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Wasserstoff schlägt Internet

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Es ist die wohl frechste Wette, die sich zurzeit denken lässt. Selbst die Pandemie kommt damit nicht mit. Aber: Internet ist die Kommunikationsebene für alle Menschen, die sich des Internets bedienen. Von Mensch zu Mensch, von Maschine zu Mensch und umgekehrt und auch von Maschine zu Maschine. Sammelbegriff dafür: DIGITALISIERUNG. Jeder kann sich also des Internets bedienen, um seine Geschäftsmodelle und privaten Interessen umfangreich zu nutzen. Die teuersten Unternehmen in der Welt entstanden rund um das Internet, ohne Ausnahme und vollkommen. Es war der Hype der letzten 10 bis 12 Jahre.

Ohne Wasserstoff funktioniert gar nichts. Vor zwei Jahren noch kaum beachtet, wurde der Wasserstoff, als chemisches Element mit dem Buchstaben H gekennzeichnet, zum Inbegriff der Energieszene für die kommenden 10 bis 12 Jahre und in Beträgen, die das Internet schlagen dürfte. Wer klimaneutral leben will, kommt um Wasserstoff nicht mehr herum, insbesondere wenn gleichzeitig die bisherigen Energiequellen Kernkraft und Kohle ausrangiert werden. Der Aufbau dieser Wasserstoffwelt wird jedoch Beträge für Investitionen in zweistelliger Billionenhöhe erfordern. Grüner Wasserstoff ist zwar wünschbar, aber nicht machbar. Weder in der Menge, noch mit den Investitionen. Da dies nicht onshore funktioniert, gibt es nur die Alternative offshore. Dann sind wir bei der Windkraft als erste Voraussetzung, diese Wasserstoffziele überhaupt anzupeilen. Mithin wird die Windkraft einen bedeutenden zweiten Aufschwung erleben, um überhaupt die Voraussetzungen für ausreichenden Wasserstoff zu garantieren.

Ohne Wasserstoff funktioniert jedoch weder E-Mobility noch Brennstoffzelle, in welchen Varianten auch immer. Jeweils kombiniert mit anderen Elementen, meist seltenen Metallen und chemischen Variationen. Das lässt sich nicht in wenigen Monaten machen, sondern nur in Jahren.

Die Skandinavier sind diesmal auf dieser Ebene die Ersten, zurzeit die Besten und die Schnellsten. Ihre Größenordnung reicht bei Weitem nicht aus, um den Wasserstoffbedarf zu sichern. Damit kommt der dritte Faktor ins Spiel, nämlich Erdgas, und möglicherweise anschließend auch Öl, als Ausgangswerte für die Erzeugung von grauem Wasserstoff. Denn nur diese Art von Wasserstoff sichert die hinreichende Versorgung mit hinreichender Reinheit in der Herstellung, aber vertretbaren Preisen.

Das Thema Wasserstoff wird deshalb an den Märkten der nächsten Jahre eine dominierende Rolle spielen. Von klein bis groß bzw. erfindungsreich bis kapitalstark. In einer besonderen Zwangslage stehen die großen Ölkonzerne, die mit ihrem erheblichen Kapital, umfangreichem Knowhow in Sachen Gas, diese Szene demnächst dynamisieren. Die Norweger leisten die interessanteste Vorarbeit mit gekonnter Windkraft (Ørsted), die Franzosen mit der Verbindung Windkraft als Energieträger für den Wasserstoff in Kombination mit Erdgas (aus Algerien), um mit grauem Wasserstoff im größeren Umfang in Europa die Marktstellung auszubauen. BP schrieb vor 8 Wochen einen großen Teil seiner Ölreserven ab und stellt sich gemäß Aussage seines Chefs auf die Wasserstofferzeugung um.

Die Deutschen fahren wie üblich vorsichtig hinterher. Kleinere Adressen in Sachen Wasserstoff oder Brennstoffzelle etc. gibt es noch nicht. Einige Versuche mit größeren Partnern zu beginnen, sind gleichwohl schon bekannt. Große Ölkonzerne besitzen wir nicht und darin liegt die Herausforderung: Welche große deutsche Chemie- oder Energieadresse wird nun definitiv in diesen Geschäftsfeldern tätig werden? Darin liegt eine bedeutende Herausforderung für Unternehmen wie Linde und RWE bzw. BASF mit der Tochter Wintershall unter besonderer Berücksichtigung des Nordstream-2-Kanals für Erdgas, dem noch etwa 100 km bis zur Fertigstellung fehlen.

Wasserstoff mit Internet zu vergleichen ist keine Chemie und keine Technik – sondern eine Börsenwette. Wer von den Unternehmen (neu wie alt) wird in diesem Umfeld ein neues Investment? Der Rahmen steht: Der Bedarf an Wasserstoff wird sich in den kommenden 10 Jahren versiebenfachen. Reicht das?

Diese anspruchsvolle Alternative eröffnen wir in der Diskussion im Bernecker.tv am 06.01.2021 und sagen bereits voraus: Es wird uns Monat für Monat beschäftigen, die alternativen Möglichkeiten auszuloten, wie aus alten Trends neue werden und alte Trends an Attraktivität verlieren. Das ist Börse!

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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