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Wie hoch ist das Bayer-Risiko?

| Quelle: Hans A. Bernecker | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nach VW kommt Bayer. Der Glyphosat-Skandal erreicht nun eine Größenordnung, die den Bestand oder die Existenz des größten deutschen Chemiekonzerns neben BASF in seiner Existenz berührt. Die Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden Baumann in einem kürzlichen Interview sind richtig und nicht zweifelhaft, treffen aber nicht den Umfang und die Konsequenzen. Fangen wir an:

Die Entscheidung, Monsanto zu kaufen, war im damaligen Bayer-Vorstand umstritten, deshalb verabschiedete sich der Vorstandsvorsitzende, Herr Decker, vorschnell und konsequent. Eine Kommentierung dazu gab es nicht. Strittig war nicht der Preis, sondern das grundsätzliche Risiko eines Investments in Monsanto, nachdem Monsanto schon seit Jahren vielfältig in der Kritik stand, sowohl in der Entwicklung von Pflanzenschutzmittel als auch von Gen-Produkten bis zu den berühmten Gen-Tomaten. Richtig war die Beurteilung seitens Bayer: Ohne Gen-Produkte ist künftig die Weltbevölkerung nicht zu ernähren. Das klang zwar sehr global, war aber richtig.

Die Schadensersatzklagen waren mithin absehbar. Wie üblich in den USA zunächst mit einer Einzelklage und anschließenden Sammelklagen. In der ersten Klage verlor Monsanto mit einer Schadenssumme von 280 Mio. Dollar, worauf man in Berufung ging. Jetzt wurden in einer weiteren Einzelklage 80 Mio. Dollar in den Raum gestellt. Wie üblich nach amerikanischem Recht steckt in dieser Summe sowohl ein direkter Anspruch des Geschädigten als auch ein Strafanteil. Die Aufteilung ist noch unbekannt. Der Schadensanspruch ist rechtsgültig, aber die Strafe verhandlungsfähig. So weit zum Hintergrund:

Wie hoch ist das Bayer-Risiko einzuschätzen? Der Fall VW ist nur ein indirektes Beispiel, aber brauchbar. Der Wert  des Bayer-Konzerns reduzierte sich inzwischen um 75 Mrd. Euro. Der Marktwert von Bayer liegt inzwischen mit rund 50 Mrd. Euro niedriger als der Kaufpreis für Monsanto. Damit ist rein rechnerisch Monsanto aus der Sicht der Börse eliminiert. Wie hoch ist das tatsächliche Prozessrisiko zu kalkulieren? Anwälte, die mit amerikanischem Recht zu tun haben, aber nicht im Falle Bayer mandatiert sind, schätzen das Risiko auf 15 bis 20 Mrd. Euro ein. Es ergibt sich aus den dargelegten früheren Prozessen. Dazu zählt: Verlierer ist Monsanto und nicht Bayer direkt (als Mutter). Damit wäre Monsanto zunächst aktiv belastet und würde oder könnte diesen Verlust zur Mutter tragen, wenn diese dazu verpflichtet wäre. Das ist sowohl steuerrechtlich als auch vermögensrechtlich noch unklar. Sicher ist dagegen, dass der Kaufpreis für Monsanto von rund 60 Mrd. Euro in der Bayer-Bilanz einer erheblichen Abschreibung unterliegt. Hier bewegen sich die Schätzungen um 20 – 25 Mrd. Euro, die nicht in die G+V eingehen, sondern in die Bilanz. Und zwar zulasten des Eigenkapitals. Was bleibt übrig?

Das Gesamtgeschäft von Bayer als Konzern in der jetzigen Struktur wird von guten Kennern dieses Sektors auf 80 bis 85 Mrd. Euro veranschlagt. Also unabhängig davon, was auch immer aus den Klagen wird. Dann wäre ein Marktwert von aktuell rund 50/52 Mrd. Euro ein Mindestwert. Gewissermaßen worst case.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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