DAX®12.645,75+0,82%TecDAX®3.028,89-0,76%Dow Jones 3028.335,57-0,10%Nasdaq 10011.692,57+0,25%
finanztreff.de

Wechselwirkungen

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Das Coronavirus trifft eine Vorentscheidung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl. Wer hätte das gedacht? Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls groß, dass die amerikanischen Sozialdemokraten das Rennen machen. Also darf man auch darauf spekulieren, wie sich in den noch offenen dreieinhalb Wochen die Parteien am Aktienmarkt neu aufstellen oder darüber nachdenken, wie sie ihre bisherigen Annahmen neugestalten wollen. Ein Vorgriff ist deshalb erlaubt.

Biden ist ein Gutmensch, genauso wie Jimmy Carter, Bill Clinton und Barack Obama. Dazu gehört eine andere Sicht des gesellschaftlichen Lebens und folglich eine andere Wirtschaftspolitik. Grob gefasst: Jeder Sozialdemokrat bewertet das soziale Leben in einem Staat grundsätzlich höher als die andere Seite, nämlich Herstellung von Gütern oder die Unternehmerseite. Darin liegt keine bewusste Bevorzugung oder Diskriminierung, sondern es ist nun mal ein ideologisches Ziel aller Sozialisten, dem sogenannten schwächeren Teil der Gesellschaft irgendwann und irgendwie unter die Arme zu greifen. Es geht nicht um Enteignung, aber um höhere Steuern, nach dem selbstverständlichen Ziel, wonach die Reichen oder Besserverdienenden mehr zahlen sollen als die anderen.

Die deutschen Sozialdemokraten machten es genauso. In der ersten Großen Koalition ab 1966 waren die Versuche dieser Art am Finanzminister Franz Josef Strauß gescheitert. Deshalb honorierte der deutsche Markt diese Wende mit einem sehr hohen Gewinn des Index (FAZ) mit rund 220 % in drei Jahren.

Mit der Wahl von Willy Brandt war die Story zu Ende. 12 Jahre lang bis 1982 bewegte sich der deutsche Markt in einer engen Bandbreite mehr oder weniger auf der Stelle, von kleinen Abweichungen für kurze Zeit abgesehen. Das Ende ist bekannt: Als die Kasse leer war, warf die FDP das Handtuch und das war’s. Zwei Wochen später startete ein bürgerliches Kabinett mit der bekannten Abfolge: 1.600 % Kursgewinn im Index in den folgenden 18 Jahren.

Jimmy Carter war durchaus kreativ tätig und keineswegs mit falschen Voraussetzungen. Blue Sky und die Aufteilung von AT&T sind die bekanntesten Maßnahmen, aber: Es gab keine konkreten Anstöße für die Wirtschaft, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Das ergab eine durchweg stabile, aber auch stagnierende Wirtschaft. Erst mit Ronald Reagan ging es los.

Bill Clinton hatte das Glück, die Ernte der Reaganomics einzufahren. Zeitweise gab es sogar Überschüsse im US-Haushalt. Weil das so schön war, forcierte er mit der Demokratenmehrheit im Kongress den ideologischen Traum, wonach jeder Amerikaner entweder ein Häuschen oder eine Wohnung besitzen sollte und animierte die zwei Banken Fannie und Freddie, die Beleihung solcher Käufe über 100 % zuzulassen. Am Ende waren beide pleite bzw. mussten aufgefangen werden. Schließlich: Obamacare war richtig und vertretbar. Aber: Ein Drittel der jährlichen Finanzkosten von rd. 800 Mrd. Dollar sollten die Versicherungen tragen, ein Drittel der Staat und das letzte Drittel die Versicherten selbst. Das war den letzteren immer noch zu viel, so dass nur etwa die Hälfte der Begünstigten dies überhaupt wahrnahm. Somit ist immer noch ein großer Teil der Amerikaner in Sachen Krankheit entweder unter- oder gar nicht versichert. Die Fortsetzung wäre nun Biden/Harris. Eine Stagnation für die Wirtschaft ist unter diesen Umständen nicht zwingend, aber man kann nicht beides: Den Sozialstaat ausbauen, ohne den Wirtschaftsteil zu bremsen. Das sind die Perspektiven, über die wir möglicherweise oder wahrscheinlich ab dem 04. November diskutieren können.  

Ihr

Hans A. Bernecker

Schlagworte:
, , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

» Alle News von Hans A. Bernecker

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

HSBC Trading TV

Werbung

Trading-Tipp

Börsen & Märkte

US-Marktüberblick

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 44 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen