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Verluste steuerlich geltend machen

| Quelle: BIALLO | Lesedauer etwa 7 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Geldanlage



Verluste mit Wertpapieranlagen sind schmerzhaft – tun aber nur noch halb so weh, wenn man den Fiskus daran beteiligen kann. Dazu muss man aber die steuerlichen Spielregeln genau kennen, denn längst nicht alle Verluste will das Finanzamt anerkennen. Viele Detailfragen zum Verlustabzug sind immer noch ungeklärt. Wichtigste Grundregel: Banken und Fiskus unterscheiden seit der Einführung der Abgeltungsteuer strikt zwischen Altverlusten, die bis Ende 2008 entstanden sind und Verlusten, die unter der Abgeltungsteuerpflicht ab 2009 aus Neuanlagen entstehen. Für beide gelten völlig unterschiedliche Regelungen. Banken und Fondsgesellschaften dürfen unterjährig nur Gewinne und Verluste automatisch miteinander verrechnen, die aus Neuanlagen seit dem 1. Januar 2009 erzielt wurden. Bleibt Ende 2018 aus allen Kapitalanlagen ein Verlust übrig, kann dieser zeitlich unbeschränkt in künftige Jahre vorgetragen und mit dort entstehenden Gewinnen und Kapitalerträgen verrechnet werden. Aktiensparer müssen allerdings mit einer Besonderheit leben – Verluste aus ab 2009 getätigten Aktienkäufen dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden.



Zwei Töpfe für die Verluste

Um diese Spielregeln einhalten zu können, führt die Depotbank für jeden Anleger elektronisch zwei Verlustverrechnungstöpfe. Im ersten Topf landen realisierte Verluste aus Verkäufen von Aktien, REITs (= Real Estate Investment Trust, börsennotierte Immobilien-Aktiengesellschaft) und Vollrisikozertifikaten mit Andienungsrecht, sofern Anleger diese Papiere nach dem 31. Dezember 2008 ins Depot gepackt haben. Die Einbußen aus Aktiengeschäften zählen ab 2009 zwar in voller Höhe bei der Steuer mit – die Miesen werden in diesem Speicher aber solange auf Eis gelegt, bis bei der gleichen Bank aus Aktiendeals ein verrechenbarer Gewinn entsteht. Im zweiten Topf landen alle übrigen realisierten Verluste aus Wertpapieranlagen, die seit Neujahr 2009 getätigt wurden. Erfasst werden Gewinne und Verluste aus dem Handel mit Anleihen, Zertifikaten, Termingeschäften, Fondsanteilen sowie gezahlte Stückzinsen. Sämtliche Nebenkosten beim An- und Verkauf wie Bankspesen und Maklercourtage zählen mit. Die depotführenden Institute führen die beiden Töpfe unterjährig fort. Das hat für Anleger einen entscheidenden Vorteil – sie müssen ihrem einmal bezahlten Steuergeld nicht lange hinterherlaufen.



Die Bank erstattet auch im laufenden Jahr zu viel gezahlte Steuern zurück. Mancher Anleger kann sich deshalb das Ausfüllen komplizierter Steuerformulare ersparen. Ehepaare sind im Vorteil, wenn sie ihrer Depotbank einen gemeinsamen Freistellungsauftrag erteilt haben. Dann erfolgt eine konten- und depotübergreifende Verrechnung von Kursgewinnen und -verlusten. Führt das Paar Depots bei verschiedenen Banken, kommt es allerdings auch weiterhin um eine Steuererklärung nicht herum. Anleger mit mehreren Bankverbindungen können sich ungenutzte Verluste aus beiden "Töpfen" jeweils zum Jahresende von der Bank bescheinigen lassen. Der Anleger verrechnet dann auf eigene Initiative Verluste des einen Depots mit Gewinnen des anderen Depots über die jährliche Steuererklärung und lässt sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer vom Fiskus erstatten.



Einspruch einlegen

Um ihr Recht kämpfen müssen Anleger, die in den vergangenen Jahren mit Privatdarlehen oder hochverzinslichen Mittelstandsanleihen viel Geld verloren haben. Die Anleihen sind nach der Insolvenz von Pleitefirmen wie KTG Agrar und German Pellets wertlos – bereits realisierte Kursverluste dürfen die Banken allerdings nicht in den Verlusttopf einstellen. Der Grund ist eine Gesetzesänderung von Ende 2015. Danach müssen die Banken beim Abzug der Abgeltungsteuer die Verwaltungsmeinung des Fiskus berücksichtigen – auch wenn sie vielleicht anderer Meinung sind. Die Finanzämter gehen aber immer noch pro-fiskalisch davon aus, dass der Ausfall einer privaten Darlehensforderung steuerlich irrelevant ist. Im Klartext: Geht es nach dem Finanzamt, sollen Anleger ihre Verluste überhaupt nicht steuerlich geltend machen können.



Doch mit Urteil vom 24. Oktober 2017 (Az.: VIII R 13/15) hat der BFH klar gegen den Fiskus entschieden, dass Verluste aus privaten Darlehen doch steuerlich geltend gemacht werden können, wenn man verliehenes Geld von Freunden, Bekannten, Vereinen und Verwandten nicht zurückerhält. Das Urteil betrifft jedoch auch zahlreiche Anleger, die sich aufgrund der anhaltenden Zinsflaute auf riskante Geldanlagen mit Mittelstandsanleihen, Zertifikaten und Anbietern von Schneeballsystemen eingelassen haben und die dann bei den Millionenpleiten von Infinus, KTG Agrar, German Pellets, Prokon und anderen Pleitiers erhebliche Verluste ihrer eingezahlten Gelder verbuchen mussten.



Was bedeutet das Urteil?

Die Finanzämter müssen nun umdenken – das fällt ihnen aber sichtlich schwer. Ein offizielles Statement der Behörden zu der neuen Rechtslage steht immer noch aus. Man berät intern immer noch, wie man mit dem teuren Richterspruch umgehen möchte (Kurzinformation der OFD Nordrhein-Westfallen vom 23. Januar 2018). Vor dem Bundesfinanzhof ist zu der gleichen Rechtsfrage ein weiteres Verfahren anhängig (Az.: X R 9/17) – vielleicht hofft man hier auf ein für den Fiskus positiveren Richterspruch. Allerdings ist hier eher nicht zu erwarten, dass der zuständige zehnte Senat des obersten deutschen Steuergerichtes die vom achten Senat gerade neu ausgerichtete Rechtsprechung gleich wieder einkassiert. Sollte das so kommen, wäre das rechtliche Chaos perfekt. In einem weiteren Streitfall (IX R 9/18) muss der BFH klären, ob auch der Verzicht auf eine ausstehende Darlehensforderung steuerwirksam geltend gemacht werden kann.



Musterprozesse zum Mitverdienen

Dass Verluste aus Aktiengeschäften nur eingeschränkt mit Gewinne aus Aktiendeals und nicht mit anderen Wertpapiergewinnen verrechnet werden dürfen, ist nach einem aktuellen Urteil des Finanzgerichtes Schleswig-Holstein vom 28. Februar 2018 (Az.: 5 K 69/15) verfassungsgemäß. Ob das so richtig ist, muss der BFH im anhängigen Revisionsverfahren erst noch klären (Az.: VIII R 11/18). Nach einem Urteil des Finanzgerichts Köln vom 26. Oktober 2016 (Az.: 7 K 3387/13) sind die Anschaffungskosten für Knock-Out-Zertifikate im Verlustfall als Werbungskosten steuerlich abzugsfähig, auch wenn die Zertifikate eine Stopp-Loss-Schwelle haben, die dem Basispreis vorgelagert ist. Das unterlegene Finanzamt hat beim BFH Revision eingelegt (Az. VIII R 1/17). Dort ist bereits ein weiteres Verfahren zu den K.O.-Zertifikaten anhängig (Az. VIII R 37/15).



Normalerweise muss man ein Wertpapier tatsächlich verkaufen, um den Verlust steuerlich abrechnen zu können. Doch was gilt steuerlich, wenn Aktien im Rahmen einer Firmenpleite entschädigungslos eingezogen werden und die Depotbank den Posten einfach aus dem Depot bucht? Das Finanzgericht Düsseldorf meint, die Verluste fallen dann steuerlich unter den Tisch (Az. 7 K 2175/16 F). Abschließend klären muss der BFH diese Praxisfrage (Az. VIII R 34/16).



Wie ist die Lage bei fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen?


Ungeklärt ist auch die Frage, ob Kursverluste aus dem vorzeitigen Verkauf einer fondsgebundenen Lebensversicherung steuerlich absetzbar sind (BFH-Az. VIII R 25/16). Auch die genaue Reihenfolge der Verlustverrechnung ist rechtlich umstritten. Banken sind verpflichtet, pro Depot Gewinne und Verluste auch unterjährig auszugleichen. In einem anhängigen Verfahren (Az.: VIII R 8/16) muss der BFH die Frage klären, ob nicht das Finanzamt – abweichend von der gesetzlich vorgesehenen Reihenfolge der Verlustverrechnung – Gewinne aus den Jahren 2009 bis 2012 auf Antrag des Anlegers nicht vorrangig mit Altverlusten aus der Zeit bis 2008 verrechnen muss. Anleger, die in geschlossene Fonds investiert haben und vorzeitig wieder aussteigen, sollten einen weiteren Musterprozess vor dem BFH im Auge behalten (Az.: IV R 2/16). Denn bisher können laufende Verluste aus derartigen Steuersparmodellen nur mit künftigen Gewinnen aus demselben Fonds verrechnet werden. Ob diese Verrechnungssperre auf für endgültige Verluste gilt, wenn man die Beteiligung verkauft, muss der BFH erst noch klären.



Altverluste sind nicht wertlos

Mit Altverlusten aus der Zeit bis Ende 2008 haben Depotbanken und Fondsgesellschaften nichts zu schaffen – dennoch sind sie nicht wertlos. Anleger müssen diese nur bei ihrem Finanzamt geltend machen. Anleger durften ihre roten Zahlen aus der Zeit bis 2008 zwar in das neue Steuersystem der Abgeltungsteuer hinüberretten. Allerdings konnten sie diese Altverluste nur noch zeitlich befristet bis zum 31. Dezember 2013 über die Steuererklärung mit Kursgewinnen aus allen Wertpapiergeschäften ab 2009 verrechnen. Dazu zählen also auch Profite aus dem Verkauf von Anleihen, Zertifikaten und Fondsanteilen – nicht jedoch Zinserträge oder Dividenden sowie Auszahlungen aus Lebensversicherungen oder Fondsausschüttungen. Seit 2014 können noch nicht verwertete Altverluste nur noch mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften wie dem steuerpflichtigen Verkauf von Immobilien, Edelmetallen wie Goldbarren oder -münzen oder Antiquitäten verrechnet werden.

 



Quelle: Biallo & Team GmbH
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