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US-Aktienmarkt: Droht jetzt die Zinskatastrophe?

| Quelle: GodmodeTrader Experten | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Robuste Konjunkturdaten und Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell haben die Renditen der langfristigen US-Staatsanleihen auf ein Mehrjahreshoch getrieben. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen stehen aktuell bei über 3,2 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2011.
 
 
US-Notenbankchef Jerome Powell hatte am Mittwochabend in einer Rede angedeutet, dass die Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen in den kommenden Jahren stärker anheben könnte als erwartet. Dies führte auch bei den längerfristigen Renditen zu einem deutlichen Plus. Powell sagte, die Leitzinsen bewegten sich langsam auf ein "neutrales" Niveau zu, bei dem die Zinsen nicht mehr unterstützend für die Wirtschaft wirkten und deutete an, dass die Notenbank den Leitzins sogar über das neutrale Niveau anheben könnte. "Wir könnten über neutral gehen. Aber aktuell sind wir wahrscheinlich noch weit von diesem Punkt entfernt", sagte Powell. In den USA gebe es aktuell "außergewöhnliche Zeiten" mit einer niedrigen Inflation und sehr geringer Arbeitslosigkeit.
 
 
Während das kurzfristige Zinsniveau mehr oder weniger direkt durch die Geldpolitik der Notenbank bestimmt wird, spielen bei den längerfristigen Zinsen auch die Wachstums- und Inflationserwartungen der Anleger eine große Rolle. Aktuell spielt die Fed "am langen Ende", also bei den Renditen der langlaufenden US-Staatsanleihen, allerdings eine größere Rolle als gewöhnlich. Denn die Fed hatte nach der Finanzkrise ihre Bilanzsumme stark aufgebläht, indem sie im Rahmen der QE-Programme unter anderem langfristige Staatsanleihen erwarb. Seit einiger Zeit ist die Notenbank damit beschäftigt, ihre Bilanzsumme wieder abzubauen. Dies könnte in den kommenden Jahren zu einem zusätzlichen Anstieg der langfristigen Zinsen führen.
 
Für den Aktienmarkt sind steigende Zinsen ein zweischneidiges Schwert: Einerseits können sie Ausdruck steigender Wachstums- und Inflationserwartungen sein. Andererseits führen sie aber auch dazu, dass künftige Unternehmensgewinne weniger wert sind und dadurch auch der innere Wert von Unternehmen und Aktien sinkt. Da künftige Gewinne bzw. Cash Flows weniger wert sind als Erträge, die heute verbucht werden, müssen künftige Erträge "abgezinst" werden. Steigt das Zinsniveau, dann steigen auch die bei der Aktienbewertung genutzten Abzinsungsfaktoren. Dies führt automatisch dazu, dass der innere Wert von Unternehmen bzw. Aktien sinkt. Steigen die Zinsen zu stark, wird außerdem das Wachstum abgebremst, weil Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren, die Verbraucher weniger Kredite zum Konsum aufnehmen und damit die wirtschaftliche Aktivität abnimmt.
 
 
Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sich ein steigendes Zinsniveau in der Regel erst mit einiger Verzögerung auf den Aktienmarkt auswirkt. Häufig überwiegen in der Wahrnehmung der Anleger zunächst die höheren Wachstums- und Inflationserwartungen, was tendenziell steigende Aktienkurse begünstigen kann. Auch aktuell scheint sich immer mehr die Erkenntnis durchzusetzen, dass der aktuelle Boom der US-Wirtschaft noch eine Weile anhalten kann. Trotzdem droht irgendwann Ungemach. Denn die Aussichten werden nicht so rosig bleiben, wie sie sich aktuell darstellen.
 
Aktuell kommt noch hinzu, dass steigende Zinsen in den USA auch weltweit große Auswirkungen haben. Denn nach der Finanzkrise war viel billige Dollar-Liquidität in die Schwellenländer geflossen. Aktuell wird dieses Kapital in großem Stil abgezogen, was zu einer neuen Krise in einigen Schwellenländern führen könnte (siehe auch: Neue Krise? Das große Kapital flüchtet in den Dollar!).
 

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