nachrichten für Aktionäre, denn mit dem Einsetzen der Quartalsergebnisse großer Unternehmen drehte sich die Stimmung. Aus vermeintlichen Gewinnen wurden nach der Berücksichtigung der US-Steuerreform teilweise satte Verluste. Allein die Citigroup musste hier mit rund 20 Milliarden Sonderbelastung rechnen. Dies schlug auch auf die DAX-Werte durch. Zu nennen ist in dieser Woche die Bilanz der Deutschen Bank AG. Mit einem Verlust, nun schon im dritten Folgejahr, geht der Umbau sehr langsam voran. Dabei schlug auch die Steuerbelastung von 1,4 Milliarden negativ zu Buche. Die Aktie selbst gab folglich nach und notiert aktuell auf einem 14-Monatstief.

 

Die Rahmendaten ändern sich

 

Belastend hinzu kam der eigentlich bekannte, aber nun im Fokus stehende Richtungswechsel der Notenbanken. Ein Führungswechsel in der US-Notenbank FED von Janet Yellen auf Jerome Powell änderte nichts an der Ausrichtung weiter steigender Zinsen. Dies dämmt die Lust auf Aktien ein und verteuerte erst einmal die Renditen der festverzinslichen Anleihen. Die US-Bonds stiegen jüngst auf ein neues 4-Jahreshoch und sorgten damit für Umschichtungen von Aktien in Anleihen. Verstärkt wird dies durch so genannte „Risk Parity Strukturen“ in Mischfonds und automatisiert gemanagten Portfolios. Denn mit einem Anstieg von Anleihepreisen bei gleichzeitiger Schwäche am Aktienmarkt wird hier massiv umgeschichtet und dieser Effekt noch einmal verstärkt. „Blindes Vertrauen wird an der Börse fast immer bestraft“ titelte am Mittwoch die Investmentecke. Hinzu kommt die dadurch ansteigende Volatilität.

 

Volatilität als Gefahr

 

Volatilität als Schwankungsbreite an den Aktienmärkten ist notwendig, um eine Preisbildung überhaupt zu ermöglichen. In den letzten Jahren der Hausse sank diese teilweise auf historische Tiefs. Wir berichteten im Blog darüber erst vor einer Woche am Beispiel des VIX.

Gerade am Montag stiegen die Volatilitäten massiv an und verursachten fast schon Panik an der Börse. Zeitweise sank der Dow Jones um 1.600 Zähler. Gestern ging er mit einem Minus von 1.000 Punkten aus dem Handel. Aus Sicht der Punkte sind dies die stärksten Einbrüche aller Zeiten gewesen, aus Sicht der prozentualen Veränderung hält es sich noch „in Grenzen“ und war letztmalig im Jahr 2011 zu beobachten.

Wie fügt sich das Puzzle aus Volatilität und Aktienmarkt zusammen?

Portfolios und auch Hedgefonds sichern Bestände in Volatilitätsprodukten ab und spekulieren damit darauf, dass diese weiterhin niedrig bleiben. Steigt die Volatilität, geraten diese Absicherungen unter Druck. Allein am Montag stieg die Volatilität so stark wie am „Schwarzen Montag 1987“ – diesem Thema hatten wir uns auch bereits im Blog angenommen. Der starke Anteil dieser Produkte (hier stellvertretend die Produkte auf den VIX) und ein fast schon ungebremster Anstieg machten binnen Stunden diese Spekulation wertlos.

Als Beispiel wurde der ProShares Short VIX Short-Term Future am 1. Februar noch mit 125,57 Dollar gehandelt und kostete am Dienstag nur noch 12,24 Dollar. Auf der anderen Seite der Portfolios werden bei fallenden Kursen schnell eine Vielzahl an Wertpapieren ausgestoppt. Dies bringt den nächsten Punkt ins Spiel:

 

Verstärkung durch den Herdentrieb

 

Hinzu kommen bei starken Bewegungen die Stop-Verkäufe der Investoren. In einem fast schon linear steigenden Markt lagen die Stops relativ eng am Marktniveau. Mit einem starken Anstieg der Volatilität und damit einhergehenden Kursverlusten, liquidieren mehr und mehr Investoren die noch im Gewinn liegenden Positionen und verstärken damit den Druck auf den Markt. Hinzu kommen Zwangsliquidationen von Brokern, deren Kunden gehebelt im Markt aktiv waren.

Nicht zu vergessen die automatisierten Handelssysteme, welche ohne Seele letztlich bei bestimmten Kursschwellen aktiv werden und starke Trends immer noch einmal verstärken.

So kam es letztlich auch, dass der DAX nicht einmal an der 200-Tagelinie Halt machte und nur zwei Wochen nach einem neuen Allzeithoch einer Berührung mit der 12.000er-Marke nahe ist.

 

Ein Fazit

 

Es ist derzeit nicht abzusehen, ob dies ein einmaliges Ereignis als Zusammenspiel der genannten Faktoren war, oder ob sich Investoren auf eine Umschichtung von Aktien zu Anleihen im großen Stil aufmachen. Die Korrektur im DAX ist aktuell auch nicht mehr als eine Korrektur. Rund 10 Prozent (parallel zum Dow Jones) Abschlag vom Allzeithoch sehen zwar wegen der kurzen Zeitspanne dramatisch aus, sind jedoch langfristig völlig gesund. Auf Sicht von einem Jahr weist der DAX aktuell einen Gewinn von über 6 Prozent und damit weitaus mehr als festverzinsliche Wertpapiere auf.

Kursrücksetzer sollte man als Chance sehen, sein Portfolio zu überprüfen, ruhig auch einmal über Gewinnmitnahmen nachzudenken und Ausschau auf neue Chancen zu halten.

 

Viel Erfolg und die notwendige Ruhe zur Entscheidungsfindung wünscht Ihnen finanztreff.de

 

Bildquelle mit CC0-Lizenz: https://pixabay.com/de/unschärferelation-tafel-physik-AC2434282/

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