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Vorsicht Vorabpauschale! – und Auf Wieder-Lesen!!

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Liebe Freunde und Leser der Investmentecke. Wie angekündigt endet mit dem heutigen Tag nach beinahe 15 Jahren und rund 3.500 Geschichten unser täglicher Blick auf Märkte und Produkte. Den Auftakt machte zu Beginn des Jahres 2004 ein Erklär-Stück zu Long-Produkten auf den Ölpreis, der damals bei rund 35 Dollar lag. In den beiden darauf folgenden Jahren verdoppelte er sich bis auf 70 Dollar, um weitere zwei Jahre später die kaum vorstellbare Dimension oberhalb von 140 Dollar zu erklimmen. Mit dieser ersten Geschichte haben wir also wohl nicht ganz falsch gelegen und ich hoffe sehr, dass auch die dann folgenden in ihrer großen Mehrzahl hilfreich und nützlich gewesen sind.

Dabei genügen zwei bedeutende Eckpunkte um zu zeigen, wie stark sich die Anlagewelt seit jener ersten Geschichte zum richtigen Einsatz von Öl-Turbos verändert hat: Im Jahr 2004 haben Sparer tatsächlich noch Zinsen bekommen, wenn sie einer Bank ihr Geld überlassen haben. Und der Staat unterstützte sie beim Vermögensaufbau, in dem er Wertsteigerungen von Aktien nach Ablauf einer Mindesthaltedauer von 12 Monaten  nicht besteuerte. Stattdessen verlangte er nur bei kurzfristigen Spekulationen einen Anteil der erzielten Gewinne, während er die langfristige Beteiligung der Bürger am Produktivkapital förderte.

Von beidem kann die heutige Anlegergeneration nur noch träumen, was angesichts der bis heute nicht gelösten Problematik einer alternden Gesellschaft und eines nach wie vor ausstehenden Konzepts zur Sicherung und Stabilisierung der Rente für die Ruheständler von morgen und übermorgen doppelt bitter ist. Doch damit nicht genug. In wenigen Tagen greift der nächste politische Irrsinn, der es eigenverantwortlichen Sparern schwerer macht, selbst einen Beitrag für ihre Alterssicherung aufzubauen.

Denn Anfang Januar wird erstmals eine heute zu zahlende Steuer auf mögliche künftige Gewinne fällig. In ihrem Feldzug gegen den Vermögensaufbau der Bevölkerung haben sich die (zu einem großen Teil über üppige Abgeordneten-Pensionen bestens abgesicherten)  politischen Entscheider die Vorab-Pauschale für Fondsanleger ausgedacht, die jetzt zum ersten Mal erhoben wird. Anleger müssen sich also darauf einstellen, dass ihnen ab sofort immer zu Jahresbeginn eine unter Umständen hohe Summe vom Konto abgebucht wird.

Diese wäre in einem der vergangenen Jahre allerdings deutlich höher ausgefallen. Denn mit einer gewissen Schadenfreude könnte man anmerken, dass die harte Börsenkorrektur genau zur rechten Zeit gekommen ist. Denn wo keine Kursgewinne sind, da muss dann auch keine Vorab-Steuer bezahlt werden. Doch an ein paar Stellen sind eben doch Pluszeichen geblieben, sodass Anleger, die auch nach dem schweren Jahr 2018 ein paar Gewinnerfonds im Depot haben, in den kommenden Tagen dringend prüfen sollten, ob sie ausreichende hohe Cash-Bestände auf den dazugehörigen Verrechnungskonten vorrätig haben.

Ganz generell lässt sich sagen, dass voraussichtlich nur thesaurierende Fonds betroffen sein werden, da bei allen anderen die Ausschüttungen ausreichen dürften, um den ermittelten fiktiven „Basisertrag“ auszugleichen. Er wird errechnet indem der Rücknahmepreis vom 2.1.2018 mit dem von der Bundesbank jedes Jahr neu festgesetzten Basiszins multipliziert und der Betrag dann noch einmal um 30 Prozent gesenkt wird. Für 2018 hat die Bundesbank 0,87% angesetzt, sodass für die Vorabpauschale also 0,61% (70% von 0,87%) herangezogen werden. Dabei gilt: Wenn Ausschüttungen erfolgt sind und diese den ermittelten fiktiven Basisertrag übersteigen, wird keine Vorabpauschale erhoben. Und auch bei Fondsverlusten muss erfreulicherweise nicht gezahlt werden.

Und um es noch etwas komplizierter zu machen, wird ein Teil der zu versteuernden Erträge freigestellt (bei Aktienfonds immerhin 30%) und bei einer späteren Veräußerung werden die im Laufe der Zeit abgeführten Vorab-Steuern freundlicherweise berücksichtigt.

Wie gesagt. Das desaströse Börsenjahr 2018 wird wohl dafür sorgen, dass die im Januar anfallenden Belastungen allenfalls moderat ausfallen werden. So reicht es wohl in den meisten Fällen, wenn die Freibeträge noch einmal überprüft und angepasst werden und ein paar Extra-Euros auf dem Verrechnungskonto liegen. Alternativ bietet sich der Wechsel in ausschüttende Fonds und ETFs an, was viele Anbieter schon von sich aus veranlasst haben, um den Anlegern das skizzierte Mathematik-Elend zu ersparen.

Mit diesem wenig erbaulichen letzten Hinweis, beenden wir nun also die Investmentecke auf Finanztreff. Ich wünsche allen Lesern auch im Namen von Thomas Koch eine glückliche Hand bei allen künftigen Anlageentscheidungen und verabschiede mich mit einem freundlichen „Auf Wieder-Lesen“ an dieser oder einer anderen Stelle! Und insgeheim freue ich mich auch darauf, morgens wieder etwas länger schlafen zu können.

Mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Jahr 2019

Ralf Andreß

Thomas Koch

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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