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Wie Anleger vom Hexensabbat profitieren

| Quelle: Dirk Hess | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Viermal im Jahr findet der „Hexensabbat“ statt. Gemeint sind damit die großen Verfallstage an den Terminbörsen. Häufig kommt es dabei zu stärkeren Kursschwankungen. Daraus können sich Chancen ergeben.

Eigentlich werden die Kurse an den Aktienbörsen von neuen Nachrichten aus den Unternehmern oder der Wirtschaft bewegt. An manchen Tagen im Jahr kann es jedoch passieren, dass die Kurse scheinbar völlig grundlos umherspringen. Verantwortlich für diese Anomalie sind meistens die Terminmärkte. Als dreifacher Hexensabbat werden diese Tage in Anlehnung an das schwer nachvollziehbare Kurstreiben bezeichnet.

Was genau geschieht an einem „Hexensabbat“?

An den großen Verfallstagen werden an den weltweit wichtigsten Terminmärkten gleich drei Arten von Derivaten fällig: Optionen auf Einzelaktien, Optionen auf Indizes und Futures auf Indizes – daher auch der Name dreifacher Hexensabbat. Dieses Phänomen gibt es viermal im Jahr ­­– jeweils am dritten Freitag im letzten Monat eines Quartals, also im März, Juni, September und Dezember. Zu unterscheiden sind die großen von den kleinen Verfallstagen, bei denen lediglich die Abrechnungskurse für Optionen auf Aktien und Indizes festgestellt werden.

An der europäischen Terminbörse Eurex sieht der Zeitplan an einem dreifachen Hexensabbat so aus: Zunächst werden zwischen 11:50 und 12.00 Uhr Optionen und Futures fällig, die sich auf die STOXX-Indexfamilie beziehen. Zur Mittagsauktion, gegen 13:00 Uhr, verfallen Anlageprodukte auf die Deutsche Börse-Indizes DAX und TecDax, gefolgt vom MDAX um 13:05 Uhr. Um 17:30, dem XETRA-Börsenschluss, endet der Hexentanz mit den Optionen und Futures auf Aktien.

Versuchung, Kurse in die richtige Richtung zu lenken

Der Begriff Derivat kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „ableiten“. Und für gewöhnlich ist es so, dass die Aktienkurse den Preis von Derivaten wie Futures oder Optionen bestimmen. Doch an den vier großen Verfallsterminen kann der Terminhandel Kräfte entfalten, die wiederum direkt auf die Aktienbörsen durchschlagen. Was steckt dahinter? Bei den Akteuren an den Terminmärkten handelt es sich in der Regel um institutionelle Investoren, wie grosse Vermögensverwalter oder Hedgefonds. Ein Motiv für den Kauf oder Verkauf von Derivaten kann zum Beispiel Spekulation sein, ein anderes Absicherung, ein drittes ist die Erzielung von Zusatzeinnahmen. Sie alle eint jedoch das Interesse, dass sich das Geschäft für sie gut entwickelt. Die Akteure können daher versucht sein, den Kurs des Basiswerts, das kann eine Aktie oder ein Aktienindex sein, im Vorfeld beziehungsweise an den Verfallstagen in die für sie richtige Richtung zu lenken.

Kampf zwischen Bulle und Bär

Dazu ein Beispiel: Der Verkäufer einer Call-Option, auch als Stillhalter bezeichnet, profitiert davon, wenn die Option wertlos verfällt. Ansonsten muss er dem Käufer am Verfallstag den zugrunde liegenden Basiswert liefern. Das ist der Fall, wenn dieser über dem Basispreis liegt. Also könnte er bestrebt sein, den Kurs des Basiswerts unter den Basispreis zu drücken. Gelingt ihm das nicht, muss er sich – um seiner Lieferverpflichtung nachkommen zu können – mit dem Basiswert eindecken. Das wiederum könnte Spekulanten auf den Plan rufen. Sie setzen durch Käufe des Basiswerts darauf, dass die Call-Option ins Geld läuft und der Stillhalter gezwungen ist, seine Position abzusichern. Diese zusätzlichen Käufe verstärken wiederum die Kursbewegung des Basiswerts.

Wie Anleger vom Hexensabbat profitieren können

Wer den Kampf an den Terminmärkten letztendlich gewinnt ist nicht sicher. Es kann daher keine Aussage getroffen werden, wohin die Reise an den großen Verfallstagen generell geht. Was aber häufig zu beobachten ist: An diesen Tagen nimmt die Schwankungsintensität, also die Volatilität, an den Aktienmärken zu. Und genau daraus ergibt sich eine Chance für Privatanleger. Eine Möglichkeit besteht darin, bereits einige Tage vor dem Verfallstermin in einer ruhigen von niedriger Volatilität geprägten Marktphase am Geld liegende Call- und Put-Optionsscheine auf den DAX mit identischem Basispreis und gleicher Restlaufzeit zu kaufen. Diese Strategie wird als „Straddle“ bezeichnet. Sie beruht darauf, dass der zugrunde liegende Basiswert in nächster Zeit stark schwanken wird. Die Richtung der Schwankung ist dabei egal. Wenn nun am Hexensabbat die Volatilität ansteigt sollte sich der Zeitwert der Optionsscheine erhöhen. Dann ginge die Strategie auf, die Gesamtposition würde an Wert gewinnen und auch direkt geschlossen werden. Der nächste große Hexensabbat findet bereits am 15. März 2019 statt.

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Dirk Heß

Dirk Heß Dirk Heß, Finanzexperte der Citi, schreibt regelmäßig zu aktuellen Markt- und Derivate-Themen. Als Co-Head EMEA Public Listed Products Sales & Distribution bei Citigroup Global Markets Europe besitzt er langjährige Expertise in allen Fragen rund um Börse und Investments. In seinem regelmäßigen Kommentar gibt Dirk Heß fundiertes Fachwissen weiter.

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