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US Beleihungskredite auf Aktien brechen ein

| Quelle: FIN_BLOG | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Das genaue Volumen an Krediten in den Aktienmärkten ist nicht bekannt. Sicher ist, dass es in den letzten Jahren in die Höhe schoss, insbesondere in den USA, aber auch in China. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, Aktien „auf Pump“ zu kaufen: durch Kreditkartenschulden, Immobilienbeleihungen, Kredite bei institutionellen Investoren (z.B. Hedge Funds), Kredite an Führungskräfte um Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen und natürlich die auch hierzulande bekannte Methode das eigene Aktienportfolio bei Brokern und Banken als Sicherheit zu hinterlegen (SBL’s, security based loans, Aktienbeleihungen, Margin Debt) und dadurch mehr Aktien spekulativ auf Kredit zu kaufen. 

Für all diese möglichen Kredite gibt es keine gesamtheitliche Statistik. Die einzige Form von Krediten für den Aktienmarkt, die monatlich veröffentlicht wird, ist die des Margin Debts, also der Betrag, den private und institutionelle Investoren von ihren Brokern gegen den eigenen Aktienbestand leihen. Hier ist natürlich das altbekannte Problem vorherrschend - sinken die Werte der Aktien, so sinkt auch deren Beleihungswert. Wird eine bestimmte Grenze unterschritten, kommt es zu sogenannten Margin Calls. Der Kredit ist durch den gesunkenen Wert der Aktien nicht mehr ausreichend besichert, die Bank oder der Broker verlangt vom Kunden, dass entweder Geld nachgeschossen wird oder die Kredite abgebaut werden. Wenn der Kunde kein Geld zum Nachschießen zur Verfügung hat, ist er gezwungen, Aktienpositionen zu verkaufen. Betrifft das sehr viele Marktteilnehmer, drückt das auf die Aktienkurse und durch die sinkenden Preise erhalten weitere Marktteilnehmer Margin Calls. Eine Negativspirale kann sich in Gang setzen.

So geschehen in diesem blutroten Oktober. Die sinkenden Aktienkurse führten dazu, dass sich die Beleihungskredite auf Aktien um 40,5 Mrd. USD reduzierten, ein nominaler Rückgang, wie er seit der Lehman Brothers-Insolvenz Ende 2008 nicht mehr zu verzeichnen war:

 

Mit dem durch die Notenbanken befeuerten Aktienboom seit der Finanzkrise sind auch die Beleihungskredite für Aktien von Rekord zu Rekord gestiegen:

 

Das Hoch wurde im Mai 2018 erreicht bei 669 Mrd. USD, 60% höher als der Rekordstand vor der Finanzkrise im Juli 2007 und mehr als doppelt so hoch als im Januar 2012.

Vergleicht man die Aktienmarkteinbrüche/Bärenmärkte der Vergangenheit mit der Entwicklung der Beleihungskredite, lässt sich wenig verwunderlich eine starke Korrelation feststellen. Zu Zeiten der New Economy-Blase z.B., kauften immer mehr Leute Aktien auf Kredit, beliehen mit den völlig überzogen bepreisten Internetaktien, in der Hoffnung bei weiter steigenden Kurse so noch mehr Gewinn zu machen. Als die Kurse fielen, mussten viele ihre Aktien in einen fallenden und illiquiden Markt hinein verkaufen. Dabei wurden die noch einigermaßen liquiden und besten „Qualitätstitel“ zuerst verkauft, die eher minderwertigen Aktientitel kamen später dran, freilich weit unter den Einstandspreisen. So war die Nasdaq im Oktober 2002 78% von Ihren Hochs gefallen, im selben Zeitraum fielen die Beleihungskredite um 54%. In der Finanzkrise 2008/2009 sah es ähnlich aus:

 

Kurz, Beleihungskredite verleihen dem Aktienmarkt Flügel. Geht es aber in die andere Richtung, wirken sie ebenso wie ein Beschleunigungsbrandsatz für fallende Kurse.

Im obigen Chart zur Entwicklung der Beleihungskredite sieht der Oktober 2018 nur wie eine kleine Delle aus. Ob diese Kredite noch einmal in Richtung neuer Rekorde ansteigen, wird sich zeigen. Angesichts derzeit steigender Zinsen/Renditen sowie den immer noch sehr hohen Aktienbewertungen, insbesondere im Technologiebereich, ist hier aber eine gewisse Skepsis durchaus angeraten.

Viel Erfolg in Ihren Anlageentscheidungen wünscht Ihnen wie immer

 

Ihr finanztreff.de Team

 

 

 

 

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